OB Torsten Burmester betont die Wichtigkeit von Brauchtum im modernen Köln und wird Teil des Fördervereins.
Kölner OB erhält Bürgerorden„Brauchtum mehr als das Festhalten an Bewährtem“

OB Burmester (rechts) erhält den Bürgerorden von Bernhard Conin.
Copyright: Christian Hümmeler
Das Amt des Kölner Stadtoberhaupts bringt eine Reihe von zusätzlichen Aufgaben mit sich – manche angenehmer, manche weniger angenehm. Zur ersten Kategorie zählt sicherlich die Mitgliedschaft im Verein der Freunde und Förderer des kölnischen Brauchtums – und die kommt ganz automatisch, denn der Oberbürgermeister ist geborenes Mitglied des bereits 1932 gegründeten Vereins, der sich vorzugsweise dem Karneval in seiner ursprünglichen Form widmet, etwa durch die Ausrichtung der Schull- und Veedelszöch.
OB: Brauchtum auch „Halt in einer Gegenwart, die von rasantem Wandel geprägt ist“
Beim traditionellen Hämmchenessen, der jährlichen Mitgliederversammlung im Gürzenich, verlieh Bernhard Conin, der Vorsitzende der Brauchtumsfreunde, dem neuen OB Torsten Burmester den Bürgerorden und nahm ihn damit in den Förderverein auf. Burmester bekannte sich in seiner Dankesrede ausdrücklich zum Vereinsziel: „Für mich ist Brauchtum mehr als das Festhalten an Bewährtem“, so der OB. „Für mich bedeutet es Halt in einer Gegenwart, die von rasantem Wandel geprägt ist“. In einer solchen Welt brauche es Konstanten. „Dazu gehört in unserem Köln der Karneval mit seiner optimistischen Grundhaltung, ganz besonders der Veedels-Fasteleer, der allen zugänglich ist.“
Doch das sollte nicht die einzige Auszeichnung an diesem Abend bleiben: Auch die Stunksitzung, ursprünglich als kritisch-satirische Alternative zum etablierten Karneval gegründet, bekam den Bürgerorden, jetzt in der Version „ehrenhalber“. Ausgezeichnet werde eine Institution, die vor über vier Jahrzehnten den Kölner Karneval herausgefordert, erweitert und nachhaltig geprägt hat. „Statt Prunk gab es Stunk“, schilderte Brauchtumsfreunde-Geschäftsführerin Johanna Cremer in ihrer Laudatio die Entstehung der Sitzung. „Doch genau dieser Mut zur Reibung wurde zu ihrer Stärke.“
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Ausfall der Sitzung schien aufgrund hoher Kosten möglich
Die Stunksitzung habe dem Karneval eine neue, kritische Stimme gegeben und damit ein zentrales Wesenselement des kölnischen Brauchtums neu belebt, so Cremer: „Den Karneval als Spiegel und Ventil seiner Zeit.“ Für die Stunker nahm Präsidentin Biggi Wanninger die Auszeichnung entgegen – und bewies anschließend mit dem hoch liebevollen Lied vom alternden Funkemariechen, dass die Stunker auch den traditionellen Karneval inzwischen ganz gut können.
In seiner Bilanzrede hatte Bernhard Conin zuvor die Erfolge des abgelaufenen Jahres aufgelistet, aber auch an die Schwierigkeiten erinnert. Insbesondere die Finanzierung der Schull- und Veedelszöch hatte den Verein noch vor einem Jahr erheblich belastet.
Neue Sicherheitsauflagen hatten die Kosten so stark in die Höhe getrieben, dass sogar ein Ausfall des Sonntagszuges nicht mehr unwahrscheinlich schien. Nachdem das Thema durch einen Bericht im „Kölner Stadt-Anzeiger“ öffentlich geworden war, erreichte den Verein eine riesige Welle der Solidarität, gepaart mit eindrucksvoller Spendenfreude. Auch die Stadt habe ihre Unterstützung für die Schull- und Veedelszöch inzwischen neu justiert, sagte Conin. (chh)

