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Kommentar

Serie „Auf den Punkt“
Rund um das Kölner MAKK wird alles immer schlimmer

Ein Kommentar von
und
5 min
Die drei antiken Sarkophage in der kleinen Grünanlage am MAKK wurden beschmiert.

Die drei antiken Sarkophage in der kleinen Grünanlage am MAKK wurden beschmiert.

Die Stadt Köln hat ein Enddatum für die Aufstellung der Baucontainer vor dem Museum für Angewandte Kunst Köln mitgeteilt. Barbara Schock-Werner ärgert sich.

Ich sage es nicht gern, aber es hilft nichts: Für die Erfahrung „schlimmer geht immer“ liefert die Stadt Köln derzeit wieder einen ärgerlichen Beleg. Rund um das Museum für Angewandte Kunst (MAKK) sah es schon vor gut einem Vierteljahr so abschreckend aus, dass mir die Museumsleute, die unter diesen Bedingungen Besucher anziehen sollen, rechtschaffen leidgetan haben. Der gerade gewählte Oberbürgermeister Torsten Burmester war ganz meiner Meinung und versprach Abhilfe, zumindest was die vor der Museumsfront zu einer Sperrwand aus grauem Stahl aufeinander gestapelten Baucontainer angeht. Das Domhotel ist inzwischen fast fertig. Ich habe mich also gefragt, warum die hässlichen Dinger nicht längst verschwunden sind, zumal die meisten offensichtlich unbenutzt sind. Die Rollläden vor den Fenstern sind permanent heruntergelassen, nur in einigen wenigen Containern sehe ich überhaupt noch Menschen sitzen und arbeiten.

Praktischerweise war mein Co-Autor direkt nach unserem Ortstermin für ein Interview beim Oberbürgermeister. Da konnte er meinen Ärger gleich an oberster Stelle platzieren – und anschließend frohe Kunde aus dem Rathaus überbringen: Die 15 Container, die dreistöckig  direkt vor dem Haupteingang des MAKK in Richtung Tunisstraße stehen, würden Ende März abgebaut, teilte uns eine Sprecherin mit. Die andere Hälfte samt Stahltreppe für den Zugang, in Richtung Wallrafplatz gelegen, habe noch eine Standgenehmigung. Diese Container dienten der Einrichtung der Baustelle Dom Carré. „Ziel ist der Rückbau der gesamten Anlage bis Ende April.“

Die Container am MAKK sollen laut Stadt bald verschwinden.

Die Container am MAKK sollen laut Stadt bald verschwinden.

Dass dieser Container-Wall verschwindet, wird auch wirklich höchste Zeit. Inzwischen haben sich die unvermeidlichen Graffiti-Vagabunden darauf gestürzt. Das verstärkt den Eindruck grassierender Verwahrlosung. Wenn man einem Bauentwickler und seinen Baufirmen schon gestattet, sich mit ihrem Tross mitten in der Stadt breitzumachen, dann hätten sie doch die Pflicht und Schuldigkeit, sich um ein halbwegs ansehnliches Erscheinungsbild zu kümmern. Aber hier scheint inzwischen allen alles egal zu sein.

Da helfen auch die bunten Plastikringe und -schnüre an den Bäumen nicht, die offenbar mit den Mitteln moderner Kunst ein bisschen Fröhlichkeit an diesem Ort der Tristesse vermitteln sollen. Ebenso wenig wie eine – an sich verdienstvolle – „Vortragsreihe Architektur“, mit der sich das Museum zusammen mit der Overstolzengesellschaft an interessierte Menschen wendet. Es geht da um „vorbildlich sanierte Meisterwerke des 20. Jahrhunderts“. Den traurigen Zustand des MAKK vor Augen, lässt sich die Wahl dieses Serientitels eigentlich nur als eine Mischung aus Trotz und Spott erklären.

Ein Dixi-Klo mitten auf dem Gehweg.

Ein Dixi-Klo mitten auf dem Gehweg

Genau wie das Transparent „Wir haben für Sie geöffnet“ an einem der Absperrgitter, die mittlerweile um die ganze Vorderseite herum im Abstand von mehreren Metern zur Fassade aufgestellt sind – aus Angst vor herunterfallenden Teilen des maroden Dachs. Statt einer Sicherung in der Höhe hält man lieber unten die Leute fern.

Auf einem Transparent steht: „Wir haben für Sie geöffnet.“

Weil es vielleicht nicht so aussieht, werden Besucher darauf hingewiesen, dass sie das Museum betreten können.

Wenn man vor dem Zugang zum Museum steht und sich umsieht, kann einem leicht der Würgereflex kommen. Abfall wild verstreut, ungezählte braune Kippen in Mulden auf den Betonelementen, die das Schutzdach über dem Eingang stützen. Dass man sich mitten in der Kölner City, keine drei Gehminuten vom Dom entfernt, vor einem der bedeutendsten Kulturstätten der Stadt befindet, das muss man sich dazudenken, so oft man hier entlanggeht.

Einmal rechts um die Ecke gebogen, treibt es einem auf dem Weg zum Vorplatz der Minoritenkirche weiter die Zornesröte ins Gesicht: Die drei antiken Sarkophage in der kleinen Grünanlage, ehrwürdige Zeugnisse der Stadtgeschichte zur Römerzeit und ihrer Bestattungskultur – wüst verschandelt und beschmiert. Und das seit Wochen.

Neben und vor der Kirche ein wilder Verhau von Bauzäunen, Sperrgittern und rot-weißen Baken. Vollends bizarr und völlig unmotiviert: ein einsames Dixi-Klo mitten auf dem Gehsteig heben der Lengfeld’schen Buchhandlung und direkt vor dem Juweliergeschäft Haeger an der Ecke. Was es da soll? Wozu die Absperrungen gut sind? Warum die Sperrelemente herumstehen wie auf dem städtischen Bauhof? Keiner weiß es. Keiner tut was. Typisch Köln? Ich lasse mich gern eines Besseren belehren.


Der nächste Abend in der „Vortragsreihe Architektur“ der Overstolzengesellschaft über „vorbildlich sanierte Meisterwerke des 20. Jahrhunderts“ findet am 16. April statt. Thema dann: Die Bundesschule Bernau. (jf)


Sonderführung im Museum Schnütgen

Kurz vor den Kar- und Ostertagen bietet Dombaumeisterin a. D. Barbara Schock-Werner wieder eine Sonderführung für Leserinnen und Leser des „Kölner Stadt-Anzeiger“ im Museum Schnütgen an. Im Mittelpunkt steht diesmal die laufende Sonderausstellung kostbarer Glasmalereien aus dem Khanenko Museum Kiew. Die Werke sind zu ihrem Schutz und zum Zweck der Restaurierung nach Köln ausgeliehen. Das Museum Schnütgen kombiniert sie mit Exponaten aus eigenen Beständen. „Die Kunst der farbigen Kirchenfenster hat mich schon immer begeistert“, sagt Schock-Werner. „Die Glasmalereien aus Kiew, die zurzeit in Köln Asyl bekommen haben, sind ein besonderer Schatz, der die Entdeckung lohnt.“

Zwei Führungen für jeweils 25 Personen finden statt am nächsten Donnerstag, 19. März, um 16 Uhr und um 18 Uhr statt. Interessierte bewerben sich bitte bis Dienstag, 17. März, mit Angabe der gewünschten Uhrzeit und der Teilnehmerzahl (maximal zwei Personen) per Mail an:

gewinner-koeln@kstamedien.de

Übersteigt die Anzahl der Interessierten die Obergrenze, entscheidet das Los. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Eine Absage erfolgt nicht. Bitte bringen Sie einen Ausdruck der Mail mit zum Museum. Nur diese berechtigt zur Teilnahme an der Führung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer zahlen lediglich den Eintrittspreis für das Museum in Höhe von 3,50 Euro (ermäßigter Gruppenpreis). Die Führung selbst ist kostenlos. (jf)