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Begrenzung der PopulationStadt Köln lässt Wildgänse abschießen und nimmt ihnen die Eier weg

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Nilgänse mit ihren Küken am Adenauer Weiher in der Kölner Innenstadt

Nilgänse mit ihren Küken am Adenauer Weiher in der Kölner Innenstadt

Während die Zahl der Kanadagänse stabil zu sein scheint, nimmt die Population der Nilgänse in der Stadt jedes Jahr deutlich zu.

Wenn im Frühling die Temperaturen steigen, sind an den Gewässern in Köln wieder vermehrt Nil- und Kanadagänse zu sehen. Dabei verlassen die Vögel Deutschland während des Winters nicht, sie halten sich in der kalten Jahreszeit nur nicht so oft in großen Gruppen und am Wasser auf, wie es vom Frühling bis zum Herbst der Fall ist. Mit den Wildgänsen kehren auch das laute Geschnatter und der Kot auf den Gehwegen zurück, was von vielen Kölnerinnen und Kölnern als lästig und störend empfunden wird. Um die Zahl der Tiere zu begrenzen, greift die Stadt Köln teils auch auf drastische Mittel zurück.

Spaziergang im Zickzack-Kurs

Besonders viele Nils- und Kanadagänse halten sich im Rheinpark, am Decksteiner Weiher, im Lindenthaler Tierpark, im Mediapark, im Theodor-Heuss-Park, am Clarenbach- und Rautenstrauchkanal, im Stadtwaldweiher, im Gewässer an der Universitäts- und Stadtbibliothek, am Aachener Weiher, am Kalscheurer Weiher und am Volksgartenweiher auf. Die Stadt Köln spricht von regelrechten „Hotspots“. Dort können Spaziergänger insbesondere während des Sommers nur im Zickzack-Kurs entlanglaufen, wenn sie nicht in den Gänsekot treten wollen, der überall herumliegt.

Damit sich die beiden aus Nordamerika beziehungsweise Afrika eingewanderten Arten nicht unbegrenzt vermehren können, lässt die Stadt Köln die Tiere von Jägern abschießen. Das ist allerdings nur in den Jagdbezirken an den Stadträndern erlaubt, und in der Jagdzeit braucht es dafür auch keine gesonderte Genehmigung der Jagdbehörde. „Gejagt wird insbesondere auch, um Wildschäden an den landwirtschaftlichen Flächen zu verhindern“, teilt eine Stadtsprecherin auf Anfrage mit. Gejagt wird nach Ende der Schonzeit der Tiere, vom 16. Juli bis zum 31. Januar. Außerhalb dieser Zeit ist die Bejagung aus Tierschutzgründen verboten. „Wer ein Elterntier in der Schonzeit schießt, macht sich strafbar“, sagt die Stadtsprecherin.

Jagd an den Außenrändern Kölns

Die Jagd an den Außenrändern Kölns hat aber offensichtlich einen entscheidenden Nachteil: Nach Ende der Schonzeit durch die Bejagung nimmt die Anzahl der Tiere im innerstädtischen Bereich zu. Das haben Mitarbeiter der Unteren Jagd- und Fischereibehörde festgestellt. „Durch die notwendige Bejagung an den Stadträndern erhöht sich also die Population im innerstädtischen Bereich“, sagt die Stadtsprecherin.

Der innerstädtische Bereich wiederum ist jagdrechtlich ein sogenannter befriedeter Bezirk, weshalb die Jagd dort grundsätzlich verboten ist. Als Ausnahmen gelten unter anderem die Friedhofsbejagung zur Vermeidung der Störung der Totenruhe und die Schwarzwildbejagung um die Klinik Merheim herum, weil die Tiere dort laut der Stadt ein Problem für die Klinik darstellen würden. „Dass Tiere koten und schnattern, stellt keinen Grund für eine Ausnahmegenehmigung zur Bejagung im befriedeten Bezirk dar“, sagt die Stadtsprecherin.

Im Kölner Rheinpark leben besonders viele Wildgänse

Im Kölner Rheinpark leben besonders viele Wildgänse

Deshalb greift die Stadt Köln innerstädtisch auf eine andere Methode zurück, um die Zahl der Gänse zu begrenzen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Grünflächenamts sammeln ihre Eier ein. Aus den Nestern entnehmen sie alle Eier bis auf eines – der Bruterfolg der Vögel soll zwar  reduziert, nicht aber gänzlich verhindert werden. Das funktioniert allerdings nur bei den Kanadagänsen, die am Boden brüten. Ihre Zahl in Köln schätzt die Stadt als stabil ein. Im Jahr 2023 zählte die Verwaltung 129 Tiere, im Jahr 2024 waren es 114 und im Jahr 2025 kam man auf 125. Gezählt wurde lediglich an den Hotspots, eine stadtweite Erfassung gab es nicht.

Bei der Nilgans lassen sich hingegen kaum Eier aus den Nestern entnehmen, da die Tiere, anders als ihre entfernten Verwandten aus Nordamerika, hoch in den Bäumen brüten. Deshalb hat die Stadt angekündigt, etwas anderes zu testen. „In diesem Jahr wollen wir als Pilotprojekt Brutkästen für die Nilgänse aufstellen, damit man auf diese Weise auch deren Gelege entnehmen kann“, so die Sprecherin. Zählte die Stadt im Jahr 2023 noch 33 Nilgänse, wuchs ihre Population 2024 auf 77 und im Jahr 2025 waren es bereits 115.

Zur Gesundheitsschädigung durch Gänsekot gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Stadt Köln schätzt diesen als störend, aber nicht als gesundheitsgefährdend ein. Gelange allerdings verstärkt Kot in die städtischen Gewässer, könne das zusammen mit anderen Faktoren wie Futter, das ins Wasser fällt, und hohen Temperaturen, im Extremfall zum „Umkippen“ eines Weihers führen.

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft sieht das anders: „Wildganskot enthält in großer Zahl Erreger, die krank machen können. So ergibt sich bei hoher Kotbelastung eine Gesundheitsgefährdung.“ Gänsekot sei nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern auch potenziell für Menschen gefährlich. Die Gefahr sei zwar nicht groß, aber ernst zu nehmen.