Der Verein Ceno & Die Paten bringt junge Menschen und ehrenamtliche Betreuer zusammen und liefert Hilfe bei Hausaufgaben oder Behördengängen.
Menschen mit MigrationsbiografiePatenschaftsprojekt „NextStep“ braucht Verstärkung

Mohammed, Birgit Brunner, Dieter Schleyer und Mamadou Diallo (v. l.) haben im Rahmen der Ausbildungspatenschaften zueinander gefunden.
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Seit 1998 berät die Kölner Ehrenamtsagentur Ceno & Die Paten Menschen, die sich sozial engagieren möchten, und vermittelt sie in Einrichtungen oder Projekte. So profitierten bereits zahlreiche junge Menschen mit Flüchtlingsbiografie von den „Ausbildungspatenschaften“ des Vereins. Teilnehmer wurden bei Hausaufgaben, Behördengängen oder Bewerbungen unterstützt. Mit dem aktuellen Programm „NextStep“ fokussieren die Initiatoren eine gezielte zweijährige Wegbegleitung für Personen, die aus den Förderungen der Jugendhilfe, die sogenannten „Careleaver“, herausfallen. Dafür sucht die Agentur zurzeit nach neuen Paten.
„Das Angebot wird von jungen Menschen bisher sehr gut angenommen. Mittlerweile melden sich die Jugendlichen direkt bei uns. Darüber freuen wir uns sehr. Aktuell stehen wir allerdings vor der Situation, dass wir mehr Anfragen haben, als wir mit vorhandenen ehrenamtlichen Paten begleiten können“, berichtet Sozialpädagogin Maike Berger. Zehn junge Erwachsene, für die eine flexible Betreuung gesucht wird, stehen auf der Warteliste. „Wir bieten dazu eine Begleitung durch Fachkräfte an. Einmal im Monat kommt es zum Erfahrungsaustausch. Vorkenntnisse im sozialen Bereich sind nicht erforderlich. Wir sind immer an der Seite der Leute“, ergänzt Ceno-Mitarbeiterin Helena Daniel.
Ich möchte erfahren, wie junge Menschen, die zu uns kommen, die Welt sehen und was ihre Ziele sind. Dafür bin ich bereit, mich aus meiner eigenen Komfortzone herauszubewegen.
Rentner Dieter Schleyer unterstützt die Initiative seit rund neun Monaten. Im Zuge der wöchentlichen Treffen mit seinem Mentee – so bezeichnet man eine Person, die von einem Mentor oder einer Mentorin gefördert wird – Mamadou Diallo stand bisher die Suche nach einem Ausbildungsplatz im Vordergrund. Nach rund 50 Bewerbungen konnten die gemeinsamen Bemühungen erfolgreich mit einer Stelle als Lagerist abgeschlossen werden.
Schleyer engagiert sich zudem in Sachen Aufenthaltsstatus seines Schützlings. „Mir ist es wichtig, dass diese jungen Menschen, die so viel auf sich genommen haben und sehr motiviert sind, unterstützt werden“, sagt der Ruheständler aus Rösrath. Mamadou verließ sein Heimatland Guinea in Westafrika, nachdem er für sich dort keine Zukunft mehr sah. Die lebensgefährliche Flucht dauerte nahezu ein Jahr. „Ich fühle mich hier wohl. Es ist ein ganz anderes Leben und eine neue Kultur. Herr Schleyer ist fast wie ein Vater für mich. Für all das bin ich sehr dankbar“, erzählt der 19-Jährige.
Auch Birgit Brunner ist ehrenamtliche Patin. Die ehemalige Anästhesistin lernte im Verein vor einigen Monaten den Syrer Mohammed kennen und schätzen. „Ich suche schon länger nach einer ehrenamtlichen Betätigung und habe an der Uni von den Ceno-Angeboten erfahren“, sagt die Gasthörerin für Kunstgeschichte. Brunner, Halbwaise und in den 70er Jahren sozialisiert, will der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Von der Integrationspolitik enttäuscht, entschied sich die Rentnerin, selbst aktiv zu werden. „Ich möchte erfahren, wie junge Menschen, die unter sehr schwierigen Umständen zu uns kommen, die Welt sehen und was ihre Ziele sind. Dafür bin ich auch bereit, mich aus meiner eigenen Komfortzone herauszubewegen“, teilt die Seniorin mit.
Als Patin des 17-jährigen Mohammed fühle sie sich fast ein wenig unterfordert, da dieser sehr selbstständig und organisiert sei. „Wenn er mich braucht, bin ich für ihn da“, sagt Brunner. Der junge Mann floh vor zwei Jahren aus Syrien. „Meine Familie hat mir erlaubt, zu gehen, denn in meiner Heimat ist es nicht sicher. Jeder dort hat eine Waffe. Jede Nacht gibt es Gewalt“, sagt der Teenager, dessen kurzfristiges Ziel der Hauptschulabschluss ist. Sein längerfristiges Ziel: Mohammed möchte Arzt werden und anderen Menschen helfen. „Als ich in Deutschland ankam, war ich noch 14. Hier bin ich erwachsen geworden. Ich habe viel bei euch gelernt“, sagt Mohammed. Sein Deutsch ist perfekt.
Ceno & Die Paten e. V., Telefon: 0221 9959980, www.ceno-koeln.deTermin: Info-Veranstaltung „Patenschaften für junge Menschen“, Mittwoch, 13. Mai, 11.00 bis 12.30 Uhr, Universität zu Köln, (es wird um Anmeldung gebeten)

