Die Tanzmariechen sind die einzigen Frauen in den Reihen der rein männlichen Karnevalsvereine. Vor 1936 wurden auch sie von Männern dargestellt.
Kölner KarnevalWie die Tanzmariechen zu ihrer weiblichen Besetzung kamen

Funkemariechen der Blauen Funken auf der Bühne im Tanzbrunnen.
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Sie sind die Aushängeschilder der Traditionskorps und für sie das „Schönste, was unsere Gesellschaft zu bieten hat“. Die Tanzmariechen sind die einzigen Frauen in den Reihen der rein männlichen Karnevalsvereine. Selbst das erst seit 90 Jahren. Zuvor waren die Herren im offiziellen Karneval über hundert Jahre ganz unter sich. In allen Gesellschaften traten zwei Männer als Tanzpaar auf.
Damit war 1936 Schluss. Die Nationalsozialisten duldeten keine Männer in Frauenrollen mit Schminke, Perücke und Röckchen. Das war ihnen zu nah an der Homosexualität. Ein Tanzpaar hatte aus Frau und Mann zu bestehen. Basta. Das galt ab 1938 auch für die Rolle der Jungfrau im Kölner Dreigestirn. Das musste eine echte Frau sein. Die erste weibliche Jungfrau war Paula Zapf, Mitarbeiterin der Bekleidungsfirma Bierbaum-Proenen.
Kölner Karneval: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Jungfrau wieder männlich besetzt
In der folgenden Session 1939 nahm Else Horion, Erzieherin im Werkskindergarten der Schokoladenfabrik Stollwerck, diese Rolle ein. Das bereits ausgewählte Trio fürs Kölner Dreigestirn 1940 wurde aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges im September 1939 nicht proklamiert. Vorgesehen als Jungfrau war Elfriede Figge.
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Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Jungfrau wieder von einem Mann dargestellt. Bei dieser wichtigen Personalie wollten die Karnevalsfunktionäre nach 1945 rasch wieder zur Tradition zurückkehren. Bei den Tanzpaaren schien die Tradition nicht zu greifen. Da hielten die Vereine an den weiblichen Tänzerinnen fest.
Bei der Ehrengarde der Stadt gab es bereits vor 1936 ein gemischtes Doppel
Wenngleich manche Karnevalisten die ursprüngliche Form mit zwei Männern auch ganz gut fanden. In der Chronik der KG Treuer Husar heißt es für das Jahr 1936: „Käthe Honnef löste die Reihe männlicher Mariechen ab, die bis dahin immer wieder für Lacher im Publikum gesorgt hatten“. Bei der Ehrengarde der Stadt Köln gab es bereits vor 1936 ein gemischtes Doppel. Von 1925 bis 1927 war Kläre Weiglein Regimentstochter des Reiterkorps.
Funkenmariechen dürfen sich im Grunde nur die Tanzmariechen der Roten und Blauen Funken nennen. Tatsächlich hat sich der Begriff Mariechen beziehungsweise die Kurzform Marie bei den Tanzpaaren der meisten Traditionskorps eingebürgert. Bei der Prinzen-Garde und der Ehrengarde ist es die Regimentstochter, beim Reiterkorps Jan von Werth die Marketenderin. Der männliche Partner ist bei allen Korps der Tanzoffizier, außer bei den Roten Funken, da heißt er Funkendoktor.
Männliche Tanzmariechen gibt es noch immer
Ganz verschwunden sind die männlichen Tanzmariechen nicht. Bei der 1. Damengarde Coeln gibt es Marie und Tanzoffizier in vertauschten Rollen. Als Marie tritt ein Mann mit geflochtenen Zöpfen und Faltenrock auf, der Tanzoffizier ist eine Frau. Das Dellbröcker Boore Schnäuzer Ballett, das Männerballett der KG Uhu von 1924, parodiert die Traditionskorps. Ihr „Reiterkorps“ besteht aus einem verkleideten Zebra, das sich als Pääd sieht. Die besondere Spezies wird von zwei Männern dargestellt, der eine ist „Pääd vürre“, der andere „Pääd hinge“. Das Tanzpaar stellen zwei Männer dar. Stets eine sehr stämmige Marie und ein eher schmächtiger Tanzoffizier.
Eine besondere Rolle im Kölner Karneval nimmt die Traditionstanzgruppe Hellige Knäächte un Mägde ein. Sie stehen seit Jahrhunderten für den Tanz der Kölner Mädchen und Jungen. Sie zeigten einst ihre Reigentänze zum Beispiel auf Pfarrfesten, Kirmessen oder im Anschluß an die Prozessionen. Die Hellige Knäächte un Mägde nahmen bereits am ersten Maskenzug 1823 teil. Sie bestanden von Beginn an als einzige Gruppe aus Frauen und Männern.
Bis zum heutigen Tag sind sie ein fester Bestandteil im Karneval und zeigen jedes Jahr einen neu choreographierten Mottotanz. Dazu ein „Ostermann Potpourri“, das seit seiner Uraufführung 1976 unverändert in der Choreographie des legendären Ballettmeisters Peter Schnitzler aufgeführt wird. In diesem Jahr gibt es erstmals eine Veränderung. Vor der Aufführung des Medleys gibt es eine Gesangs-Ouvertüre von Bauernschütz und Magd. Dies als Verbeugung vor dem Schaffen von Willi Ostermann, der vor 150 Jahren geboren wurde.

