Abo

Toilettenfrau, Leibärztin, KellnerinHeimliche Heldinnen – Ohne sie hätte der Kölner Karneval ein Problem

7 min
09.01.2026, Köln: KARNEVAL - Proklamation des Kölner Dreigstirns 2026 Prinz Niklas I. (Niklas Jüngling), Bauer Clemens (Clemens von Blanckart) und Jungfrau Aenne (Stefan Blatt) im Gürzenich Köln - Einzug und Proklamation des Dreigestirns - Regimentstochter der Prinzengarde. Foto: Thilo Schmülgen

Auch im Gürzenich kommt es nicht nur auf das Bühnenprogramm an, sondern auf die Menschen im Hintergrund. (Archiv)

Karneval ohne unzählige Menschen im Hintergrund, die den Laden zusammenhalten? Unmöglich. Wir stellen vier heimliche Heldinnen vor.

Lisa Tschinse (34), Trainerin des Tanzcorps Original Matrosen vum Müllemer Böötche

29.01.2026, Köln: Lisa Tschinse, Tanztrainerin beim Tanzcorps Original Matrosen vum Müllemer Böötche. Foto: Arton Krasniqi

Lisa Tschinse, Tanztrainerin beim Tanzcorps Original Matrosen

Seit wann machen Sie das? Die Gruppe trainiere ich jetzt im dritten Jahr. Wir machen das insgesamt zu dritt: zwei Trainer, Michael Zarbock und ich, und dann noch eine Person, die uns bei Würfen hilft. Zweimal pro Woche treffen wir uns für etwa zwei Stunden. Wir bereiten das Training vor, das heißt, wir überlegen uns, was konkret das Trainingsziel für die Einheit ist. Nach dem Warmmachen stehen dann Fitness, Hebungen oder Spagat auf dem Plan. Alle zwei Jahre studieren wir einen neuen Tanz ein, dazu denken wir uns die Choreos aus und wählen die passende Musik aus. Wir schauen immer: Wer muss noch wie gefördert werden, wer kann was sehr gut, immer mit dem Ziel, am 11.11. bühnenreif zu sein. Ich selbst tanze seit 25 Jahren und bin jetzt im zehnten Jahr bei den Matrosen. Die Trainer-Arbeit erfordert einen hohen Zeitaufwand, man muss da richtig Bock drauf haben und seine Gruppe lieben – und das ist alles so bei mir.

Was mögen Sie daran? Zu sehen, wie sich die Leute entwickeln. Zu Beginn des Jahres machen wir immer individuelle Zielabfragen, schauen, wer wohin kommen will, und dann ist das Beste, wenn man auch eine Leistungssteigerung der Tänzerinnen und Tänzer sieht. Ich persönlich finde auch toll, wenn ein Tanz, den wir choreografiert haben, gut ankommt.

Erinnern Sie sich an ein Highlight? Das war definitiv der Moment in meinem ersten Jahr als Trainerin, als ich gemerkt habe, dass die Gruppe annimmt, was wir uns überlegt haben und so richtig Lust drauf hatte, den neuen Tanz zu lernen.

Ihr Wunsch an den Karneval Die Mülheimer Stadthalle wird im karnevalistischen Leben in Köln immer präsenter, und das ist toll – jetzt wünsche ich mir, dass das Rechtsrheinische noch mehr in den Fokus genommen wird. Und: Frauen sind im Karneval und in den Bands immer mehr zu sehen, und ich wünsche mir, dass diese Entwicklung auch weiter in die Richtung geht.


Michaela Hammer (52), Toilettenfrau und Garderobiere in den Sartory-Sälen und Zeitungszustellerin des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in Bilderstöckchen

27.01.2026, Köln: "Heimliche Heldinnen" *erst zu Weiberfastnacht*: Treffen mit Sartory-Toilettenfrau Frau Hammer (Details kommen). Foto: Arton Krasniqi

Michaela Hammer in der Damentoilette der Sartory-Säle

Seit wann machen Sie das? Ich bin jetzt schon im 35. Jahr hier, als ich angefangen habe, war ich 17 Jahre alt. Erst habe ich nur an der Garderobe gearbeitet, später kam dann auch die Toilette dazu. Die Arbeit dort mag ich besonders, weil noch einmal eine ganz andere Stimmung ist als an der Garderobe. Total lustig, man macht viele Witze mit den Gästen, hilft einer Frau, deren Kleid in der Strumpfhose hängt, oder sagt einem Mann, dass seine Hose offen ist. Wir geben den Besucherinnen und Besuchern übrigens immer ein Papiertuch in die Hand, das ist persönlicher und Teil des Service und bringt einen in Kontakt.

Was mögen Sie daran? Wir treffen hier wahnsinnig viele verschiedene Menschen, die Vielfalt ist toll. Die meisten von ihnen sind wirklich nett, wir bekommen manchmal sogar Blümchen, Sekt oder Schokolade. In unserem Team gibt es einen ganz starken Zusammenhalt, alle meine drei Kinder habe ich immer mal mit zur Arbeit genommen und die anderen haben sich mitgekümmert, als wären es ihre eigenen. Klar, es gibt auch Gäste, die nicht freundlich sind auf der Toilette, aber oft weisen dann andere sie darauf hin und sagen ihnen, dass das nicht okay ist und dass sie froh sein sollen, dass wir den Job machen.

Erinnern Sie sich an ein Highlight? Offen gesagt: Nein, das waren einfach zu viele schöne Momente. Wir hatten hier schon viele Prominente, die Nikuta war da, der Fritz Schramma, die ganzen Künstlerinnen und Künstler, mit denen man dann quasi per Du ist. Die lassen nicht den Promi heraushängen, das find’ ich super. Was im Team übrigens immer richtig gut ankommt, sind die Auftritte der Stattgarde, da wollen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am liebsten in den Saal.

Ihr Wunsch an den Karneval Als ich hierhergekommen bin, war ich eine echte Karnevalshasserin. Heute ist das natürlich anders. Heute finde ich, dass der Karneval eine schöne, jecke, verrückte Jahreszeit ist. Mein Wunsch wäre allerdings, dass diese Alkoholexzesse, von denen man häufig hört und die man oft ja auch direkt oder indirekt mitbekommt, weniger werden. Das hat für mich nichts mit dem Karneval zu tun.


Brigitte Dick, Allgemeinmedizinerin und Leibärztin des Kölner Dreigestirns

11.02.2026 Köln. Brigitte Dick ist Leibärztin des Kölner Dreigestirns und ist eine unserer heimlichen Heldinnen für Weiberfastnacht. Hier mit dem Dreigestirn: Prinz Nikla I., Bauer Cemens, Jungfrau Aenna. Foto: Alexander Schwaiger

Brigitte Dick ist Leibärztin des Kölner Dreigestirns

Seit wann machen Sie das? 2003 gab es den ersten Kontakt zwischen dem traditionellen Karneval und mir. Bis dahin hatte ich in Kneipen gefeiert oder in der Schule und auf der Straße. Damals ist die Jungfrau von der Bühne gesprungen und hatte Schmerzen im Rücken, und ich wurde gefragt, ob ich womöglich einspringen und helfen kann. Zwei, drei Jahre später kam dann das Festkomitee auf mich zu und fragte, ob ich Leibärztin werden will. Seither habe ich jedes Dreigestirn betreut. Nach der Bekanntgabe lernen wir uns kennen, und meist sagen die drei dann zu mir: „Ach, ich habe nie was, aber schön, dass du da bist.“ Aber jeder hat ja mal irgendwas.

Was mögen Sie daran? Es macht mir einfach Spaß, zu helfen, Unterstützung zu bieten. Ich mag die Aufgabe, die wahnsinnig abwechslungsreich ist. Ich mag auch, dass wir als Team im Hintergrund zusammengewachsen sind, das ist wirklich schön. Wenn das Dreigestirn etwas hat – Schnupfen, Rücken, wir hatten auch mal eine Lungenentzündung –, dann komme ich. Auch Samstag am späten Abend – der Kalender der drei ist ja so voll, dass man sich Ausfälle kaum leisten kann. Und wir machen auch Prophylaxe: Wenn ich weiß, dass grade ein Infekt herumgeht, bekommen sie schon mal eine Infusion.

Erinnern Sie sich an ein Highlight? Schwer zu sagen. Jedes Jahr ist anders und spannend, schon, weil die Protagonisten immer andere sind. Prinz Niklas, Bauer Clemens und Jungfrau Aenne sind jeder für sich total faszinierende Menschen. Zu sehen, wie der Prinz sich in einer Einrichtung bewegt, in der Menschen mit Behinderungen leben, hat mich so berührt – er hat sie an die Hand genommen, mit ihnen geschunkelt, die Schwingungen aufgenommen, die dort waren.

Ihr Wunsch an den Karneval Ich wünsche mir, dass der Trend zum traditionellen Karneval anhält, und damit meine ich, dass Menschen friedlich und in Ruhe und Freude feiern – weg von zu viel Alkohol. Und ich wünsche mir, dass man die älteren Menschen in den Heimen und Krankenhäusern, die, die nicht mehr raus können, noch stärker in den Fokus nimmt.


Cornelia Berg (65) ist seit 36 Jahren Kellnerin bei den Sitzungen im Gürzenich. Sie plant, auch über die eigentlich im Sommer anstehende Rente hinaus dabeizubleiben.

Das Bild zeigt Cornelia Berg im Gürzenich.

Cornelia Berg kellnert seit 36 Sessions im Gürzenich.

Seit wann machen Sie das? Das erste Mal an Karneval gekellnert habe ich 1988. Seit 1990 kellnere ich hauptberuflich und nehme natürlich auch jede Session mit. Die Arbeit an Karneval unterscheidet sich von meinem beruflichen Alltag vor allem durch die geregelten Zeiten. Ich weiß, wann ich anfange und aufhöre – bei Hochzeiten oder Geburtstagen wird das oft sehr spontan entschieden. Besonders anstrengend ist die Session eigentlich nicht, nur am Rosenmontag wird es manchmal etwas schwierig. Aber das steht man dann durch.

Was mögen Sie daran? Die Vielfältigkeit der Gäste ist an Karneval ganz besonders. Ich treffe die unterschiedlichsten Charaktere, und stelle mich auf sie ein. Man muss jeden etwas anders nehmen und alle zufrieden halten.

Erinnern Sie sich an ein Highlight? Mein Highlight ist, dass ich mit einigen Gästen noch heute persönlichen Kontakt pflege. Da treffe ich auf der Arbeit Leute, die ich hinterher auch noch im Privaten schätze.

Ihr Wunsch an den Karneval? Der Straßenkarneval hat sich leider zum Kommerz hin entwickelt. Manche Leute nehmen sich dabei sehr ernst. Ich würde mir wünschen, dass es wieder lockerer wird. Die Leute sollen einfach aus Spaß an der Freude kommen.