Abo

Stadt will Platz am Neumarkt findenMigrationsmuseum Selma kommt doch nicht in die Hallen Kalk

3 min
Der mit dem „German Design Award“ ausgezeichnete Entwurf für das Museum Selma in Kalk wird nicht mehr umgesetzt.

Der mit dem „German Design Award“ ausgezeichnete Entwurf für das Museum Selma in Kalk wird nicht mehr umgesetzt.

In den Hallen Kalk hätte auf 10.000 Quadratmetern erstmals in Deutschland ein großes Museum für Migration entstehen können. Jetzt bleibt nur noch ein Plan.

Das Migrationsmuseum Selma soll überraschenderweise doch nicht in die alten Industriehallen Kalk ziehen: Stattdessen will die Stadt das Museum im Gebäude des Rautenstrauch-Joest-Museums (RJM) am Neumarkt in der Innenstadt unterbringen – auf nur 20 Prozent der in Kalk geplanten Fläche.

Das Museum Selma wird geplant vom Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (Domid), laut dem es zwei Gründe für die Entscheidung gibt: Die geplanten Umbaubaukosten für die städtische Halle sind von anfangs geschätzten 44 Millionen Euro um 75 Prozent auf 77 Millionen Euro explodiert. Von den 44 Millionen Euro sollten Bund und Land jeweils die Hälfte tragen. Die Stadt Köln stellte dem Domid das Grundstück und die Halle bereits per Erbbaurechtsvertrag zur Verfügung.

Und zweitens: Die alte ungenutzte Industriehalle befindet sich in einem schlechteren Zustand als erwartet. Jetzt drängt die Zeit: Das Museum Selma braucht dringend einen neuen Ort und einen neuen Plan, weil zum Jahresende die Bundesmittel zu verfallen drohen. 

Stadtrat befasst sich Donnerstag mit dem Thema

Der Kölner Stadtrat soll in seiner Sitzung am Donnerstag zunächst entscheiden, ob die Verwaltung die Voraussetzungen schafft, damit das Museum im sogenannten Kulturquartier am Neumarkt unterkommen kann. Dort hätte es deutlich weniger Platz. In dem 2010 eröffneten Gebäude am Neumarkt befinden sich neben dem RJM bereits das Museum Schnütgen, ein Forum der Volkshochschule im Erdgeschoss und der Museumdienst der Stadt.

Der Plan der Stadt sieht vor, das Selma in den Raum für Sonderausstellungen im Erdgeschoss einziehen zulassen. Im ersten Stock soll das Migrationsmuseum einen zweiten eigenen Raum für Vermittlung und einen kleinen für die Verwaltung bekommen. Das sind weniger als 2000 Quadratmeter, in Kalk wären es 10.000 gewesen.

RJM, Museum Selma und Schnütgen sollen sich dann eine Fläche im zweiten OG für Wechselausstellungen teilen. Fuchs spricht bereits von einem „Drei-Museen-Haus“, das über inhaltliche Zusammenarbeit profitieren kann, und auch Kulturdezernent Stefan Charles sieht „großes Potenzial“, das Kulturquartier am Neumarkt zu stärken und sagte: „Ein Museum über Migration passt hervorragend in das Zentrum unserer weltoffenen Stadt, die von Migration geprägt ist.“

Auf die Frage, ob sich das Museum auch am Neumarkt verwirklichen lasse, sagte Fuchs: „Was das Raumprogramm angeht, werden wir uns verkleinern müssen. Wir werden die Inhalte auf einer kleineren Fläche auch gut umsetzen können.“ 

Erst vor eineinhalb Jahren hatte die Stadt geplant, das Römisch-Germanische Museum (RGM) ins Kulturzentrum am Neumarkt umziehen zu lassen, um Geld zu sparen. Doch die Pläne riefen viel Kritik hervor, letztlich verzichtete die Stadt auf den Umzug.

19.04.2024 Köln. 
Begehung der Hallen Kalk (70 und 71) mit Brigitte Scholz und Timo Glatz. Hier soll das neue Migrationsmuseum Domid entstehen. Foto: Alexander Schwaiger

Hier hätte das Migrationsmuseum Selma in Kalk entstehen sollen: eine Begehung 2024.

Eigentlich geplant war, dass das Domid einen bereits preisgekrönten Architektenentwurf (wir berichteten) in einer Industriehalle auf dem ehemaligen Gelände von Klöckner-Humboldt-Deutz umsetzt, den Hallen Kalk. Projektleiter Michel Casertano des Architektenateliers Brückner hatte nach der Auszeichnung im November vorigen Jahres gesagt: „Im Museum Selma wird Migrationsgeschichte als integrativer Teil der deutschen Geschichte erlebbar.“

Architekten wollten in Kölner Industriehalle einen Ort der Begegnung hineinbauen

Der Ort selbst sollte als erstes Ausstellungsobjekt fungieren: In den Hallen arbeiteten viele Migrantinnen und Migranten, deren Geschichten das Domid weitererzählt. Das Glasdach sollte geöffnet werden, im Inneren sollten Ausstellungsräume aus Holz entstehen. Prämisse war, dass sich im Museum Selma Menschen begegnen: Große Teile der Museumshallen sollten frei zugänglich sein und als Veranstaltungsorte fungieren.

Domid-Geschäftsführer Fuchs sagte jetzt: „Nach Gutachten und Planungen ist der Bau des Museums dort nicht mit dem zur Verfügung stehenden Baubudget zu realisieren.“ 

Geld für die vertiefte Planung sei nach Abstimmungen zwischen den Zuwendungsgebern erst 2024 geflossen, bis dahin hatten die Pandemie und der Ukraine-Krieg die Baukosten bereits in die Höhe getrieben. Jetzt hätte das Domid 77 Millionen Euro für die Realisierung gebraucht. „Wir gehen verantwortungsvoll mit Steuergeldern um und müssen daher die Reißleine ziehen“, sagte Fuchs.