Weil dem Zoo die Kosten davonlaufen, werden Tickets für die meisten Gäste ab sofort teurer. Am teuersten wird es an der Zoo-Kasse.
Dynamische PreiseWarum der Eintritt in den Kölner Zoo jetzt für jeden unterschiedlich viel kostet

An der Zoo-Kasse werden die Tickets künftig teurer. Der Zoo rät zum Online-Kauf.
Copyright: Arton Krasniqi
Der Zoo führt am heutigen Donnerstag eine neue Preisstruktur ein und reagiert damit auf die schwierige Wirtschaftslage. Für die meisten Gäste werden die Tickets in Zukunft teurer. Fragen und Antworten zum Thema.
Wie steht der Kölner Zoo wirtschaftlich da?
Die schwierige Wirtschaftslage geht auch am Kölner Zoo nicht vorbei. Und das, obwohl der Zoo im Jahr des 165-jährigen Bestehens einen Besucherrekord verzeichnen konnte. Rund 1,3 Millionen Besucher registrierte der Zoo 2025. „Trotz des erfolgreichen Jahrs laufen uns die Kosten davon“, sagt Zoo-Vorstand Christopher Landsberg. Die größten Kostensteigerungen gäbe es – wie in anderen Branchen auch – bei den Personalkosten, Energiekosten und Baukosten. Erstmals seit der Corona-Pandemie registriert der Zoo ein negatives Jahresergebnis. Das Minus beträgt laut Zoo knapp 160.000 Euro. Dazu sinken die Betriebskostenzuschüsse der Stadt Köln, die den Zoo als Hauptaktionärin unterstützt. Lange betrug der jährliche Zuschuss 3,5 Millionen Euro, 2025 nur noch 3,3 Millionen, bis 2029 soll er auf unter drei Millionen Euro sinken.
Wie reagiert der Zoo auf die wirtschaftliche Situation?
„Mit unserer derzeitigen Eintrittspreisstruktur sind wir nicht mehr in der Lage, unsere Kosten in Zukunft zu decken“, sagt Landsberg. Die Lösung ist zweigeteilt: Deutlich höhere Preise an der Zoo-Kasse und dynamische Preise beim Online-Kauf. Das neue Preissystem tritt am heutigen Donnerstag in Kraft.
Was sind dynamische Preise?
Bei Flugreisen oder Hotels sind dynamische Preise schon lange Standard. Algorithmen analysieren in Echtzeit Faktoren wie Nachfrage, Konkurrenz und Verfügbarkeit und passen die Preise entsprechend an. Mittlerweile haben dynamische Preise aber auch andere Branchen erreicht, etwa im Bereich Mobilität, Event oder Sport.

Zoo-Vorstand Christopher Landsberg reagiert mit den dynamischen Preisen auf die schwierige Wirtschaftslage.
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Wird der Zoo-Besuch für alle teurer?
Bislang kostete ein Ticket für Erwachsene 23 Euro. Ziel des Zoos ist es, für ein solches Ticket künftig einen Durchschnittserlös von 26,96 Euro zu erzielen. Darauf ist der Algorithmus ausgelegt, der den neuen dynamischen Preisen zugrunde liegt. Damit der Zoo dieses Ziel erreichen kann, muss das Ticket für die meisten Gäste also teurer werden.
Wie viel kosten die Tickets ab sofort an der Zoo-Kasse?
An der Zoo-Kasse bleibt der Preis statisch, wird aber deutlich teurer als bislang. Erwachsene zahlen für eine Tageskarte ab sofort 6,50 Euro mehr als vorher, also 29,50 statt 23 Euro. Ermäßigte Tickets für Azubis, Studenten, Schwerbehinderte und Schüler bis 18 Jahren kosteten bislang 17 Euro, nun steigt der Preis auf 23 Euro. Auch Rentner zahlen ab sofort den ermäßigten Preis. Eine Kinder-Tageskarte steigt von 11 auf 15 Euro. „Wer an der Kasse kauft, kauft am teuersten“, sagt Landsberg. Sparen könnten die Gäste dagegen beim Online-Kauf.
Wie viel kosten die Tickets im Online-Verkauf?
Wer online kauft, kommt in der Regel günstiger an seine Tickets. Statt statischen 23 Euro, bewegt sich der Preis ab sofort dynamisch zwischen 22,50 und 29,50 Euro. Bucht ein Gast das Ticket zwei Wochen vor dem Zoo-Besuch oder noch früher, stehen die Chancen gut, dass das Ticket 50 Cent günstiger als der bisherige statische Preis ist. Das andere Extrem dürfte auf Besucher zukommen, die sich am sonnigen Wochenende spontan für einen Zoo-Besuch entschließen. Zwischen den beiden Extremen bewegt sich der Preis anhand verschiedener Faktoren stufenlos, Cent für Cent. Der Artenschutz-Euro, der automatisch in Natur- und Artenschutzprojekte fließt, bleibt weiterhin in jeder Erwachsenen-Tageskarte inkludiert. Tickets, die zu alten Konditionen gekauft wurde, bleiben gültig.
Welche Faktoren spielen beim Preis eine Rolle?
Die größten Faktoren sind die Buchungszeit und die Auslastung. Je weiter der Buchungszeitpunkt vom Besuch entfernt ist, desto günstiger ist das Ticket. Je mehr Menschen sich für den Besuch an einem Tag entscheiden, desto höher klettert der Preis. Weitere Faktoren sind der Wochentag und die Saison, geringeren Einfluss hat das Wetter.
Warum setzt der Zoo nun auf dynamische Preise?
Dazu nennt der Zoo „steuerungstechnische Gründe“. Der Zoo möchte, dass die Besucher in Zukunft verstärkt Online-Tickets kaufen. Und vor allem früher als bislang. Online-Tickets sind für die Besucher in den meisten Fällen günstiger, haben aber auch für den Zoo Vorteile. „Wir können dadurch besser planen, wie wir an einem Tag ausgelastet sind und können damit den Personaleinsatz an der Kasse oder in der Gastronomie besser steuern“, sagt Landsberg. In Köln kaufen laut Zoo-Angaben bislang rund 30 Prozent der Gäste ihre Tickets vorab online. Ein weiterer Vorteil der Online-Eintrittskarte: Sie gilt auch als VRS-Ticket.
Werden sich Besucherströme jetzt mehr verteilen?
Darauf hofft der Zoo zumindest. „Niemanden, der Sonntag in den Zoo gehen will, kriegen wir durch die dynamischen Preise auf einen Montag“, sagt Vertriebsleiter Thorsten Hoenen. Sonntags sei der Zoo mit teilweise 9000 Besuchern am vollsten, samstags kämen bei vergleichbarem Wetter teilweise nur 5000 Menschen. „Da glaube ich schon an eine Verschiebung. Wenn sich das bei 7000 Besuchern an beiden Tagen einpendelt, ist das für alle entspannter“, sagt Landsberg.

Geht es nach dem Kölner Zoo, sollen die Besucher ihre Tickets ab sofort vor allem online kaufen.
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Wie begründet der Zoo den Sprung von bis zu 6,50 Euro nach oben?
Der Sprung von bis zu 6,50 Euro nach oben müsse auf die vergangenen Jahre betrachtet werden, sagt Landsberg. Während in anderen Branchen Preise jährlich erhöht worden seien, liege die letzte Preissteigerung im Zoo vier Jahre zurück. „Kein anderes uns bekanntes städtisches oder privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen war so lange preisstabil“, heißt es vom Zoo. Auch die in den vergangenen Jahren gestiegene Inflationsrate müsse einberechnet werden. 2022 erhöhte der Zoo den Preis für ein Erwachsenen-Ticket von 19,50 auf 23 Euro, Kinder zahlten seitdem 11 statt 9 Euro.
Wie teuer sind die dynamischen Preise in anderen Kategorien?
Alle regulären Tickets sind Teil des dynamischen Preissystems beim Online-Kauf. Kindertickets, die vorher 11 Euro kosteten, bewegen sich nun zwischen 10,50 und 15 Euro. Ermäßigte Tickets kosteten 17 Euro, in Zukunft zwischen 16,10 und 23 Euro. Die subventionierten Tickets für Kindergärten, Schulklassen und Kölnpass-Inhaber bleiben statisch, steigen allerdings auch leicht: Kölnpass-Inhaber zahlen beispielsweise künftig 12 statt 9,50 Euro. Die Preise in der Zoo-Gastronomie und im Shop verändern sich nicht.
Wie viel kostet ein Jahresticket ab sofort?
Auch die Kosten für die Jahreskarte erhöhen sich leicht, für Erwachsene von 95 auf 105 Euro, für Kinder von 55 auf 60 Euro. Im Schnitt besitzen rund 30.000 Menschen ein Jahresticket für den Kölner Zoo.
Gibt es andere Zoos, die mit dynamischen Preisen arbeiten?
In Deutschland hat sich der Kölner Zoo vor allem mit den Beispielen Berlin und Hannover auseinandergesetzt. Berlin startete die dynamischen Preise vor gut zwei Jahren. „In Berlin haben die dynamischen Preise dazu geführt, dass die Leute ihr Ticket im Durchschnitt neun Tage vor dem Zoo-Besuch kaufen“, sagt Vertriebsleiter Thorsten Hoenen. „Im Berliner Zoo war die dynamische Preisgestaltung für die Gäste zu Beginn ungewohnt. Das hat sich aber schnell wieder gelegt hat.“
Wie stehen die Kölner Preise im Vergleich zu anderen Zoos da?
Im Vergleich mit anderen großen deutschen Zoos befinden sich die Kölner Preise im Mittelfeld. Am teuersten ist der Besuch des privat geführten Tierpark Hagenbeck in Hamburg. Ein Erwachsener zahlt dort 45 Euro inklusive Aquariums. In Berlin bewegen sich die dynamischen Preise für Zoo und Aquarium zwischen 23,50 und 36 Euro, in Hannover kostet der Eintritt derzeit zwischen 17,54 und 28,14 Euro. Im Allwetterzoo Münster kostet ein Online-Ticket statische 23,90 Euro, an der Zoo-Kasse wird ein Aufschlag von drei Euro fällig. Günstiger sind unter anderem Stuttgart (23 Euro im Sommer, 17 Euro im Winter), Gelsenkirchen (23,50 Euro im Sommer, 16,50 Euro im Winter) oder München (20 Euro).

