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Großes FestkonzertMit mehr als 100 Jahren ist der Musikverein Lindlar jünger denn je

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Gruppenfoto des Musikvereins Lindlar.

Frischer Wind: Ein Mix aus traditioneller und zeitgenössischer Musik bestimmt das Repertoire des Lindlarer Orchesters.

Der Musikverein Lindlar stand oft vor dem Ende. Im Jubiläumsjahr erntet das Orchester die Früchte seiner Jugendförderung.

Der Musikverein Lindlar kann auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Da ein Fest zur runden 100-Jahr-Feier im vergangenen Jahr terminlich nicht passte, wird in diesem Jahr nun die 101 gefeiert. Die beiden Festkonzerte am Wochenende geben Anlass für einen Blick zurück auf ein bewegtes Jahrhundert.

Gestartet ist das Ensemble einst als Hellinger Musikverein, dieser gelte als Vorläufer des heutigen Musikvereins, heißt es in der Chronik, und habe den Grundstein für eine Blasmusik-Tradition gesetzt, die bis heute Bestand hat. Das war besonders in der kriegerischen ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht selbstverständlich.

Neuanfang des Lindlarer Musikvereins nach dem Krieg

Doch auch nach dem Zweiten Weltkrieg fanden schnell wieder Proben statt, zunächst unter Willi Schmitz. 1950 übernahm Alois Bosbach den Taktstock. Der Verein nannte sich zunächst „LBO“, sprich Lindlarer Blasorchester, daraus entstand später der Name „Musikverein Lindlar“. Geprobt wurde anfangs noch in der Feilenhauerei Bosbach.

Ein Blick in die Chronik verrät: In den 1950er und 60er Jahren gab es viele Konzerte, die Musiker waren zu Gast auf Schützenfesten in der Helling, in Lindlar, Hartegasse und Waldbruch. Doch Ende der 60er Jahre ging es bergab. „Die Auftritte beschränkten sich immer mehr auf Ständchen und Prozessionen, bis es dann zwangsläufig auch keine Proben mehr gab. In den frühen 70er Jahren spielte der Musikverein im Dorfleben praktisch keine Rolle mehr“, heißt es in den Aufzeichnungen.

1974 dann wieder ein Neustart. Martin Brombach und Hans Braun trommelten acht erwachsene Musiker und drei Schüler zusammen. Am 17. Juni fand die erste Probe des wiederbelebten Orchesters statt. Das Dirigat übernahm damals Eugen Blumberg. 1979 war die Truppe schon wieder auf 23 Musiker angewachsen. Die Auftritte wurden mehr und mehr. 1981 wurde unter der Regie des Musikvereins der musikalische Frühschoppen am Schützenfestmontag ins Leben gerufen.

In der Chronik steht: „Ein Verein ohne Dirigenten – ein Scheitern schien nah“

Blumberg, der den Neustart des Musikvereins prägte, starb 1983 unerwartet. „Ein Verein ohne Dirigenten – ein Scheitern schien nah“, liest man dazu in der Chronik. Doch es kam anders. Der Kirchenmusiker Johann Plitzko übernahm die Leitung. Seine Nachfolge trat 1993 Martin Collas an. Unter Plitzko und Collas wurde der Musikverein auch über die Grenzen Lindlars bekannt. Nach einigen Dirigentenwechseln hat seit 2023 Stephanie Deckers den Posten inne.

Mit der Wiedergründung 1974 wurde Hans Braun Vorsitzender, 1994 übernahm   Sohn Lothar. Er setzte eigene Akzente mit Veranstaltungen wie der „Haxenfete“, dem Lichterfest und dem Weihnachtskonzert im Kulturzentrum. Jetzt startete auch eine aktive Jugendarbeit. Georg Höller übernahm 2002 den Vorsitz von Lothar Braun, seit 2016 ist Thomas Scholz Vereinschef.

Neben eigenen Konzerten gehören Schützenfeste, Martins- und Karnevalsumzüge und Kirchenveranstaltungen zu den festen Jahresterminen der Musikerinnen und Musiker. Die Coronajahre erzwungen   eine fast einjährige Probenpause. 2023 gab es dann aber eine tolle Neuigkeit in Sachen Jugendförderung: Der Musikverein und die Grundschule Lindlar West gründeten eine Bläserklasse. Mit großem Erfolg. 25 Kinder meldeten sich gleich zum Start an.

Auch das musikalische Profil wurde weiterentwickelt. Ein Mix aus traditioneller und zeitgenössischer Musik bestimmt heute das Repertoire – und begeistert die Zuhörer.


Festkonzert

Zum 101. Geburtstag des Musikvereins findet am heutigen Freitag, 17. April, 17 Uhr, ein Festakt für geladene Gäste statt. Bei dem Festkommers werden auch die Bläserklassen der Grundschule Lindlar-West auftreten. Seit 2023 gibt es diese Kooperation.

Am Samstag, 18. April, 19 Uhr, laden die Musikerinnen und Musiker unter dem Motto „Lindlar tanzt“ ins Kulturzentrum am Wilhelm-Breidenbach-Weg ein. Neben dem Musikverein und dem Jugendorchester des MV sind das Ballett- und Tanzstudio Arabesque und die Band „The Firebirds“ mit dabei. Zudem wird es eine Premiere geben: Der Verein hat jüngst ein Projektorchester ins Leben gerufen, und das wird auf dem Konzertabend zum ersten Mal gemeinsam mit der Stammbesetzung des Musikvereins spielen.

Den Auftakt am Abend gibt das Jugendensemble. Im Gepäck hat es   unter anderem einen „Sunny Samba“ und den Hit „Happy“. Dann übernimmt der Musikverein und entführt gemeinsam mit der Tanzschule in die Zeit des   Tonfilm-Schlagers. Es folgen Stücke wie „The Second Waltz“ und „Glenn Miller in Concert“. Hinter „What a Fame“ verbirgt sich ein Arrangement von Stephanie Deckers, die mehrere Tanzfilmkulthits zusammenbringt. Wenn es heißt „Pur Party Hit Mix“, werden die Gäste zum Disco-Fox-Marathon aufgerufen. Mit den Firebirds  geht es zu späterer Stunde auf eine „80er-Kultsong-Tour“. Karten für den Konzertabend sind zum Preis von 15 Euro an der Abendkasse erhältlich.