Stephanie Kleine Klausing ist seit über 100 Jahren die erste Frau an der Spitze des Köln-Tourismus und eine leidenschaftliche Fußgängerin.
Mein VeedelMit der neuen Chefin von Köln-Tourismus geht es durch Lindenthal

Stephanie Kleine Klausing und die Restaurantbetreiber Birde Kricanicic und Rubin Katana im Il Cavaliere.
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„Mein Start in den Tag beginnt oft um 7.15 Uhr mit einem Kaffee bei Roberto an der Universitätsstraße – allein oder auch mal mit Freundinnen. Ein schönes Ritual, das ich nicht missen möchte. Gestärkt quere ich dann die Innere Kanalstraße, gehe Richtung Aachener Weiher, dann im Zickzack durch die Stadt. Nach 50 Minuten bin ich an meinem Arbeitsplatz mit Blick auf den Dom. Ich bin ein Early Bird und lege private Termine wie Yogastunden oder Friseurbesuche gerne auf 7.30 Uhr – dann bin ich um 9 Uhr im Büro“, sagt Stephanie Kleine Klausing, die neue Chefin von Köln-Tourismus.

Freundin Karen (l.) und Stephanie Kleine Klausing treffen sich regelmäßig um 7.30 Uhr auf einen Kaffee to go am Café Mobil von Roberto an der Inneren Kanalstraße.
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Wer ihr auf dem morgendlichen Gang ins Büro folgt, erlebt ein Köln abseits von Hektik und Hupen. Bei gutem Wetter steige die Laune spätestens dann, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen im Aachener Weiher spiegeln. „Kein Auto zu haben, ist für mich eine echte Befreiung. Ich bin eine leidenschaftliche Fußgängerin, gehe sieben bis zehn Kilometer pro Tag, fahre mit der KVB oder auch mit dem Fahrrad. Das ist für mich kein Zwang, sondern Gehirndurchpusten, Bewegung, ein Ausgleich zu meinem Schreibtisch.“
Mit frischem Blick auf Kölns Lebensqualität
Für Kleine Klausing ist dieser tägliche Weg mehr als nur der Weg zur Arbeit: ein intensiver Blick auf Köln, ein Perspektivwechsel, ein Stück Lebensqualität. „Ich nehme die Stadt jeden Tag anders wahr und überlege, wie wir Köln für Gäste – aber auch für die Einheimischen – noch attraktiver machen können. Was unsere Gäste an Köln begeistert, soll sich auch für die Kölnerinnen und Kölner gut anfühlen. Egal, ob sie für einen Tag zu Besuch sind oder hier seit vielen Jahren zu Hause sind“, sagt sie.
Stephanie Kleine Klausing arbeitet schon seit fast zwei Jahrzehnten für Köln-Tourismus – aber nun schreibt sie Geschichte: Als erste Frau steht sie an der Spitze der Institution, die 1913 von Konrad Adenauer als Fremdenverkehrsbüro gegründet wurde.
Als Insiderin weiß die 51-Jährige genau, wo der Schuh drückt: „Wir möchten einen qualitativ hochwertigen Tourismus gestalten – die Menschen sollen kulturell und kulinarisch begeistert werden. Köln steht für sich: Mehr als vielleicht die Architektur sind hier die Menschen im Vordergrund, die unsere Stadt so besonders machen und für das unverwechselbare Köln-Gefühl sorgen. Wir setzen auf Authentizität. Mit unserer Arbeit wollen wir genau das zeigen: Kultur, Toleranz, Lebensgefühl – eine weltoffene und herzliche Stadt eben.“

Der Rautenstrauchkanal im Sommer (Archivbild)
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Kleine Klausing wohnt in Lindenthal. „Ich liebe die Mischung aus Urbanität und viel Grün. Auf der Dürener Straße gibt es viele inhabergeführte Geschäfte, da bekommt man fast alles. Hier habe ich meinen Bäcker, meinen Gemüsehändler und meinen Lieblingsitaliener an der Ecke – die Spaghetti della Casa kann ich nur empfehlen.“
Wenn ihr nach Natur ist, zieht es sie an den Rautenstrauchkanal und weiter in den Stadtwald – „ein wunderschöner Flecken mitten in unserer Millionenstadt“. Ihre Liebe zum Veedel geht sogar so weit, dass sie Besuchern einen Abstecher nach Lindenthal empfiehlt: „Mit dem Rad am Kanal entlang bis zum Adenauerweiher, dann in den Club Astoria – und wenn man noch beim Fußballspiel im Stadion mitfiebert, dann hat man Köln auch abseits der Hotspots gesehen und erlebt.“
Ihren privaten Gästen zeigt sie Köln am liebsten zu Fuß: eine Runde vom Dom ans Rheinufer, vielleicht eine Bootsfahrt, oder einen Spaziergang Richtung Flora mit einem Stopp im Café Dank Augusta. Im Sommer geht sie gerne über die Hohenzollernbrücke zum Sundowner in den Beachclub km 689. „Ich suche immer eine Strecke aus, und am Ende gibt es einen Einkehrspot. Wer mit mir unterwegs ist, sollte Turnschuhe dabeihaben – zu Fuß sieht man einfach am meisten.“
In zügigem Tempo erreichen wir aus Lindenthal nach rund 50 Minuten die Innenstadt. Über die Straße „An der Burgmauer“ geht es frontal auf den Dom zu. „Hier ist ein ziemlich guter Punkt für ein Dom-Foto“, sagt sie und lächelt. „Den einen optimalen Ort gibt es eigentlich nicht. Aber hier bekommt man den Dom mit seinen Spitzen gut aufs Bild. Manche Gäste legen sich dafür sogar auf die Straße, der beste Beweis dafür, dass der Dom natürlich unser großer und wichtiger Anziehungspunkt ist.“

Der beliebte Fotospot mit freiem Blick auf den Kölner Dom in der Straße Burgmauer.
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Dann öffnet sie die Tür zu ihrem alten und neuen Arbeitsplatz: dem Haus, in dem Köln-Tourismus seit 1955 seinen Sitz hat. Nach dem Umbau im Jahr 2024 erinnern nur noch die Treppe und das Wandbild an den Charme der 50er Jahre. Kleine Klausing, die neue Chefin von 70 Mitarbeitenden, steuert die erste Etage an, den neugestalteten Köln-Shop.
„Wir bieten 970 Artikel an – und sind ein echtes Unikat. Rund um den Dom gibt es viele Läden mit Souvenirs, aber unsere Produkte stehen für Köln, sind qualitativ hochwertig, und, soweit es geht, national oder regional produziert. Unser Fokus liegt nicht allein auf Profit, sondern auf Authentizität und Nachhaltigkeit.“

V.l.: Jelena Marggraff, Stephanie Kleine Klausing, Bert Meurer, Jessica Ziegler, Rebecca Esser. Im Vordergrund der rote Plüsch-Dom.
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Sie greift ins Regal und hält einen roten Plüsch-Dom in der Hand. „Köln ist ein Gefühl – mehr Köln geht nicht. Genau das steht auch auf meiner neuen Visitenkarte.“
Stephanie Kleine Klausing empfiehlt:
1) das italienische Restaurant Il Cavaliere an der Hans-Sachs-Straße 1
2) den Köln-Shop vom Tourismusbüro am Kardinal-Höffner Platz 1
3) einen Spaziergang am Rautenstrauchkanal durch den Stadtwald bis zum Club Astoria4) Kaffee bei Roberto, Kaffee-Mobil vor dem Italienischen Kulturinstitut

