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Zum Abschuss freigegebenWas Kölnerinnen und Kölner über die Wildgänse denken

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Einige Anwohnerinnen und Anwohner beschweren sich über den Lärm und den Kot der Tiere. Wie sieht die Situation vor Ort aus?

An einem sonnigen Dienstagmittag sind am Rautenstrauchkanal vor allem Jogger, Studentinnen-Gruppen, Menschen mit Hund und Eltern mit Kinderwagen unterwegs. Wildgänse sieht man hier dagegen kaum. Sie scheinen um diese Zeit nicht besonders aktiv zu sein. Zwei Nilgänse schlafen eingerollt am Ufer, direkt neben einem Schild, das darauf hinweist, dass das Füttern der Tiere verboten ist. Ein paar Meter weiter putzt eine Kanadagans ausgiebig ihr Gefieder. Zwei weitere Gänse haben es sich auf einem Grünstreifen neben dem Weg gemütlich gemacht.

Eine Anwohnerin hatte die Situation am Rautenstrauchkanal zuletzt ganz anders geschildert. Wie Birte G. (Name geändert) dem „Express“ berichtete, werde sie jeden Morgen ab 5 Uhr von dem Lärm der Gänse geweckt und müsse das Fenster schließen. „Tagsüber gibt es im Fünf-Minuten-Takt Alarm, und auf dem Balkon ist es kaum auszuhalten“, erzählte die 57-Jährige. Der Lärm sei von der Lautstärke vergleichbar mit lautem Hupen.

Gemähte Flächen an Gewässern sind beliebte Orte für Gänse

Von dem lauten Geschnatter wie es die Anwohnerin beschreibt, ist an diesem Mittag nichts zu hören. Die Ruhe und Idylle rund um den Kanal wird nur von lauten Schülergruppen, die sich nach dem Unterricht mit dem Fahrrad auf den Heimweg machen, und Autos auf den kreuzenden Straßen gestört. Hin und wieder flattern ein paar streitende Blesshühner zeternd in die Luft.

Dabei ist der Rautenstrauchkanal einer der Orte in Köln, an denen sich die Gänse besonders häufig aufhalten. „Wildgänse leben in Köln fast ausschließlich auf gemähten Flächen an Gewässern und auf landwirtschaftlich genutzten Feldern am Stadtrand“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Dazu gehören neben dem Rautenstrauch- und Clarenbachkanal insbesondere der Mediapark, der Theodor-Heuss-Park, der Rheinpark sowie der Stadtwaldweiher, das Gewässer an der Universitäts- und Stadtbibliothek, der Aachener Weiher, der Kalscheurer Weiher, der Volksgartenweiher, der Decksteiner Weiher und alle Tierparks.

Gänse bleiben wegen Mauser längere Zeit an einem Ort

Hinzu kommt, dass die Gänse an den Kanälen am Aachener Weiher oft ihre Mauserzeit verbringen, also ihr Gefieder wechseln. „Dann sind die Tiere flugunfähig und daher besonders präsent an einem Ort“, sagt die Stadt. Zudem würden die Gänse dort vermehrt gefüttert. Wegen der Tiere kommt es laut Stadt deshalb auch zu Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern. Besonders häufig kämen diese jedoch aus der Nähe des Beethovenparks, wo sich die Tiere an ein künstliches Gewässer einer Wohnlage zurückgezogen hätten.

Die Spaziergänger am Rautenstrauchkanal empfinden vor allem den Kot der Tiere als störend. „Da muss man aufpassen, dass man nicht reintritt“, sagt Farzaneh, die mit ihrer Freundin Giti unterwegs ist. Sie wohnt eigentlich am Aachener Weiher, wo es mit dem Kot besonders extrem sei. Die Maßnahmen der Stadt – das Abschießen der Tiere an den Stadträndern nach der Schonzeit und das Einsammeln der Eier (wir berichteten) – befürwortet sie daher: „Sie haben keine natürlichen Feinde, deshalb finde ich es okay.“ Ihre Freundin ist jedoch anderer Meinung: „Abschießen nein. Aber ich weiß nicht, was die Lösung sein könnte. Vielleicht könnte man versuchen, sie umzusiedeln.“

„Die sind schon sehr, sehr laut“

Peter Fey fürchtet, dass die Gänse eine Gefahr für einheimische Arten sein könnten, und findet die Jagd auf die Tiere „eine akzeptable Maßnahme“. Auch wenn er die Situation speziell am Rautenstrauchkanal nicht beurteilen könne, sagt er: „Die sind schon sehr, sehr laut.“ Seine Begleiterin vergleicht die Wildgänse mit der Ausbreitung des Wolfs: „Wenn es zu viele werden, ist das nicht okay – Tierschutz hin, Tierschutz her.“ Für Schwäne stellen die Wildgänse laut Stadt keine Gefahr dar. Ob Enten durch die Gänse verdrängt werden, sei bei Tierschützern jedoch höchst umstritten, so die Stadt.

Frida und Jonathan, die gerade ihren Kinderwagen neben eine Parkbank schieben, sehen die Situation etwas anders. „Im Park finde ich es nervig, dass sie alles vollkacken, aber sonst stören sie mich eigentlich nicht“, sagt Frida. „Es sind halt Tiere“, sagt Jonathan, „und ich finde es immer komisch, dass zwischen einheimischen und nicht-einheimischen unterschieden wird.“ Hunde seien auch laut, aber das störe niemanden. „Wie soll ich das meinem Kind erklären, dass man die einen füttern darf und die anderen nicht?“

Bei den Wildgänsen ist nicht nur das Füttern verboten, sie werden durch die Jagderlaubnis an den Stadträndern sogar selbst zur Mahlzeit. In der letzten Jagdsaison, die vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026 ging, wurden laut Stadt 140 Kanada- und 230 Nilgänse von privaten Jägern in Köln geschossen. Das Fleisch verkaufen die Jäger an den Handel oder die Gastronomie oder verzehren es selbst.