Klassenchats können zum Problem werden. Eine aktuelle Umfrage zeigt das Ausmaß des Problems – und die emotionalen Folgen.
Mobbing und NacktbilderViele Kinder stoßen in Klassenchats auf belastende Inhalte

Ein Smartphone-Display mit Symbolen von Apps, darunter Facebook, Instagram, YouTube und WhatsApp. Gerade in Klassenchats erleben Kinder Belastendes. (Symbolbild)
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Klassenchats sind für die meisten Kinder und Jugendlichen selbstverständlich – zugleich werden dort häufig problematische Inhalte geteilt. Das geht aus einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des WDR hervor. Demnach nutzen 82 Prozent der 10- bis 16-Jährigen solche Chats, 35 Prozent davon haben dort bereits belastende oder unangenehme Inhalte gesehen.
Am häufigsten berichten Betroffene von Beleidigungen oder Bloßstellungen (69 Prozent). 54 Prozent haben Mobbing oder Ausgrenzung miterlebt. 26 Prozent sahen Bilder oder Videos von Gewalt oder Verletzungen. Auch Hassinhalte (17 Prozent) und Nacktbilder (12 Prozent) kommen vor.
Emotionale Folgen reichen bis zu Angst vor der Schule
Zugleich erfüllen Klassenchats eine wichtige Funktion im Schulalltag: Sie dienen dem Austausch über Unterricht und Privates, 61 Prozent der Befragten geben an, dass dort bereits Probleme innerhalb der Klasse gelöst wurden. Allerdings können Gespräche schnell eskalieren. Der WDR dokumentierte Chatverläufe mit Drohungen, rassistischen Inhalten, extremistischen Symbolen sowie Gewalt- und Nacktdarstellungen.
Die Inhalte wirken sich auch auf die Kinder aus: 25 Prozent der Befragten haben sich wegen Beiträgen im Klassenchat schon Sorgen gemacht. 19 Prozent fühlten sich verpflichtet, ständig aufs Handy zu schauen. 17 Prozent hatten zeitweise keine Lust mehr auf Schule, 8 Prozent gaben an, deshalb geweint zu haben.
Für die Befragung wurden laut WDR 1257 Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 16 Jahren in Deutschland online befragt – davon 1029 Nutzerinnen und Nutzer von Klassenchats. Die Gruppe der befragten Schülerinnen und Schüler bilde in ihren Grundstrukturen Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 16 Jahren hinsichtlich der Merkmale Bundesland, Alter, Geschlecht und Bildung zuverlässig ab. (kna)

