Unbekannte sind in den städtischen Teil des Otto-Langen-Quartiers eingedrungen. Das Rettungsprojekt für das Denkmal erleidet einen weiteren Rückschlag.
Otto-Langen-QuartierRandalierer zerstören Stadtentwicklungsprojekt von Kölner Künstlern

Anja Kolacek und Marc Leßle stehen in den Trümmern des Deutzer Zentralwerks der Schönen Künste, in das im Februar mehrmals eingebrochen wurde.
Copyright: Arton Krasniqi
Das Deutzer Zentralwerk der Schönen Küste hat es schwer: Was Anja Kolacek und Marc Leßle in unermüdlicher Plackerei, mit Kreativität und der Hilfe von vielen Ehrenamtlern schon zum zweiten Mal aufbauen, ist erneut durch Vandalismus zerstört. Ende Februar sind mehrfach Unbekannte in die ehemalige Hauptverwaltung von Klöckner-Humboldt-Deutz eingedrungen und haben gewütet. Das Problem: Noch immer liegt hier kein Strom – eine Sicherung des alten Industriegebäudes durch Kameras oder Lichtsensoren ist somit unmöglich.
„Wir sind mittlerweile Rückschritte gewohnt“, sagt Leßle über sich und Kolacek, „aber die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die ihre Freizeit in das Projekt stecken, frustriert das extrem.“ Kolacek fragt: „Wie wird mit dem bürgerlichen Engagement umgegangen?“ Sie sehen die Stadt als Vermieterin in der Pflicht. Leßle wirft der Kölner Verwaltung vor: „Was wir eineinhalb Jahre aufgebaut haben, konnte niedergerissen werden, weil die Stadt nicht ihren Verpflichtungen nachkommt.“
Ehrenamtliche patrouillierten nachts, um Kölner Denkmal zu schützen
15 Ehrenamtliche haben den Winter damit verbracht, abwechselnd in kleinen Gruppen jeden Abend im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste an der Deutz-Mülheimer-Straße zu patrouillieren. Was sie den Sommer über restauriert und umgebaut hatten an diesem ersten Gasmotorenwerk der Welt, wollten sie den Winter über schützen. Zuletzt vergebens, wie sich jetzt herausstellte.
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Vorigen Montag fanden Kolacek und Leßle das „Desaster“, so nennt Leßle es, aus Scherben und Chaos dann vor: Graffiti an den Wänden, wenn sie nicht sogar eingerissen sind; die frisch eingebauten Fenster sind zerstört, in die laut Leßle auch Fördergelder der Stadt geflossen seien. Die Eindringlinge haben auch Kisten aus einem Regal durchs Fenster hinaus in den Innenhof geworfen, berichtet er. Die Polizei ermittelt gegen Unbekannte, wie eine Sprecherin bestätigte.

Randalierer haben auch die gerade eingebauten Fenster wieder zerstört.
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Kolacek und Leßle entwickelten die Gasmotorenfabrik schon von 2011 bis 2021 zu einem Begegnungsort für Kunst und Kultur, bis der damalige Eigentümer sie hinauswarf. Der Rat beschloss, dass die Stadt diesen Part des Quartiers kaufen soll, um ihn wieder an Kolacek und Leßle zu vermieten. Der Großteil des Otto-Langen-Quartiers gehört allerdings dem Land. Bis Raum 13 wieder in das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste konnte, verstrichen fast drei Jahre, in denen das Denkmal massiv weiter verfiel und auch damals schon von Unbekannten mutwillig zerstört wurde. Erst im Oktober 2023 war der Mietvertrag mit der Stadt ausgehandelt.
Seitdem versuchen Kolcek und Leßle, die Innenhöfe für Veranstaltungen öffnen zu können, Räume für Ausstellungen zu schaffen, Etagen für die Vermietung an Künstler, Forscher und für Konferenzen wieder aufzuräumen. Erste Open-Air-Konzerte hatten sie, wie berichtet, diesen Sommer angedacht. Nur wird das nichts, ohne Strom.
Trafohaus im Mülheimer Süden während Leerstand abgebaut
Die Stadt teilt auf Anfrage auch zur Kritik, ihren Pflichten nicht nachzukommen, mit: „Aktuell finden Abstimmungen mit der RheinNetz GmbH (RNG) zur Herstellung der Stromversorgung statt.“ Ein Sprecher der Rhein-Netz wiederum hatte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ schon im September 2025 gesagt, er könne „keine verlässlichen Angaben“ machen, wie lange der Wiederanschluss ans Stromnetz dauert. Es könne sich „Monate bis Jahre“ ziehen. Grund ist, dass der Energieversorger während des Leerstands 2021 bis 2023, als der Mietvertrag ausgehandelt wurde, das Trafohaus in der Straße abgebaut hatte.
Das Land NRW setzt nebenan auf solarbetriebene Baustellen-Überwachungskameras. Auf die Frage, ob sich die Stadt um einen alternativen Weg kümmert, um provisorisch Baustrom ins Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste zu legen, antwortet ein Sprecher: „Um den Mietern zeitnah Arbeits- und Sicherungsmaßnahmen zu ermöglichen, hat die RNG parallel eine ‚niederschwellige‘ Stromversorgung in Form von Haus- oder Baustrom zugesagt, sofern die vorgeschaltete Netzprüfung positiv ausfällt. Dazu müssen derzeit letzte technische Fragen geklärt werden. Hierfür ist für Mitte März ein Ortstermin mit beiden Mietparteien angesetzt.“

Anja Kolacek und Marc Leßle (zusammen das Kollektiv Raum13) hatten „Hope“ an die Fassade der ehemaligen KHD-Hauptverwaltung geschrieben.
Copyright: Raum13
Leßle berichtet, Baustrom schon 2023 beantragt zu haben, er berichtet auch von zahlreichen Ortsterminen zu dem Thema mit unterschiedlichen Kombinationen von Vertretern der Rhein-Netz und der Stadt, und er berichtet von bereits drei „vorgeschalteten Netzprüfungen“, die alle negativ ausfielen. Die Hoffnung, nun Strom zu bekommen, ist vor Ort in Mülheim daher gering.
Hoffnung auf baldigen Strom im Otto-Langen-Quartier gering
Die Stadt beteuert auf Anfrage: „Die Verwaltung wird eng mit der RNG zusammenarbeiten. Das Ziel ist, dass beide Mietparteien schnellstmöglich eine eigene grundlegende Stromversorgung erhalten.“ Mittlerweile versucht ein Bündnis von Kölner Akteuren in der Kulturszene, zusammengeschlossen unter dem Dachverein Zwischendrin, auch den Rest des städtischen Teil des Otto-Langen-Quartiers herzurichten.
„Das geht so nicht weiter“, sagt Leßle. „Wir schützen das Gebäude vor Verwitterung und Vandalismus, indem wir es kulturell bespielen.“ Im Gegenzug erwarte er, dass die Stadt vertraglichen Verpflichtungen nachkomme. Leßle sagt: „Das Liegenschaftsamt bewegt sich nur seitwärts“, nicht vorwärts. Die Stadt Köln teilt mit, über Inhalte und Verantwortlichkeiten aus dem privaten Mietverhältnis keine Auskunft zu erteilen. Vor eineinhalb Jahren hatten die Künstler „Hope“ („Hoffnung“) in großen Lettern an die Fassade gehängt. Seitdem die Randalierer eingedrungen sind, liegt der Letter „P“ auf dem Boden.

