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Bürgerentscheid OlympiaDiese Empfehlungen geben Kölns Ratsfraktionen und OB Burmester

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Die fünf farbigen Ringe, das Symbol der Olympischen Spiele.

Die fünf farbigen Ringe, das Symbol der Olympischen Spiele. 

Rund 800.000 Kölnerinnen und Kölner haben Post bekommen und können bis zum 19. April darüber abstimmen, ob ihre Stadt sich um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele bewerben soll

Soll Köln sich mit der Region Rhein-Ruhr um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben? Über diese Frage entscheiden bis zum 19. April gut 800.000 wahlberechtigte Kölnerinnen und Kölner.

Sie haben die Wahlunterlagen bereits automatisch per Post zugeschickt bekommen oder erhalten sie in den nächsten Tagen. Es handelt sich um eine reine Briefwahl bis zum 19. April. Am Stichtag werden die eingegangenen Stimmzettel ausgezählt, Wahllokale wird es nicht geben.

Die Beteiligung der Stadt an dem Olympia-Projekt wird nur aufrechterhalten, wenn mindestens zehn Prozent der Abstimmungsberechtigten für „Ja“ stimmen und es am Ende mehr „Ja“- als „Nein“-Stimmen gibt.

Am 26. September entscheidet der DOSB

Ist die Bereitschaft zur Olympiabewerbung in Köln vorhanden, geht es so weiter: Am 26. September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), mit welcher deutschen Stadt er sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bewirbt. Neben Köln würden auch München, Hamburg und Berlin gern Olympia-Ausrichter werden. 

Wann dann das IOC mit seiner neuen Präsidentin Kirsty Coventry welche Spiele vergibt, ist bisher nicht bekannt. Möglicherweise werden auch zwei oder gar drei Spiele im Paket verteilt. Entscheidend für Deutschland wird sein, wann nach Ansicht des IOC wieder Europa dran ist, auch dazu gibt es bislang keinerlei Informationen.

Deshalb legt sich der DOSB bei seiner Bewerbung nicht auf ein Jahr fest, es soll umfassende Bereitschaft signalisiert werden. Nach Paris 2024 finden die nächsten Sommerspiele 2028 in Los Angeles statt, die beiden Städte hatten die Spiele 2017 im Paket zugesprochen bekommen. Die Ausgabe 2032 hat das IOC 2021 an das australische Brisbane vergeben. 

Unterlagen zur Abstimmung über die Olympischen Spiele in Köln und der Region Rhein/Ruhr liegen auf einem Tisch. Bis zum 19. April 2026 kann die Bevölkerung darüber abstimmen, ob sich Köln an der Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele in der Region Rhein-Ruhr beteiligen soll. Symbolbild Bürgerentscheid Olympia *** Documents for the vote on the Olympic Games in Cologne and the Rhine-Ruhr region are on a table Until April 19, 2026, the population can vote on whether Cologne should participate in the bid for the Olympic and Paralympic Games in the Rhine-Ruhr region Symbolic image of the referendum on the Olympics

Unterlagen zur Abstimmung über die Olympischen Spiele in Köln und der Region Rhein/Ruhr

In den von der Stadt Köln versandten Wahlunterlagen findet sich ein QR-Code, der zu einer digitalen Informationsbroschüre führt, in der die Kölner Ratsfraktionen und Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) ihre Argumente für oder gegen Olympia in Köln darlegen und Wahlempfehlungen abgeben. Die Broschüre liegt auch als gedruckte Version in den Bezirksämtern der Stadt aus. 

Der Oberbürgermeister und vier von sieben Fraktionen raten Kölns Bürgerinnen und Bürgern zu einem „Ja“ zu Olympia, das sind CDU, SPD, FDP/Kölner Stadtgesellschaft und Volt. Eines von zwei der Partei-Ratsmitgliedern ist ebenfalls dafür. 

Ein „Nein“ empfehlen drei Fraktionen, die von Linke, AfD und BSW, sowie das zweite Partei-Ratsmitglied und das eine Ratsmitglied von Gut und Klimafreunde. Die Grünen als personell stärkste Fraktione geben keine klare Wahlempfehlung, sie bitten darum, „die Chancen und Risiken einer Olympiabewerbung sorgfältig abzuwägen“.

Kölner Grüne wägen Chancen und Risiken einer Olympiabewerbung ab

Das „Jein“ der Kölner Grünen spiegelt die Zerrissenheit innerhalb der eigenen Partei wieder. Die 22 Ratsmitglieder dürften mehrheitlich eher dafür sein, da sie im Rat dafür gestimmt haben, dass die Stadtverwaltung Kölns Beteiligung an der NRW-Bewerbung weiter vorantreibt. In der Partei dagegen gibt es Mitglieder, die eine Kölner Olympiabewerbung klar ablehnen. 

In der Olympia-Informationsbroschüre der Stadt Köln zählen die Grünen unter anderem folgende Chancen auf: Impulse für Nachhaltigkeit, Infrastruktur und Mobilität, Fortschritte bei Barrierefreiheit und Teilhabe, Aufmerksamkeit für den Breiten- und Spitzensport. Als Risiken werden genannt: unabwägbare Kostensteigerungen, Auswirkungen auf Klima und Umwelt, Verzögerungen bei der Quartiersentwicklung in Kreuzfeld.

Kölner CDU sieht in der Olympiabewerbung eine „historische Chance“ zur Modernisierung

Die CDU-Fraktion sieht in der Olympiabewerbung eine historische Chance, „die Stadt nachhaltig zu modernisieren und ihre internationale Bedeutung weiter zu stärken“. Mit Köln als „Leading City“ könnten „wichtige Impulse für den Sport, die Infrastruktur, Stadtentwicklung und Lebensqualität“ gesetzt werden: „Die CDU-Fraktion ist überzeugt, dass die erfolgreiche Bewerbung langfristige Vorteile für die Stadt und ihre Bevölkerung bringt.“

Kölner SPD verspricht sich von der Olympiabewerbung „ein Wir-Gefühl, das weit über die Zeit der Spiele hinaus trägt“

Der Beitrag der SPD-Fraktion steht unter dem Slogan „Olympia ist... Gold für Köln“ und darin heißt es: „Köln kann Gastgeberin der Welt sein und zeigen, wofür wir stehen: Offenheit, Vielfalt, Fairness und Zusammenhalt. Wenn wir gemeinsam mitfiebern, feiern und internationale Gäste willkommen heißen, entsteht ein starkes Gefühl von Gemeinschaft und Stolz.“ Diese Begeisterung verbinde Menschen aus allen Veedeln, stärke den sozialen Zusammenhalt und schaffe „ein Wir-Gefühl, das weit über die Zeit der Spiele hinaus trägt“.

Kölner Linke sind gegen eine Olympiabewerbung, unter anderem aus finanziellen Gründen

Die Fraktion der Linken führt als ersten Grund, gegen Olympia zu stimmen, den ohnehin überstrapazierten Haushalt der Stadt an: „Für neue Herausforderungen wie die Klimawende und die Investitionen in den Öffentlichen Nahverkehr, aber auch für unsere Schulen fehlen die Finanzmittel.“ Zudem funktioniere in Köln wenig: „Daher muss die Verwaltung erst mal in die Lage versetzt werden, Großprojekte erfolgreich umzusetzen, bevor man sich für Olympische und Paralympische Spiele bewirbt.“ Weitere Gegenargumente der Linken sind ein fehlendes Sportstättenkonzept für den Breitensport, eine mögliche Verzögerung des Wohnungsbaus in Kreuzfeld oder eine mangelhaftes Verkehrskonzept für NRW. 

Kölner AfD empfiehlt ein „Nein“ zu Olympia und kritisiert die Leistungsfähigkeit der städtischen Verwaltung

Auch die AfD-Fraktion begründet ihr „Nein“ zu Olympia mit einer ihrer Ansicht nach mangelhaften Leistungsfähigkeit der städtischen Verwaltung. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeichneten ein ernüchterndes Bild. Die angeführten positiven Effekte für den Kölner Norden wie eine bessere Anbindung an den ÖPNV, der Anschluss von Kreuzfeld an die A 57 oder die beschleunigte Stadtentwicklung seien „unbestreitbar notwendig. Sie rechtfertigen jedoch keine Olympiabewerbung.“

Kölner FDP/KSG-Fraktion sieht in der Olympiabewerbung ein gemeinsames Ziel für die ganze Stadt

Die Fraktion mit Kölner FDP und KSG beginnt ihren Beitrag in der Broschüre mit einer Frage: „Was wäre, wenn Köln wieder ein gemeinsames Ziel hätte? Ein Ziel, das uns antreibt, statt ausbremst. Ein Ziel, das Probleme nicht überdeckt, sondern endlich löst.“ Und spricht sich dann für ein „Ja“ zu Olympia aus: „Nicht aus Prestigegründen. Nicht aus Event-Euphorie. Sondern, weil diese Bewerbung eine echte Chance für unsere Stadt ist.“

Kölner-Volt-Fraktion wägt das Für und Wider einer Olympiabewerbung ab – und empfiehlt ein „Ja“

Die Volt-Fraktion hält es wie die Grünen und beschäftigt sich zunächst ausführlich mit den Chancen und Risiken einer möglichen Olympia-Bewerbung und kommt dann zu diesem Schluss: „Nach Abwägung aller Kategorien und unter der Annahme der Kostendeckung durch Dritte empfehlen wir Ihnen, mit Ja zur Olympia Bewerbung zu stimmen.“

Die anderen Politikerinnen und Politiker

Die zwei Ratsmitglieder von BSW sind wegen eines ihrer Ansicht nach zu hohen finanzielle Risikos gegen die Kölner Olympiabewerbung und die beiden Ratsmitglieder von Die Partei sind unterschiedlicher Ansicht: Aaron Baron von Kruedener ist dafür, weil er Olympia für eine Steuergeldverschwendung hält: „In meinen Augen sollte diese Steuergeldverschwendung dann wenigstens in Köln zur Entfaltung kommen und bestenfalls Steuergelder von Land und Bund verschwenden.“

Sein Kollege Andreas Altefrohne hält Sport für Mord: „In diesem Fall Mord an Steuergeldern.“ Peter Jüde von Gut und Klima Freunde ist ebenfalls dagegen. Er hält den möglichen Erfolg einer Bewerbung für nicht kalkulierbar und den nötigen Aufwand daher für unangemessen. 

Kölns OB Torsten Burmester ist überzeugt: „Köln kann Olympia“

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester, der in seiner Karriere viel Erfahrung als Verwaltungsbeamter im Sportbereich und als Verantwortlicher in Sportverbänden gesammelt hat, bezeichnet Olympia als „einmalige Chance für unsere Stadt“.

Er schreibt: „Mit unserer internationalen Strahlkraft, unserer gelebten Toleranz und Weltoffenheit sowie unserer ausgesprochenen Expertise bei der Durchführung von Sportgroßereignissen sind wir das Zentrum einer starken Bewerbung. “ Er sei vollkommen sicher: „Köln kann Olympia.“