Der Anwalt der Kölner Journalistin berichtet von Inhaftierten aus Aleppo, die bestätigen, dass Eva Maria Michelmann im Gefängnis sei.
In Syrien verschlepptKölner Journalistin soll am Leben sein – aber in Isolationshaft

Eva Maria Michelmann (36) wird seit dem 18. Januar vermisst.
Copyright: Michelmann
Die Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann, die Zeugen zufolge am 18. Januar im syrischen Raqqa verschleppt worden war, soll leben. Die 36-Jährige befinde sich im Gefängnis von Aleppo in Isolationshaft, schreibt ihr deutscher Anwalt Roland Meister in einer Pressemitteilung.
Zeugen zufolge hatte Michelmann am 18. Januar Zuflucht vor marodierenden arabischen Stammesmilizen in einem Jugendzentrum in Raqqa gesucht. Seitdem fehlte zunächst jede Spur von ihr. Ein Augenzeuge berichtete Anfang April, dass Michelmann und der kurdische Journalist Ahmet Polat auf Veranlassung eines Befehlshabers der syrischen Übergangsregierung abtransportiert worden seien.
Anwalt beruft sich auf Zeugen aus dem Gefängnis von Aleppo
Nach einem Gefangenenaustausch am 11. April hätten aus der Strafanstalt in Aleppo Freigelassene berichtet, dass Michelmann und Polat dort inhaftiert seien. Weibliche Gefangene hätten von einer „deutschen Journalistin“ gesprochen – dabei könne es sich nur um Eva Maria Michelmann handeln, da nicht bekannt ist, dass eine andere deutsche Journalistin in Syrien inhaftiert ist. Das Übergangsregime hatte Michelmanns Familie zufolge bislang geleugnet, vom Verschwinden der Kölnerin zu wissen.
Die Anwälte von Michelmann fordern die syrische Übergangsregierung nun auf, Eva Maria Michelmann freizulassen. Familienangehörigen, der deutschen Botschaft, Rechtsanwälten und Menschenrechtsorganisationen müsse sofort erlaubt werden, die deutsche Staatsbürgerin zu besuchen. Die Bundesregierung fordern die Anwälte dazu auf, „nunmehr mit Nachdruck und Entschiedenheit die Freilassung von Eva Maria Michelmann zu erwirken“.
Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, die Situation aufzuklären. Die Deutsche Botschaft Beirut und die Deutsche Botschaft Damaskus sind mit dem Sachverhalt befasst
Der Fall der Kölner Journalistin und Aktivistin, die sich für die kurdische Unabhängigkeitsbewegung in Nordsyrien engagiert hat, ist auch deswegen politisch brisant, weil die Bundesregierung versucht, sein Verhältnis zu Syrien zu normalisieren. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatten den lange Zeit als islamistischen Terroristen gesuchten syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa am 30. März in Berlin empfangen. Viele Asylanträge von Syrern werden in Deutschland inzwischen abgelehnt.
Berichte von einer spurlos verschwundenen Deutschen und von Augenzeugen berichtete Misshandlungen im Gefängnis passen da nicht gut ins Bild. „Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, die Situation aufzuklären. Die Deutsche Botschaft Beirut und die Deutsche Botschaft Damaskus sind mit dem Sachverhalt befasst und bemühen sich weiterhin intensiv um Aufklärung“, hieß es zuletzt auf Anfrage.
Das Auswärtige Amt stehe „mit verschiedenen Stellen und Ansprechpartnern in Kontakt, die möglicherweise Erkenntnisse zum Verbleib der Betroffenen haben können. Wir nehmen diese wichtige Frage selbstverständlich auch hochrangig auf. Zu den Inhalten von vertraulichen Gesprächen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“

