Das Augenzeugen-Interview liegt in Übersetzung dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor. Es gibt weiter kein Lebenszeichen von Eva Maria Zimmermann.
Verschleppte Kölner JournalistinAugenzeugen-Bericht setzt Bundesregierung unter Druck

Eva-Maria Michelmann wurde zuletzt am 18. Januar 2026 gesehen.
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Von der Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann fehlt auch zweieinhalb Monate nach ihrer mutmaßlichen Festnahme und Verschleppung in der nordsyrischen Stadt Raqqa ein Lebenszeichen. Jetzt hat sich ein Augenzeuge gegenüber einem kurdischen Internetdienst geäußert.
Jassem Mohammed erzählt in dem Interview, dessen Übersetzung dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, dass er Michelmann und den kurdischen Journalisten Ahmed Polad in dem Jugendzentrum Al-Shabiba gesehen habe, bevor die beiden in der Nacht des 18. Januar von Sicherheitsleuten abtransportiert worden seien.
Dank Sicherheitskräften aus der Region Aleppo hätten viele aus der Gruppe das Jugendzentrum verlassen können, sagt der Augenzeuge. Bei der Evakuierung des Gebäudes sei die Gruppe geteilt worden. Michelmann und Polad seien in einem anderen Fahrzeug als er weggefahren worden. Er habe in dem Jugendzentrum einen hochrangigen Befehlshaber erkannt, der zum Apparat der syrischen Regierung unter Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa gehöre. Dabei soll es sich um Oberst Mohammed Juma Abdul Ghani handeln, Kommandeur der Inneren Sicherheit in der Großstadt Aleppo.

Antonius Michelmann ist der Bruder der vermissten Journalistin. Er arbeitet als Gesamtschullehrer in Köln.
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Antonius Michelmann, Bruder der vermissten Kölnerin, ist von der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Augenzeugen überzeugt. Die Aussagen wertet Antonius Michelmann als Beleg dafür, dass seine Schwester von Menschen verschleppt wurde, die die syrischen Übergangsregierung zumindest kennt. „Das Übergangsregime kann sich jetzt nicht mehr darauf berufen, dass die Situation in Raqqa unübersichtlich gewesen sei und sie von nichts wisse“, sagt Michelmann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Wenn ein Augenzeuge von einem hochrangigen Befehlshaber des Regimes spricht, der vor Ort war, ist es spätestens jetzt an der Bundesregierung, mit großem Druck Aufklärung zu fordern.“
Merz sprach möglicherweise mit Übergangspräsidenten über Kölnerin
Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatten den lange Zeit als islamistischen Terroristen gesuchten syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa am 30. März in Berlin empfangen. Auf die Frage, ob Merz mit al-Scharaa auch über die verschwundene Kölnerin sprach, antwortete das Auswärtige Amt auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ebenso nur indirekt wie auf die Frage, ob die Behörde die syrische Regierung mit den Schilderungen des Augenzeugen konfrontiert habe.
Als Antwort hieß es: „Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, die Situation aufzuklären. Die Deutsche Botschaft Beirut und die Deutsche Botschaft Damaskus sind mit dem Sachverhalt befasst und bemühen sich weiterhin intensiv um Aufklärung.“ Das Auswärtige Amt stehe „mit verschiedenen Stellen und Ansprechpartnern in Kontakt, die möglicherweise Erkenntnisse zum Verbleib der Betroffenen haben können. Wir nehmen diese wichtige Frage selbstverständlich auch hochrangig auf. Zu den Inhalten von vertraulichen Gesprächen äußern wir uns grundsätzlich nicht“. Aus den letzten Sätzen könnte man schließen, dass Kanzler Merz den Fall Eva Maria Michelmann gegenüber al-Scharaa zumindest angesprochen haben könnte.
Jassem Mohammed hatte in dem Interview berichtet, Eva Maria Michelmann habe zur erneuten Ausbreitung des Islamischen Staates (IS) in Syrien recherchiert, wie der IS sich neu organisiert und Angriffe plane. Damit hat sich die 36-Jährige in große Gefahr begeben. Das Übergangsregime in Syrien weist eine Nähe zum IS zurück. Sie ist einer internationalen Koalition zur Bekämpfung des IS beigetreten.
Die Kurden werfen Ahmed al-Scharaa und seinem Machtapparat dagegen vor, dem IS ideologisch nahezustehen. Die Kurden im Norden Syriens galten über viele Jahre als wichtigste Verbündete im von den USA angeführten internationalen Kampf gegen den IS. Im jüngsten Konflikt mit der Übergangsregierung baten die Kurden die USA vergeblich um Unterstützung.

