„Worte des Hasses, Antwort der Vernunft“ ist die Ausstellung überschrieben, die zurzeit im Begegnungs- und Kulturort Simons Glück in Euskirchen zu sehen ist.
AusstellungVerein Queer Euskirchen zeigt, wie Hass und Hetze die Solidarität beflügelt

Beim Euskirchener CSD 2025 trommelte diese Gruppe für die Vielfalt. Die Vorbereitungen für die diesjährige Parade laufen auf Hochtouren.
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„Worte des Hasses, Antwort der Vernunft“ ist die Ausstellung überschrieben, die zurzeit im Begegnungs- und Kulturort Simons Glück in der Kapellenstraße zu sehen ist. Bereits zum zweiten Mal haben hier Mitglieder des Vereins Queer Euskirchen Hassnachrichten, Social-Media-Pöbeleien und -Verunglimpfungen sowie Drohungen zusammengestellt, die an einzelne Personen oder den gesamten Verein als Veranstalter des CSD in Euskirchen gerichtet wurden. „Die Ausstellung lädt dazu ein, hinzuschauen, zuzuhören und gemeinsam darüber nachzudenken, wie Worte verletzen können und wie wir ihnen mit Haltung, Solidarität und Vernunft begegnen“, erklärt Vereinsvorstand Winfried Kubitza-Simons.
Bereits im Vorjahr habe es eine solche Ausstellung gegeben, die auf große Resonanz gestoßen war. „Wir haben sie dann an einige Schulen verliehen, die angefragt hatten – bis hinunter nach Bayern.“ Seither ist viel passiert bei Queer Euskirchen, und leider nicht nur Begegnung, Austausch, Mit- und beieinander für Queere und alle anderen Menschen im Viertel, sondern auch erneut Hetze, Hass, Anfeindungen und immer wieder Sachbeschädigungen. Autos wurden zerkratzt, Fensterscheiben mit rechten Parolen beschmiert.
Verein hat eine enge und gute Zusammenarbeit mit der Polizei
Polizei und Staatsschutz ermitteln, nehmen die Angriffe sehr ernst. Jetzt wird das Ladenlokal von Simons Glück per Kamera überwacht. Streifenpolizisten legen ein besonderes Augenmerk auf den Ort. Generell besteht eine enge und, laut Kubitza-Simons, „sehr gute Zusammenarbeit“ mit der Polizei, die dazu ermutigt, sämtliche Vorfälle – auch die im virtuellen Raum – unbedingt zur Anzeige zu bringen.
Das ist aber nur die eine Hälfte der Geschichte. Denn je stärker der Wind aus rechten, homophoben und/oder rassistischen Kreisen weht, desto größer ist die Solidarisierung seitens der Euskirchener Stadtgesellschaft. „Wir haben eine wahre Welle der Solidarität erlebt“, sagt Winfried Kubitza-Simons. Bürgerinnen und Bürger kamen spontan in Simons Glück, manche hinterließen an der Frontscheibe mutmachende Botschaften wie „Wir stehen hinter euch!“ oder „We are family“.
Es ist einfach toll zu spüren, wie viele Menschen vor einem, hinter einem und neben einem stehen.
Auch demokratische Parteien stellten sich öffentlich an die Seite von Queer Euskirchen, etliche Vereine bezogen deutlich Stellung. Jüngst organisierte die katholische Kirche in dem Begegnungsort einen Bibelkreis. Die evangelische Kirche hielt dort eine Seelsorgesprechstunde ab, die viel Zuspruch fand. „Es ist einfach toll zu spüren, wie viele Menschen vor einem, hinter einem und neben einem stehen“, sagt Kubitza-Simons.
Die Ausstellung im Simons Glück bildet genau das ab. Der hintere Raum des 19-Quadratmeter-Ladenlokals ist der negative Teil, bestückt mit Screenshots und Fotos der zahlreichen Verunglimpfungen und Anfeindungen. Der vordere Raum widmet sich dem Positiven: dem Zuspruch, den Worten der Solidarität sowie der aktiven Auseinandersetzung mit Diskriminierung. „Wir setzen all dem Negativen das Schöne entgegen, alles hat eben immer zwei Seiten“, so Vorstandsfrau Anne.

Mitglieder des Vereins Queer Euskirchen im positiven Bereich der Ausstellung „Worte des Hasses, Antwort der Vernunft“, die bis zum 20. April zu sehen ist.
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Diese positive Haltung kommt letztlich dem ganzen Viertel zugute. „Das Engagement des Vereins Queer Euskirchen hat soviel frischen Wind ins Viehplätzchen-Viertel gebracht“, befindet ein Anwohner: „Wir stehen oft nur als Problemviertel in der Öffentlichkeit, hier kann man sehen, dass es durchaus positive Entwicklungen gibt.“
Als ein Zeichen der Wertschätzung und der wachsenden Solidarität darf auch der große Zuspruch für den Euskirchener CSD gewertet werden, der am Samstag, 16. Mai, stattfindet. Der Tag steht für Sichtbarkeit, Mut und Widerstand und mahnt, dass Errungenschaften wie die Achtung der Menschenwürde, Gleichberechtigung oder die Freiheit, zu lieben wen man möchte, immer noch fragil sind. Winfried Kubitza-Simons: „Dieses Jahr werden rund 1000 Menschen an der Parade teilnehmen, fast doppelt soviel wie im Vorjahr. Stand jetzt – man kann sich gerne noch anmelden!“
Wir stehen oft nur als Problemviertel in der Öffentlichkeit, hier kann man sehen, dass es durchaus positive Entwicklungen gibt.
Der Klosterplatz verwandelt sich an diesem Tag ab 11.30 Uhr in einen Ort der queeren Sichtbarkeit und Solidarität: Parteien, Kirchen, Vereine, die Polizei, die Caritas-Jugendvilla, Omas gegen rechts und viele mehr sind mit Infoständen und Aktionen vertreten und setzen gemeinsam ein Zeichen gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit. Auf der Bühne wechseln sich Redebeiträge mit musikalischen und tänzerischen Darbietungen ab, unter anderem dabei sind die Pink Poms, Stephan Brings und Rheinsamba. Ab 14.30 Uhr startet dann die Parade durch die City, bei der auch ein Flashmob geplant ist.
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Noch ist eine Menge zu tun, aber die Organisatoren von Queer Euskirchen sind guter Dinge. Auch, was das Sicherheitskonzept angeht: Das wurde in enger Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt erstellt, mit besonderem Augenmerk auf potenzielle Störer. Wie mittlerweile üblich, geht es auch darum, Zufahrtswege zu blockieren. Außerdem sind an diesem Tag Awareness-Teams im Einsatz und ansprechbar, wenn es zu diskriminierendem oder grenzüberschreitendem Verhalten kommt. „Natürlich stellen wir auch viele Ordnerinnen und Ordner. Hier können sich gerne noch Menschen melden, die uns unterstützen wollen“, so Winfried Kubitza-Simons.
Die Vorfreude auf ein rauschendes Fest der Vielfalt in der Euskirchener City ist jedenfalls groß. Alle sind eingeladen, auch dazu hinzuschauen, zuzuhören und mitzuwirken, wie es im Vorwort des Programms heißt: „Wenn wir zusammenstehen, können wir den aktuellen Herausforderungen mit Entschlossenheit begegnen und weiter an einer Zukunft arbeiten, in der Vielfalt nicht verteidigt werden muss, sondern selbstverständlich gelebt wird.“
Mai ist Pride-Monat in Euskirchen
„Wir kommen in Frieden und wir bleiben“ lautet das Motto des dritten Euskirchener CSD am 16. Mai. Doch auch vorher und nachher gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen in der Kreisstadt. Hier ein Auszug: Am 1. Mai, ab 12 Uhr, findet das „Mai-Fändeln in der City“ statt, bei dem Müll gesammelt und Aufkleber entfernt werden. Am gleichen Tag, 16 Uhr, wird die Ausstellung „Wege gehen, Türen öffnen“ im Begegnungsort Simons Glück eröffnet.
„Deep Talk about Sex“ heißt es dort am 3. Mai, 16 Uhr. Zu Gast ist HIV-Aktivist Hans Berlin. Am 4. Mai, 17 Uhr, liest Uwe Daniel aus seinem Buch „Mein Tanz auf der Klinge“ im Simons Glück. Judith Hages liest am 18. Mai, 17.30 Uhr, aus ihrem Buch „40 ist das neue Chaos“. Und am 31. Mai, 15 Uhr, ist Schauspieler Andreas Strigl mit „Meine Freundin Hildegard Knef“ zu Gast in den Vereinsräumen von Queer Euskirchen.
Am 8. Mai findet in der katholischen St.-Stephanus-Kirche in Roitzheim ein „Gottesdienst für alle Liebenden“ statt. Die evangelische Kirche in Euskirchen lädt für den 17. Mai, 11 Uhr, zu einem queeren Gottesdienst ein. Um das Thema HIV geht es am 11. Mai ab 17 Uhr im Begegnungsort Simons Glück. Gesang und Austausch erwarten Gäste am 25. Mai:„Lasst uns Brücken bauen „ heißt es da mit Wolfgang Hildebrandt. In einem Workshop im Simons Glück geht es am 27. Mai um „Gewalt im Leben queerer Menschen“. Zugegen sind dann eine Fachkraft des Vereins Rubicon sowie Ansprechpartner der Polizei.
Das komplette Programm mit weiteren Veranstaltungen und Treffen des Vereins Queer Euskirchen findet man auf der Homepage sowie in der Broschüre, die vielerorts ausliegt. Darin ist auch das Programm für den CSD- und Pride-Samstag zu finden.

