Zwölf Händler betreiben in Gremberghoven das ABA-Frischezentrum. Ein Besuch in der Nacht, der Hoch-Zeit im Großhandel von Obst und Gemüse.
Drei Monate späterWie es den Händlern nach Ende des Kölner Großmarkts geht

Zwölf Händler verkaufen weiter Obst und Gemüse in einem neuen Frischezentrum in Gremberghoven – bis zum Jahreswechsel waren sie am Großmarkt ansässig.
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Seit dem Jahreswechsel ist der Kölner Großmarkt in Raderberg Geschichte, nach 85 Jahren. Zahlreiche Händler mussten sich neue Standorte suchen, viele sind jetzt in der Stadt verstreut. Ein neues – wenn auch deutlich kleineres – Zentrum konnte sich aber in Gremberghoven etablieren. Im dortigen ABA-Frischezentrum versuchen zwölf Händler, die Tradition des Großmarkts weiterzuführen. Ein Besuch in der Nacht.
Das ABA-Frischezentrum liegt im Airport-Business-Park an der Frankfurter Straße. Dutzende Lastwagen stehen weit nach 1 Uhr vor den Verladerampen der 9300 Quadratmeter großen Halle. Drinnen lagern Paletten mit Obst, Gemüse und Kartoffeln in Hochregalen. Mitarbeitende schieben Hubwagen umher, ein Gabelstapler wuselt durch den schmalen Gang. Die Einrichtung drinnen ist noch etwas provisorisch, aber funktional: Für Büros und Toiletten haben die Planer Container aufgestellt. Bisher scheint noch keiner der zwölf Händler dazu gekommen zu sein, ein Firmenschild an den Eingang seines Bereichs zu hängen – lediglich ausgedruckte Zettel weisen darauf hin.
Nevzat Taskiran holt das Schild seiner Firma Birkenheyer aus dem Regal, bloß um es zu zeigen, denn er wird auch diese Nacht nicht dazu kommen, es aufzuhängen. Taskiran, ein Kölner mit türkischen Wurzeln, wirkt in seinem grünen Kapuzenpullover mit Weste darüber wie jemand, der anpackt.
Händler taten sich zusammen für neues Frischezentrum in Köln
„Als zweiter Vorsitzender der IG Kölner Großmarkt wusste ich, dass die Schließung auf uns zukommen würde“, sagt Taskiran. Bis zuletzt hatten einige Mitbewerber nicht wahrhaben wollen, dass der Großmarkt wirklich schließt. „Deswegen hat eine kleine Gruppe von uns bereits im März vergangenen Jahres begonnen, hier etwas aufzubauen.“ Die Firmen Früchte Adam, Birkenheyer und Asya Feinkost (zusammen ABA) hätten Glück gehabt, dass es bei der neuen Halle mit dem Mietvertrag klappte, so beschreibt es Taskiran. „Wir haben um die drei Millionen Euro in die Inneneinrichtung investiert. Regale, Kühlhäuser und Büros – das haben wir alles selber gemacht. Es ist noch nicht alles fertig, aber die Fläche ist voll ausgelastet.“
Ein Vorteil des Großmarkts war, dass Gastronomen, Großkunden, Markt- und Einzelhändler viele verschiedene Waren an einem Ort bekamen. Die zwölf Händler im ABA-Frischezentrum versuchen auf ähnliche Weise weiter von den Synergien zu profitieren. Das funktioniert laut Taskiran: „Die Kunden freuen sich. Erst mal, weil es viel sauberer ist, und dann über die Auswahl: Wir haben Kartoffelhändler, Kräuterhändler, Exotenhändler, verpacktes Fleisch, Obst und Gemüse sowieso – zu 99 Prozent findet man alles, was man braucht.“ Sie schafften einen nahtlosen Übergang zum Jahreswechsel. Der Großteil seiner Kunden, der im alten Großmarkt kaufte, komme nun auch nach Gremberghoven, sagt Taskiran.
Kunden sind froh, nicht nach Venlo fahren zu müssen
Vor einer Palette mit Früchten steht Mario Winkler. Er greift in seine Tasche und zieht ein Messer hervor, mit der er eine Pflaume aufschneidet und probiert. Sie schmeckt, also nimmt er mehrere Kisten mit. „Auf dem Großmarkt gilt die Regel: wie gesehen, so gekauft. Wenn man die Händler lange kennt, kann man aber auch schon mal eine Kiste mit verfaulter Ware zurückgeben. Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt er.
Täglich komme er ins Frischezentrum nach Gremberghoven. Zusammen mit seinem Sohn betreibt er Stände auf den Wochenmärkten in Brück und Longerich, Refrath und Bensberg. „Wir kaufen hier jeden Morgen 200 Artikel an Obst, Gemüse und Kräutern. Die laden wir in unsere beiden 7,5-Tonner“, schildert er. „Ich mache den Job seit 50 Jahren und kenne den alten Großmarkt von klein auf. Da bekam man alles – außer einem Panzer“, scherzt er.

Mario Winkler, der Marktstände in Brück und Longerich betreibt, kauft täglich im ABA-Frischezentrum ein.
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Die Nachricht von der Schließung habe ihn umgetrieben, es habe unter den Händlern Befürchtungen gegeben, bis nach Venlo fahren zu müssen. Dort ist der nächstgelegene Großmarkt. „Da wären unsere deutschen Waren in die Niederlande gefahren worden, von wo wir sie nach Deutschland zurückgebracht hätten – da hätten wir aufhören müssen“, so Winkler. „Deswegen sind wir froh, dass es das neue Frischezentrum gibt. Es geht nicht nur weiter, es ist auch sauberer und die Auswahl besser.“
Einst arbeiteten 2000 Menschen am Kölner Großmarkt
Am Großmarkt in Raderberg arbeiteten laut der Interessengemeinschaft vor wenigen Jahren 180 Händler mit rund 2000 Mitarbeitenden. Kurz vor Weihnachten waren laut Stadt noch ungefähr 50 Händler übrig. Zum Teil liquidierten sie ihre Firma oder meldeten mit der Marktschließung Insolvenz an.
Einen neuen Standort zu finden, war schwierig. Die Händler werden nachts angeliefert und verkaufen zu einer Zeit, zu der Anwohner nicht durch Lärm beim Schlafen gestört werden wollen. Für den Großhandel braucht es daher spezielle Genehmigungen, die nicht für viele Orte in Köln ausgestellt werden. Trotzdem haben es einige weitere Händler geschafft, sich wie Taskiran neu aufzustellen: Früchte Heep zum Beispiel ist nun im Blumengroßmarkt in Riehl ansässig und konnte nach eigener Aussage gar neue Kunden hinzugewinnen. Sechs weitere Großhändler haben sich zum Frischezentrum Köln-Nord an der Marconistraße in Merkenich zusammengetan. Doch wie zu hören ist, finden nicht alle ehemaligen Großmarktkunden den Weg zu den jetzt in Köln weit verteilten Firmen.

