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ZDV-Präsidentin über Eintritt am Dom„Das fände ich nun unfair gegenüber den Kölnern“

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Der Kölner Dom wird Touristen in Zukunft Eintritt kosten.

Der Kölner Dom wird Touristen in Zukunft Eintritt kosten. 

Barbara Schock-Werner spricht über den Eintrittspreis am Dom und Gerüchte über die Höhe des Betrags.

Frau Schock-Werner, haben Sie die Mitteilung, dass der Dom künftig Eintritt kosten soll, inzwischen verdaut?

Barbara Schock-Werner: Als Präsidentin des Zentral-Dombauvereins hätten ich und der Vorstand erwartet, dass man über solch eine Entscheidung im Vorfeld mit dem größten Geldgeber redet. Es lag ja so etwas in der Luft. Nun sind wir zumindest sehr erleichtert, dass der Eintritt für ZDV-Mitglieder kostenlos bleibt. Wir fürchten aber um unsere Großspender.

Warum?

Die könnten sagen: Wenn das Domkapitel jetzt selbst Millioneneinnahmen generiert, dann braucht der Dom unser Geld nicht mehr.

Nachvollziehbar, oder?

Ja und nein. Aus den Eintritten will das Domkapitel nach eigenem Bekunden alle möglichen Kosten decken, die am Dom anfallen – also auch für den Gottesdienst, für die Domschweizer, die Beleuchtung oder auch für den Unterhalt von Gebäuden, die mit dem Dom direkt gar nichts zu tun haben. Darum sage ich: Nur wer sein Geld direkt dem ZDV gibt, kann sicher sein, dass es wirklich für den Bauerhalt des Doms verwendet wird. Diese strikte Zweckbindung unterscheidet Spenden an den ZDV und Mitgliedsbeiträge von den anderen Einnahmen des Doms.

Wird der Zugang für ZDV-Mitglieder ähnlich gehandhabt wie für Betende und Gottesdienstbesucher, denen laut Domkapitel bestimmte Bereiche im Dom auch künftig kostenlos zugänglich sein sollen.

Nein, über die Mitgliedschaft ist der freie Eintritt für den ganzen Dom garantiert.

Barbara Schock-Werner

Barbara Schock-Werner

Haben Sie schon eine Vorstellung, wie hoch der Eintritt sein wird?

Ich hoffe sehr, dass es ein Betrag unter 10 Euro wird. Was ich höre, sind Beträge um die 12 bis 15 Euro. Das fände ich nun unfair gegenüber den Kölnerinnen und Kölnern sowie den Menschen aus der Region.

Wieso unfair?

Ich finde es generell sehr, sehr bedauerlich, dass man überhaupt Eintritt für den Dom nimmt. Erstens war ich immer der Meinung: Es muss auch nicht-kommerzielle Räume geben. Man sollte nicht für alles bezahlen müssen – am wenigsten für den Besuch in der Kirche. Zweitens lautete der Satz, den ich in meiner Zeit als Dombaumeisterin am häufigsten von den Menschen gehört habe: „Immer wenn ich in der Stadt bin, gehe ich als erstes in den Dom.“ Das sind nicht alles Gottesdienstbesucher, aber eben auch keine Touristen, sondern Liebhaberinnen und Liebhaberinnen – ich könnte auch sagen: „Dombesucher mit Herzblut.“ Ich fürchte, viele von denen werden durch ein Eintrittsgeld abgeschreckt.

Was man liebt, muss einem doch auch teuer sein, oder?

Das stimmt, und da schließt sich dann auch ein Kreis: Wer den Dom liebt, geht in den ZDV.

Haben Sie nach der Ankündigung des Eintritts schon einen Anstieg der Mitgliederzahlen zu verzeichnen?

An den ersten beiden Tagen gab es – leider – eine Reihe empörter Austritte. Diese Mitglieder versuchen wir jetzt zum Bleiben zu bewegen, indem wir ihnen die Hintergründe der Entscheidung erklären, mit denen der ZDV ja nichts zu tun hat – im Gegenteil. Zum anderen registrieren wir eine erste erfreuliche Entwicklung: Eheleute melden ihren Partner, ihre Partnerin neu an mit der Begründung: Damit wir auch künftig gemeinsam in den Dom gehen können. Ob sich dieser Trend verstetigt, werden die nächsten Wochen zeigen.

Wie kommen Sie eigentlich auf eben erwähnte Preisspanne von 12 bis 15 Euro für das künftige Dom-Ticket?

Dompropst Guido Assmann hält sich zurzeit völlig bedeckt. Aber die Kirche ist eine Gerüchteküche. Und da höre ich immer wieder Vergleiche mit Mailand und seinem gotischen Dom. „Unser Dom“, heißt es, „ist ja wohl nicht weniger wert als der Mailänder.“ Dort beträgt die Mindestgebühr für den Innenraum und das Dommuseum regulär 13,50 Euro. Wer zusätzlich noch den spektakulären Blick vom Dach auf die Architektur und die Stadt haben will, zahlt mindestens 26 Euro. Das fände ich nun ziemlich entsetzlich. Aber bevor wir als ZDV darauf reagieren, muss das Domkapitel jetzt erstmal vorlegen.

Wenn es wirklich zehn Euro oder mehr wären, planen Sie in diesem Fall eine Erhöhung der Jahresgebühr für den ZDV – weil sich die Mitgliedschaft dann ja finanziell mehr auszahlt als bisher: Zwei Besuche im Dom, und man hat das Geld raus.

Das ist im Moment überhaupt kein Thema. Es war immer ZDV-Politik, eine sehr niedrige Mindestgebühr – derzeit 20 Euro im Jahr – zu nehmen. Die kann sich jeder und jede leisten. Tatsächlich zahlen über 80 Prozent freiwillig einen höheren Betrag. Was wir gerade überlegen, ist ein neuer Mitgliedsausweis, der zugleich als Dauerkarte für den Dom funktioniert. Wie das genau gehen wird, hängt davon, für welches System der Ticketkontrolle das Domkapitel sich entscheidet. Bis dahin müssen die Papierstreifen als Nachweis der ZDV-Mitgliedschaft Gültigkeit haben. Das habe ich dem Domkapitel bereits geschrieben. Wir werden unseren Mitgliedern den neuen Ausweis frühestens mit dem jährlichen Weihnachtsbrief zustellen können. Ein eigener Versand mit fast 20.000 Euro Zusatzkosten für Porto kommt nicht in Frage.

Die ganze Aktion mit dem Eintritt ist überhaupt nur notwendig, weil der Dom – wie es immer so schön heißt – „sich selbst gehört“ und sich daher auch selbstständig finanzieren muss. Viele Bürgerinnen und Bürger bekunden darüber ihr Unverständnis: Der Dom ist zunächst und vor allem eine Kirche, genutzt vom Erzbistum und vom Erzbischof. Warum kommt dann nicht auch das Erzbistum mit seinen immer noch gewaltigen Mitteln für den Dom auf wie für seine anderen Kirchengebäude auch?

Die Rechtskonstruktion des Doms als eigene Körperschaft des öffentlichen Rechts ist nicht so einzigartig, wie es scheint. Der Stephansdom in Wien ist genauso verfasst. Hintergrund ist – so könnte man sagen – ein uraltes Misstrauen innerhalb der Kirche selbst: Kein Erzbischof, kein Dompropst, kein Domkapitel sollten je Zugriff auf den Dom als Vermögenswert bekommen und ihn – im Extremfall – verscherbeln können. Verwalten ja, besitzen nein.