Vor zwanzig Jahren eröffnete Ulf Larsson seine Galerie in der Schaafenstraße. Jetzt lädt er zu Jubiläumsausstellung mit prominenten Kölner Positionen.
20 Jahre Galerie Ulf Larsson„Die Qualität der Kunst hängt nicht mit ihrem Preis zusammen“

Blick in die Jubiläumsausstellung der Galerie Ulf Larsson: vorn Blumen von Boris Becker, Skulptur von René Dantes.
Copyright: Galerie Ulf Larsson
Die beiden Boris-Becker-Fotografien, die Ulf Larsson aktuell in seiner Kölner Galerie zeigt, scheinen auf den ersten Blick so gar nicht zu den zeichenhaft-abstrakten, oft schwarz-weißen Hochbunkerbildern zu passen, die den Kölner Fotografen international bekannt machten: Zwei Blumenstillleben, eines mit knallgelben, frühlingshaften Narzissen in einer kopfförmigen Vase, das andere ein bunter Strauß vor blauer Raufasertapete, daneben eine zerrupfte Kreatur, die sich nur anhand des Titels – „Blumen und Hyäne“ – oder mit gehobener zoologischer Kenntnis eindeutig identifizieren lässt. Becker schuf die häuslichen Szenen 2023 für eine auf Blumenmotive beschränkte Schau – und hielt sie für passend, als Larsson ihn anlässlich seiner aktuellen Jubiläumsausstellung nach etwas „weniger strengen“ Arbeiten fragte.
Seit nun 20 Jahren betreibt Ulf Larsson seine Programmgalerie auf der Schaafenstraße. Da sind Blumen durchaus angebracht, auch wenn diese hier etwas Rätselhaftes an sich haben, uns nicht die ganze Wahrheit zu sagen scheinen und sich damit doch in eine Reihe mit den architektonischen Aufnahmen des Künstlers stellen, der das Vertrauen in die Wirklichkeit ständig auf den Prüfstand stellt. Nachdem Becker lange Jahre von Heinz Holtmann vertreten worden war, wechselte er nach dessen Tod zu Ulf Larsson, der ihm seitdem zwei Einzelausstellungen widmete. Mit Martin Claßen hat Larsson noch einen weiteren bekannten Kölner Fotografen im Programm, und das, obwohl die Fotografie nie sein Schwerpunkt war.
Mit der Kunst aufgewachsen
Der liegt eigentlich auf abstrakter Kunst, auf stark reduzierten Formen. „Das hat sich mit der Zeit verändert. Einerseits geht es um den Kundenkreis, aber auch um mich persönlich. Ich hatte einfach so viele schöne Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern“, so Larsson. Angefangen hat alles schon vor weitaus mehr als 20 Jahren, denn der in Schweden geborene Galerist ist „mit der Kunst aufgewachsen“, wie er selbst sagt. Schon seine Mutter hatte eine Galerie in Stockholm und nahm ihn mit zu den Ausstellungen. Trotzdem schlägt er zunächst einen anderen Weg ein, ist im Außendienst tätig, ständig auf Reisen, bis er darauf keine Lust mehr hat und nach Köln kommt. Ein halbes Jahr wollte er bleiben. Es wurde etwas länger.
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Der Kölner Galerist Ulf Larsson
Copyright: Galerie Ulf Larsson
Denn Mitte der Achtzigerjahre gründet Larsson seine erste Galerie im Kölner Friesenviertel, übernimmt zunächst das skandinavische Programm seiner Mutter. „Die Mischung aus Kunst und Handel, fand ich schon immer spannend, weil es immer gut ist, ein paar Mark in der Tasche zu haben“, so Larsson lachend, „vor allem aber gibt es nichts Schöneres, als den Künstlern Geld überweisen zu können und zu wissen, dass sie weitermachen können.” 2006, vor zwanzig Jahren, folgt dann die zweite Galerie in der Schaafenstraße. Neben ein paar wenigen Positionen von damals, baut er nach und nach neue Kontakte auf. Zum Jubiläum zeigt Larsson jetzt die ganze Bandbreite seines Programms: Norbert Thomas steht mit seiner Konkreten Kunst, seiner Visualisierung mathematischer und geometrischer Gesetzmäßigkeiten, wohl am offensichtlichsten für die rein abstrakten Anfänge.
Von Martin Streit bis Jung Suk Ryu: Viele Kölner im Programm
An der Wand gegenüber von Thomas’ Hochformat hat Larsson viele kleinere Arbeiten unterschiedlicher Künstlerinnen und Künstler arrangiert. Davor steht eine Skulptur des Pforzheimer Bildhauers René Dantes, der mit seinen Arbeiten sonst ganze Parks und Gärten bestückt. Ein seltsamer Schleier liegt wiederum über Martin Streits Bildern. Diffuses Licht, blasse Grün- und Blautöne formen die Gegenstände – Becher, Schalen und ein fensterloses Haus –, die der ehemalige Schüler Gotthard Graubners malt. Sein Umgang mit Farbe lässt sich in Streits melancholischen Werken problemlos wiedererkennen. Daneben stellt Larsson die violett-blauen Papiercollagen des Kölner Künstlers Thomas Kemper, der in den späten 90er- und frühen 2000er-Jahren im Kolumba und in der Artothek ausgestellt hat, und eine duschende Figur der Koreanerin Jung Suk Ryu, die ebenfalls in Köln lebt und arbeitet.
„Ich habe immer geschaut, dass es auch etwas zu kaufen gibt, das wertvoll ist, aber mit 2000–3000 Euro bezahlbar bleibt.”
Dass alle Kunstwerke an der Wand eine doch recht überschaubare Größe haben, ist kein Zufall, denn Larsson hat von Anfang an Wert darauf gelegt, Formate anzubieten, die auch in durchschnittlichen Wohnungen oder Häusern gut funktionieren: „Ich habe immer geschaut, dass es auch etwas zu kaufen gibt, das wertvoll ist, aber mit 2000–3000 Euro bezahlbar bleibt.” Die Spannungen auf dem Kunstmarkt treffen ihn deshalb auch nicht allzu hart: „Diese Bandbreite an Menschen mit normalen Einkommen, die aber trotzdem kulturell interessiert sind, ist einfach sehr groß. Natürlich zählt vor allem die Qualität. Aber die hängt nicht mit dem Preis zusammen, wie viele glauben.“
Seit den blühenden Achtzigerjahren habe die Kunststadt Köln schon an Glanz verloren, so der Galerist. Während damals noch sehr viele internationale Künstlerinnen und Künstler hier gearbeitet hätten, gingen sie heute, wenn überhaupt, nach Berlin. Doch Larsson trägt auch das mit Fassung. „Ich habe immer einfach mein Ding gemacht, habe gekauft, was ich gut finde, wobei ich Freude habe, und, was ich gut vermitteln kann.“
„20 Jahre Galerie Ulf Larsson“, Schaafenstraße 10, 50676 Köln, bis 25. Februar 2026, Mittwoch bis Freitag 14–18 Uhr, Samstag 12–16 Uhr, sowie nach Vereinbarung.

