Die Staatskapelle Halle unter Dirigent Fabrice Bollon überzeugte mit Werken von Grieg und Mussorgsky in der Kölner Philharmonie.
Kölner PhilharmonieRenner des Repertoires von Grieg und Mussorgsky

Aaron Pilsan bei einem Konzert im Jahr 2022.
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Entstehungsgeschichtlich liegen gerade mal sieben Jahre zwischen den im jüngsten philharmonischen Kontrapunkt-Konzert aufgeführten Werken: 1869 erblickte Griegs Klavierkonzert das Licht der Welt, 1874 folgte Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“, 1876 Griegs „Peer Gynt“-Musik. Der Vergleich mag etwas hinken, denn die „Bilder“ erschienen jetzt in Ravels unsterblicher Orchesterfassung, und die eröffnet klanglich eine Dimension, die über das Klavier-Original zukunftsträchtig hinausreicht. Trotzdem war das Programm insofern aufschlussreich, als es zeigte, welch radikal verschiedene Wege die nationalen „Romantiken“ des 19. Jahrhunderts einschlugen.
Während etwa Grieg an der traditionellen Dur/Moll-Harmonik festhielt, ging Mussorgsky, insofern er modale Schreibweisen revitalisierte, ganz neue kompositorische Wege. Die Interpretation durch die Staatskapelle Halle unter ihrem französischen Chefdirigenten Fabrice Bollon machte das eindrucksvoll deutlich – was etwas heißen will, denn die gespielten Kompositionen gehören zu den allemal Vergleiche animierenden Rennern des Repertoires.
Zumindest bei Mussorgsky/Ravel mochte sich da auch die Klangästhetik von Bollons Heimatland zur Geltung bringen. Als Mann der changierenden Farben und Stimmungen ließ er jedenfalls den sehr unterschiedlichen Charakter der musikalischen Bildbeschreibungen zwischen „Gnomus“ und „Großem Tor von Kiew“ nachdrücklich herausstellen. Da erklang der „Marktplatz von Limoges“ mit quirliger Leichtigkeit, während die Blechbläser in den folgenden „Katakomben“ einen wahrhaft gruftigen Sound hinstellten. Und immer wieder ließ Bollon, mit weiten Bewegungen dirigierend, nahezu schmerzhaft bohrend die omnipräsenten Ton-, Motiv- und rhythmischen Ostinati der Partitur herausstellen.
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Französische clarté hatte bereits weithin in der ersten Peer Gynt-Suite geherrscht – mit der ikonischen „Morgenstimmung“ am Beginn. Im Tutti-Forte wurde die Performance der Gäste gelegentlich etwas fett und schwerfällig, aber in den leisen Stellen mit ihren kontrastiv aufgefächerten Instrumentalstimmen erstanden immer wieder Klangbilder, die durch ihre Dichte und Durchsichtigkeit gleichermaßen erfreuten.
Star des Abends war der (als Bach-Spieler zu frühem Ruhm gelangte) österreichische Pianist Aaron Pilsan, der Griegs Klavierkonzert nicht als schwer-gepanzertes Schlachtross ins Getümmel schickte, sondern es, technisch makellos, mit schlankem, konzisem, elegantem, ganz auf Schönheit angelegtem Anschlag ausführte. Da waltete ein starker Sinn für die lyrische Introversion der Musik, zugleich aber auch eine Agilität, die sogar den Begleitern noch Beine zu machen vermochte. In dieser Deutung steckte, wenn man so will, noch eine gute Portion Chopin – weshalb es vielleicht kein Zufall war, dass als Zugabe noch eine inspirierte Darstellung von dessen Etüde opus 25/1 folgte.

