Warum wurde der Krieg begonnen? Wann und wie soll er enden? Und wer soll Iran danach regieren? Die Aussagen dazu sind widersprüchlich. Ein Gastbeitrag.
Keine Rede an die NationBei Trumps Krieg bleiben zentrale Fragen offen

US-Präsident Donald Trump hat sich bislang nicht umfänglich dazu geäußert, wie er sich die weitere Kriegführung in den kommenden Wochen vorstellt und welche Ziele er verfolgt.
Copyright: Kay Nietfeld/dpa
Winston Churchill wird das Wort zugeschrieben, man könne sich immer darauf verlassen, dass die Amerikaner das Richtige tun – nachdem sie alles andere ausprobiert haben. Über Wochen hat Donald Trump halbherzige Verhandlungen mit dem Iran über dessen Atomprogramm geführt, um dann am vergangenen Wochenende die Geduld zu verlieren und Bombenangriffe zu befehlen. Was er sonst noch alles ausprobieren will, steht in den Sternen. Sonderlich konkrete Kriegsplanungen scheint es in Washington nicht gegeben zu haben.
Selbst über die Rückführung von im Nahen Osten und in den Golfstaaten gestrandeten Amerikanern – unter ihnen viele Touristen – hatte man sich offenbar keine Gedanken gemacht. Das State Department empfahl den Betroffenen noch vor kurzem, mit Linienflügen zurück in die USA zu reisen, obwohl der Luftraum über vielen Ländern der Region geschlossen ist und es nur wenige Flüge gibt.
Bislang hat Trump auch keine Rede an die Nation gehalten, um darzulegen, wie er sich die weitere Kriegführung in den kommenden Wochen vorstellt und welche Ziele er verfolgt. Eine solche Rede wäre jedoch dringend nötig. Nur etwa 27 Prozent der Amerikaner unterstützen den Krieg. Fast 60 Prozent lehnen ihn ab. Selbst innerhalb seiner eigenen „Maga“-Bewegung und unter republikanischen Kongressabgeordneten gibt es Skepsis. Die Regierung hat den Geheimdienstausschuss des Kongresses erst spät über den Krieg informiert, obwohl gemäß US-Verfassung überhaupt nur der Kongress das Recht hat, einen Kriegszustand zu erklären.
Alles zum Thema Royals
- Keine Rede an die Nation Bei Trumps Krieg bleiben zentrale Fragen offen
- Angelina Jolie und Co. Diese Stars haben blaues Blut
- Mette-Marits Sohn vor Gericht Prozess in Norwegen: Høiby wegen neuer Vorwürfe angeklagt
- Britische Monarchie Royals stehen nach Skandal um Ex-Prinz und Epstein vor dem Neustart
- Königsfamilie erleichtert Kronprinz über Norwegens König: „Es geht ihm besser“
- Neue Serie „Young Sherlock“ So tickte der Meisterdetektiv in jungen Jahren
- Wie bitte? Diese Stars traten beim deutschen ESC-Vorentscheid an!
Zentrale Fragen bedürfen einer Antwort: Warum wurde der Krieg begonnen? Wie soll er weitergeführt werden? Wann und wie soll er enden? Und wer soll Iran danach regieren?
1. Warum haben die USA und Israel den Iran bombardiert?
Die Aussagen der Trump-Regierung sind widersprüchlich. Anfangs betonte der Präsident, es gehe ihm vor allem um den Sturz des Regimes in Teheran. Als klar wurde, dass dies vermutlich nur mit Bodentruppen möglich wäre, ruderte er zurück. Stattdessen wurden dann die Zerstörung des iranischen Nuklearprogramms, die Eliminierung ballistischer Langstreckenraketen und die Beendigung der iranischen Unterstützung für Gruppen wie die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen als Hauptziele genannt.
Berichten amerikanischer Medien zufolge sollen insbesondere der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu und der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman Trump wochenlang zu einem Angriff auf den Iran gedrängt haben. Das Regime in Teheran sei aufgrund jahrelanger Sanktionen wirtschaftlich geschwächt und nach brutal unterdrückten Protesten innenpolitisch angeschlagen. Israel betrachtet Iran nicht zu Unrecht seit langem als existenziellen Gegner, und der Machtkampf zwischen Teheran und Riad um die Vorherrschaft im Nahen Osten ist seit Jahren offensichtlich.
Ähnliche Überzeugungsarbeit hatte Netanjahu bereits während der Biden-Regierung versucht, doch Trumps Vorgänger (und zugleich Nachfolger – nach Trumps erster Präsidentschaft) war zu clever, um sich darauf einzulassen. Trump hingegen ließ sich offenbar überzeugen – nach dem Motto „viel Feind, viel Ehr“. Die erfolgreichen amerikanisch-israelischen Angriffe auf iranische Nuklearanlagen im vergangenen Jahr sowie die schwierige, aber aus Trumps Sicht unerhört erfolgreiche Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro haben ihn davon überzeugt, dass die USA unschlagbar stark sind. Gerüchten zufolge sollen auch zwei iranische Attentatsversuche gegen Trump im Jahr 2024 seine Haltung beeinflusst haben.
Der unmittelbare Auslöser für den Krieg war eine Geheimdienstinformation, wonach sich am Samstag, 28. Februar, ein großer Teil der iranischen Führung in der Nähe des Büros des Obersten Führers, Ajatollah Ali Chamenei, zu einer Sitzung versammeln werde. Da gleichzeitig noch Nuklearverhandlungen mit den USA liefen, fühlten sich die Teilnehmer dieses Treffens offenbar sicher genug, die Sitzung nicht in einem Bunker abzuhalten. Mehrere gezielte israelische Bombenangriffe töteten dann kurz vor zehn Uhr morgens zahlreiche führende Politiker, unter ihnen Chamenei.
Die Frage der völkerrechtlichen Legalität dieser Angriffe wird in den USA bisher nur am Rande diskutiert. Die Behauptung der Trump-Regierung, Iran habe kurz davor gestanden, eine US-Militärbasis im Persischen Golf anzugreifen, dient offenbar als Rechtfertigung eines Präventivschlags – auch wenn Beweise dafür bislang fehlen.
2. Wie wird sich der Krieg weiterentwickeln?
Die USA und Israel werden ihre Luftangriffe fortsetzen. Die USA werden sich dabvei vor allem auf die Zerstörung militärischer Infrastruktur, insbesondere nuklearer Anlagen, konzentrieren, während Israel gezielt politische und militärische Führungspersonen sowie Mitglieder der Revolutionsgarden attackieren wird. Parallel führt Israel auch weiterhin Krieg gegen die Hisbollah im Libanon.
Die amerikanische und israelische Luftwaffe haben inzwischen die Lufthoheit über Iran erlangt und die iranische Marine weitgehend zerstört. Dennoch lehnen sowohl Washington als auch Jerusalem den Einsatz von Bodentruppen bislang ab, da dies innenpolitisch äußerst umstritten wäre – vor allem in den USA. Neue amerikanische Opfer könnten die ohnehin große Kriegsskepsis weiter verstärken. Gleichzeitig deutete Außenminister Marco Rubio an, dass die USA ihre schwersten Bombardements bisher noch gar nicht begonnen hätten. Diese könnten bald erfolgen, um das Regime endgültig zu stürzen. Damit rückt das Ziel eines „Regime Change“ wieder in den Vordergrund.
Der Iran wird seinerseits mit zunehmender Eskalation reagieren. Teheran wird verstärkt die ölreichen Golfstaaten angreifen und weiter versuchen, die strategisch wichtige Straße von Hormus für die Schifffahrt zu blockieren. Damit soll die Weltwirtschaft unter Druck gesetzt werden, um die USA zu einem Ende der Luftangriffe zu zwingen. Die überlebende iranische Führung unter Sicherheitsminister Ali Ardashir Larijani setzt offenbar darauf, dass die USA und Israel den Krieg aus innenpolitischen Gründen oder aus Munitionsmangel nur wenige Wochen lang fortführen können.
3. Wie soll der Krieg enden – und was kommt danach?
Hier scheint die Trump-Regierung bislang nur sehr vage Vorstellungen zu haben. Offensichtlich hofft man in Washington, dass die massiven Bombardierungen eine Revolution im Iran auslösen und dass das Regime zusammenbricht. In diesem Fall müssten die zahlreichen, allerdings untereinander zerstrittenen Oppositionsgruppen versuchen, eine neue Regierung zu bilden. Eine andere Möglichkeit wäre es, den in Washington lebenden Sohn des letzten Schahs, Kronprinz Reza Pahlavi, in den Iran zu bringen, damit dieser eine Übergangsregierung bildet. Doch Pahlavi ist eine kontroverse Figur, der im Iran weniger beliebt ist, als seine Anhänger glauben machen.
Zu befürchten ist daher, dass Iran nach dem Krieg ein ähnliches Schicksal erleidet wie der Irak nach 2003: langjährige Instabilität, Guerillakrieg, schwache Regierungen, große Fluchtbewegungen in Richtung Europa und das Erstarken extremistischer Gruppen. Ebenso denkbar ist jedoch ein zynisch-pragmatisches Szenario: Die USA arrangieren sich wie in Venezuela mit den verbleibenden Teilen des bestehenden Regimes, um das Chaos eines Machtvakuums zu vermeiden. Damit würde der Krieg ohne grundlegende politische Veränderung in Teheran enden.
Trumps Krieg wäre dann zwar militärisch spektakulär gewesen – politisch aber kaum mehr als ein weiterer Versuch in der langen Reihe amerikanischer Einmischungen im Nahen Osten.
Zum Autor: Klaus Larres ist Professor für Geschichte und internationale Beziehungen an der University of North Carolina/Chapel Hill. In seiner Kolumne schreibt der gebürtige Schleidener über die USA als Wahlheimat und liebstes Forschungsgebiet.

