In London trafen am Montag erste Flugpassagiere ein, die in Abu Dhabi gestrandet waren. Die Erleichterung war groß.
„Absolut beängstigend“Erste Urlauber sind zurück aus Abu Dhabi und berichten von Explosionen und Angst

Eine Maschine von Emirates hebt am Montag (2. März) in Dubai ab (Symbolbild). Nur vereinzelt starten Flüge in den Golfstaaten.
Copyright: afp
Seit Beginn der Angriffe Israels und der USA auf den Iran am Samstagmorgen herrscht Ausnahmesituation in der gesamten Region. Da auch die Golfstaaten als US-Partner in den Fokus des Mullah-Regimes geraten sind, schlagen dort Raketen ein und greifen Drohnen Ziele an. Der Flugverkehr wurde ausgesetzt, und zahlreiche Touristen und Transit-Passagiere sind in Abu Dhabi, Dubai oder Doha gestrandet – sei es in den Hotels, auf Kreuzfahrtschiffen oder an Flughäfen.
Deutsche Reiseanbieter wie die Tui kündigten an, sobald wie möglich mit der Rückholung der betroffenen Kundinnen und Kunden zu beginnen. Auch das Kölner Unternehmen Dertour arbeitet mit Hochdruck an Lösungen für die Gäste. Das Auswärtige Amt kündigte am Montag an, Charterflugzeuge nach Saudi-Arabien und in den Oman zu schicken, um von dort in Nahost gestrandete deutsche Reisende auszufliegen. Vulnerable Personen wie Kranke oder Kinder sollen im Vordergrund stehen, eine Lösung für alle ist dies nicht.
Einzelne Maschinen aus Abu Dhabi gestartet
Vereinzelt sind Flüge trotz der allgemeinen Sicherheitsbeschränkungen auch schon aus den Vereinigten Arabischen Emiraten möglich gewesen. So landete in Großbritannien am Montag mindestens eine Maschine aus Abu Dhabi. Britische Medien sprachen mit Passagieren, die von beängstigenden Szenen berichteten. Bereits vor Ort waren Urlauber – auch aus Deutschland – in Doha oder Dubai Zeugen von Detonationen und kleineren Bränden in der weiteren Umgebung ihrer Hotels oder Schiffe geworden.
Alles zum Thema Nahostkonflikt
- Motorsport Krieg im Nahen Osten: Langstrecken-WM in Katar verschoben
- Formel 1 Mercedes-Teammitlieder haben Bahrain sicher verlassen
- USA-Reise Treffen im Weißen Haus: Merz redet drei Minuten, Trump 30
- Sorgen um Sohn in Dubai Ziel Dubai - aber Verona Pooths Mann hängt in Istanbul fest
- 30.000 Deutsche sitzen fest Wie der Krieg im Nahen Osten die Reisebranche trifft
- Chameneis Tod macht Moskau nervös „Sollte es dazu kommen, wird Hiroshima wie ein Kinderspiel wirken“
- Iran-Krieg Kölner Handelsexpertin: „Verbraucher sollten einen kühlen Kopf bewahren“
Die Briten, von denen sich Schätzungen zufolge 300.000 in der Region aufhalten sollen, schilderten nun auch ihre Ängste am Flughafen und beim Start ihrer Maschine. Die Airline Etihad hatte den Flug EY67 von Abu Dhabi nach London Heathrow durchführen können. Planmäßig wäre die Maschine gegen 18 Uhr gelandet, der Boeing 787-9 Dreamliner traf dann mit einer kleinen Verspätung in der britischen Hauptstadt ein.
Anspannung und dann große Erleichterung bei Fluggästen
Die Urlauberinnen und Urlauber zeigten sich erleichtert, wieder in der Heimat zu sein. Wie der „Guardian“ berichtet, seien sie „die ganze Zeit angespannt“ gewesen. „Es war surreal“, schildert ein Passagier. Erst kurz vor dem Start habe es noch einen Luftschlag gegeben, daher seien sich alle unsicher gewesen, ob die Maschine abheben konnte. Zwei Mütter von 19-Jährigen, die auf dem Rückweg von einem Thailand-Urlaub einen Zwischenstopp in Abu Dhabi machten, sagten, die ganze Situation sei „erschreckend“ gewesen.
Der „Telegraph“ sprach ebenfalls mit Passagieren des Flugs EY67. Rund 15 Flüge von Etihad Airways hätten Abu Dhabi am Montag innerhalb eines dreistündigen Zeitfensters verlassen können, heißt es. Offenbar wurden die Flüge genutzt, um vor allem Transit-Passagiere abfertigen zu können. Diese saßen teilweise den Berichten zufolge seit Samstag am Flughafen fest, da alle Hotels belegt waren.
Als EY67 in Heathrow landete, habe es lauten Applaus in der Kabine gegeben. Während des gesamten Flugs sei die Atmosphäre angespannt gewesen, berichtet ein 50-Jähriger.
„Alle schienen sich sehr bewusst zu sein, dass wir gerade erst Raketen am Himmel gesehen hatten. Ich meine, ich hatte nur Stunden zuvor brennende Trümmer von Raketen fallen sehen“, sagte Wayne Ripiner dem „Telegraph“ und fügte hinzu: „Und jetzt stiegen wir in ein Flugzeug und flogen dorthin.“ Als das Mittelmeer unter ihnen erkennbar gewesen sei, habe sich die Stimmung etwas gelockert.
Tränen fließen bei Rückkehrern aus Abu Dhabi
Zu Beginn des Boardings hätten die Sirenen im Flughafen Abu Dhabi aufgeheult und alle erhielten eine Alarm-SMS auf ihre Handys. Dort hieß es, wegen möglicher Raketenangriffe solle man sich von den Fenstern fernhalten, berichtet der „Independent“ unter Bezug auf Passagiere.
Andere Fluggäste brachen bei ihrer Ankunft in Tränen der Erleichterung aus und berichteten, sie seien teilweise in Hotels nur 30 Minuten von einem US-Stützpunkt entfernt untergebracht gewesen. Von Explosionen und Sirenenalarm an den Tagen zuvor erzählten alle Rückkehrer. „Es war wirklich hart. Das Ganze war absolut beängstigend“, sagt eine 26-Jährige, die auch nur zum Zwischenstopp in den Emiraten war.

