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Gestrandet in GolfstaatenDas sagen der Kölner Veranstalter Dertour und Kreuzfahrt-Anbieter zur Lage

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Menschen entspannen sich am Strand, während vor der Küste Dubais am 2. März Frachtschiffe vor Anker liegen. Der Krieg mit dem Iran hat Auswirkungen auf den Tourismus.

Menschen entspannen sich am Strand, während vor der Küste Dubais am 2. März Frachtschiffe vor Anker liegen. Der Krieg mit dem Iran hat Auswirkungen auf den Tourismus.

Viele Urlauberinnen und Urlauber auch von Dertour sind in der Golfregion gestrandet. Betroffen sind ebenfalls Kreuzfahrtschiffe.

Der Angriff Israels und der USA auf den Iran sowie die Reaktion des Mullah-Staates haben Auswirkungen auf die Touristikbranche weltweit. Zehntausende Reisende, die allein mit deutschen Veranstaltern unterwegs sind, sitzen derzeit in der Region fest, denn Flüge wurden gestrichen und Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab. Hinzu kommen zahlreiche Menschen, die Reisen in oder über die Golfstaaten geplant haben und jetzt umbuchen oder ihre Routen ändern müssen.

Betroffen sind auch die Kundinnen und Kunden eines der größten Reiseveranstalters in Deutschland, des Kölner Unternehmens Dertour. Von der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes sind acht Ziele des aktuellen Programms betroffen. Daher werden nach Angaben von Dertour alle Reisen in die Vereinigten Arabische Emirate, nach Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, in den Oman, nach Jordanien, nach Israel sowie nach Kuwait abgesagt. Betroffen sind alle Reisen bis einschließlich Donnerstag,  5. März 2026, wie es in einer Mitteilung vom Montag, 2. März, heißt. 

Dertour: Reisende bekommen Geld zurück

Betroffene Gäste können kostenfrei auf ein späteres Reisedatum umbuchen oder erhalten alternativ den vollständigen Reisepreis zurück, so Dertour. Man bedauere die Unannehmlichkeiten und biete die sofortige Unterstützung durch speziell ausgebildete Krisenteams an.

Da zu Dertour mehrere Tochterunternehmen gehören, sind auch Kundinnen und Kunden der Veranstalter ITS, Meiers Weltreisen oder Clevertours von den Ausfällen betroffen. Für sie alle steht eine Hotline zur Verfügung, die rund um die Uhr erreichbar sein soll. Unter +49-6995884076 wird an entsprechende Mitarbeitende verwiesen.

Viele Reisende sind gestrandet

Kundinnen und Kunden von Dertour und den Tochterunternehmen, die bereits unterwegs waren und jetzt wegen der Sperrung der Lufträume  in der Golfregion gestrandet sind, werden nach Unternehmensangaben vor Ort betreut. „Die Reiseleitungen werden die Hotelunterbringung entsprechend verlängern oder alternative Zimmer in anderen Hotels zur Verfügung stellen. Über neue Rückreisemöglichkeiten informieren wir schnellstmöglich“, heißt es in der Mitteilung. Bei Transfer-Fahrten soll es eine Begleitung geben.

Aktuell befinde sich eine niedrige vierstellige Gästezahl in den von der Reisewarnung betroffenen Nahost-Gebieten. Sobald Rückreisen wieder möglich sind, werde man die Betroffenen schnell informieren. Für Gäste in Dubai und Abu Dhabi gebe es zudem ein spezielles Team, das Kundinnen und Kunden über eine Sonder-Hotline sehr engmaschig persönlich betreue, so das Unternehmen.

Dertour kann keine Angaben dazu machen, wie viele Gäste aus Köln oder dem Rheinland in den Golfstaaten festsitzen. Auch Zahlen zu Flugreisenden über die Airports Köln/Bonn oder Düsseldorf waren nicht zu erfahren.

Brisant an der Situation: Das Auswärtige Amt hatte noch am Sonntag deutlich gemacht, dass es keine Evakuierungen seitens der Regierung geben werde. „Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen“, hatte Außenminister Johann Wadephul gesagt. Allerdings werde man konsularisch unterstützend tätig sein, so der Außenminister. 

Auch Transit-Reisende betroffen

Auch Reisende in andere Regionen sind von den Sperrungen des Luftraums betroffen, denn die Flughäfen der Golfregion bilden wichtige internationale Drehkreuze. Für Transit-Reisende, die aufgrund von Flugstreichungen nicht wie geplant abreisen können, suchen die Teams von Dertour den Angaben zufolge derzeit nach alternativen Verbindungen. Ansonsten seien kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen möglich.

Die gilt auch für Kundinnen und Kunden mit Umstiegen in den Nahost-Drehkreuzen, deren Rückflug nach Deutschland gestrichen wurde.

Die Dertour Group gehört vollständig zur Kölner Rewe Group, hat aber in Frankfurt einen zweiten Hauptsitz. Dertour hat mit mehr als 450 Büros das größte stationäre Reisebüronetz in Deutschland. Im Angebot sind Pauschalreisen, Individualreisen, Rundreisen und Last-Minute-Reisen.

Kreuzfahrtschiffe liegen in den Häfen – Passagiere hören Explosionen

Auch Kreuzfahrt-Passagiere sind von der Krise in der Region betroffen. Mehrere Schiffe mit vielen Deutschen an Bord liegen in den Häfen fest, so die „Mein Schiff 4“ und die „Mein Schiff 5“ von TUI Cruises. Aktuelle Abfahrten in die Region wurden abgesagt. Diese Kundinnen und Kunden können kostenlos umbuchen oder stornieren. Für die Gestrandeten ist die Lage aber unschön.

„Unsere Gäste befinden sich weiterhin an Bord der ‚Mein Schiff 4‘ und der ‚Mein Schiff 5‘. Sie werden umfassend betreut und versorgt. Der Bordbetrieb läuft regulär im Rahmen der gegebenen Umstände“, teilt TUI Cruises dazu mit.

Passagiere der „Mein Schiff 5“, die in Doha, Katar, liegt, berichten laut Touristikportal „Travel Talk“, dass sie immer wieder Explosionen und Raketengeräusche hören. Reisende an Bord von „Mein Schiff 4“, das in Abu Dhabi festsitzt, wurden offenbar ins Schiffsinnere gerufen, da Außendecks und Balkone gesperrt sind, wie es in anderen Medienberichten heißt.

Die Organisation der Rückreisen hat laut Website von TUI Cruises derzeit höchste Priorität. Oberstes Ziel sei und bleibe die Sicherheit und das Wohlergehen von Gästen und Crew. An Bord von „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ befinden sich jeweils rund 2.500 Passagiere und mehr als 1000 Besatzungsmitglieder.

Das Schweizer Unternehmen MSC Cruises sagte die für den 1. März geplante Abfahrt der „MSC Euribia“ ab Doha kurzfristig ab. AIDA und Costa dagegen passten die Saison bereits im vergangenen Jahr vorsorglich an.