Abo

Frühere Freundin zeigt in ARD-Doku private Nachrichten von JD Vance„Moralisch verwerflich“

4 min
JD Vance (links) ist der aktuelle Vizepräsident von Donald Trump - und schon bald sein Nachfolger? (Bild: 2024 Getty Images/Stephen Maturen)

JD Vance (links) ist der aktuelle Vizepräsident von Donald Trump - und schon bald sein Nachfolger? (Bild: 2024 Getty Images/Stephen Maturen)

In der ARD-Doku „JD Vance - Der Mann nach Trump“ wird der politische Aufstieg des Vizepräsidenten der USA aufgezeigt. Dabei kommen einige Weggefährten von JD Vance zu Wort und berichten von seiner plötzlichen Kehrtwende in Bezug auf Donald Trump.

„Trump ist ein wirklich schlechter Kandidat und, wie ich finde, auch ein schlechter Mensch.“ Mit diesen Worten bezeichnete James David Vance, besser bekannt als JD Vance, einst den heutigen US-Präsidenten. Inzwischen ist der Republikaner, der vor einigen Jahren noch einer der größten Trump-Kritiker war, die rechte Hand genau dieses Mannes und gehört zu den mächtigsten Menschen der USA. Wie es zu der Kehrtwende kam und wie gefährlich der aktuelle Vizepräsident wirklich ist, will jetzt die ARD-Doku „JD Vance - Der Mann nach Trump“ zeigen.

Bekannt wurde JD Vance durch sein Buch „Hillbilly Elegy“, das 2016 erschien und es an die Spitze der „New York Times“-Bestsellerliste schaffte. In dem autobiografischen Werk schildert er die Probleme der weißen Unterschicht in den USA und erzählt auch von seiner eigenen Kindheit in einer von Armut, Gewalt, Drogen und Alkoholismus geprägten Familie aus den Appalachen.

Anschließend machte JD Vance vor allem als Trump-kritischer Republikaner auf sich aufmerksam. Doch dann änderte sich alles. JD Vance wurde vom Atheisten zum gläubigen Katholiken, vom Juristen zum US-Senator in Ohio, vom Trump-Kritiker zu Trumps Unterstützer - und schließlich zu seinem Vizepräsidenten. Längst gilt der 41-Jährige als Favorit auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2028.

„Ein großer Bösewicht wird nur, wer das Potenzial zum großen Helden hat“

David Frum, ein ehemaliger Berater von Ex-US-Präsident George W. Bush, sagt in der ARD-Doku über JD Vance: „Von 2010 bis 2017 war jedem, dem er begegnet ist, klar, dass er im Leben Amerikas mal eine wichtige Rolle spielen wird. Wir hofften, dass er sie zum Guten nutzt. Aber die Literatur zeigt ja: Ein großer Bösewicht wird nur, wer das Potenzial zum großen Helden hat.“

Sofia, eine frühere Kommilitonin von JD Vance, zeigt in der ARD-Doku „JD Vance - Der Mann nach Trump“ private Textnachrichten. (Bild: ARD)

Sofia, eine frühere Kommilitonin von JD Vance, zeigt in der ARD-Doku „JD Vance - Der Mann nach Trump“ private Textnachrichten. (Bild: ARD)

David Frum hatte Kontakt zu JD Vance, nachdem dieser Ende der 2000er-Jahre aus dem Irakkrieg zurückgekehrt war. Der damals 25-Jährige sprach sich in dieser Zeit für einen gemäßigten Republikanismus aus und nutzte eine von David Frum zum politischen Austausch erstellte Website, um seine Gedanken zu veröffentlichen. „Er hat acht bis zwölf Artikel beigetragen. Alle durchdacht, wohlüberlegt und hervorragend geschrieben. Ich war stolz, sie zu veröffentlichen“, gibt David Frum zu. Damals war der Republikaner von seinen heutigen Ansichten noch weit entfernt.

Ist JD Vance „das Software-Update“ von Donald Trump?

2010 startete JD Vance schließlich ein Jura-Studium an der renommierten Yale-Universität. Die ehemalige Kommilitonin Sofia, die von da an zehn Jahre lang mit ihm befreundet war, berichtet: „Damals war ich offen queer und trans. Meine geschlechtsangleichende Operation war nie ein Thema. Er hat mich unterstützt, war freundlich. (...) Ich hatte nie den Eindruck, dass er gegenüber LGBTQ-Menschen negative Gefühle hegt.“ Sofia erklärt weiter: „Es ist nicht nur LGBTQ. In sehr vielen Bereichen hat er eine Kehrtwende gemacht.“

So wurde JD Vance nach seinem erfolgreich abgeschlossenem Studium zu einem der größten Kritiker von Donald Trump. Sofia erzählt in der ARD-Doku, dass JD Vance ihr gegenüber Trump mal als „potenziellen Hitler Amerikas“ bezeichnet habe. Sie liest einige Textnachrichten vor, die er ihr früher geschrieben habe. In denen nennt JD Vance den US-Präsidenten einen „schlechten Menschen“, „moralisch verwerflich“ und meint auch: „Mich beunruhigt, dass sich muslimische Bürger im eigenen Land nicht willkommen fühlen.“

Es ist eine Haltung, die sich einige Jahre später vollkommen gedreht hat. Mit seiner Kandidatur für die US-Senatswahl in Ohio im November 2022 zog JD Vance seine Trump-Kritik öffentlich zurück und sprach sich deutlich für den US-Präsidenten aus. Trump erwiderte die Unterstützung bei der Wahl JD Vance' zum US-Senator. Mit der zweiten Präsidentschaft Trumps wurde er 2024 zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten. „Wired“-Journalist Jake Lahut sagt: „Normalerweise hat ein Vizepräsident einen begrenzten politischen Raum, aber stattdessen ist JD überall, weil Trump überall ist. Er ist sozusagen die jüngere Version von ihm, das Software-Update.“

Journalist über JD Vance: „Eines Tages wird er Präsident“

Für viel Aufsehen sorgte die Rede von JD Vance auf der 61. Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2025. Darin warf er den Europäern Defizite in Bezug auf Demokratie und Meinungsfreiheit vor und bezeichnete Massenmigration als Europas größtes Problem. Rod Dreher, ein Autor und Freund von JD Vance, erinnert sich in der ARD-Doku: „Während er diese Rede hielt, hat mein Smartphone ständig vibriert. Alle meine konservativen europäischen Freunde, von Bukarest über Paris bis London, schrieben mir: 'Endlich hat es mal jemand gesagt.'“

Journalist Jake Lahut ist sich inzwischen sicher: „Kann JD Vance der 48., 49., oder 50. Präsident werden? Auch wenn er nicht beim ersten Mal gewinnt, eines Tages wird er Präsident.“ Rod Dreher sieht lediglich eine Gefahr im ultra-rechten Rand für JD Vance, da dieser den Vizepräsidenten nicht unterstützt. Er meint: „JD ist beliebt, jung, hat eine wunderbare Familie und könnte - weil er mit seiner Herkunft den amerikanischen Traum verwirklicht hat - eine Symbolfigur werden. Doch wenn sich die Wirtschaft nicht erholt und er die Bedrohung von ganz rechts nicht in den Griff bekommt, hat er keine Chance.“

„JD Vance - Der Mann nach Trump“ wird am Dienstag, 21. April, um 22.50 Uhr im Ersten ausgestrahlt und ist vorab in der ARD-Mediathek verfügbar. (tsch)