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Streit über Meinungsfreiheit„Mal einen reinwürgen“ – Bill Kaulitz legt sich mit der AfD an

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Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz legt sich mit der AfD an. (Archivbild)

Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz legt sich mit der AfD an. (Archivbild)

Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz ist erfolgreich rechtlich gegen den Berliner AfD-Politiker Julian Adrat vorgegangen.

Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz ist erfolgreich rechtlich gegen den Berliner AfD-Politiker Julian Adrat vorgegangen, das berichtet der „Spiegel“. Das Landgericht Hamburg erließ demnach eine einstweilige Verfügung gegen Adrat, nachdem dieser auf der Plattform X einen diffamierenden Post über Kaulitz’ Homosexualität veröffentlicht hatte. Adrat wurde untersagt, die Äußerung weiter zu verbreiten – bei Verstoß droht ein Ordnungsgeld. Der Politiker löschte den Beitrag daraufhin.

Auslöser des Streits war ein Post Adrats Mitte März, in dem er eine Haarpflegewerbung mit Kaulitz als „zivilisatorischen Totalschaden“ und „unmittelbare Folge des sogenannten Feminismus“ bezeichnet hatte. In einem zweiten Beitrag zog er persönlich über die Homosexualität des Popstars her.

Bill Kaulitz gewinnt vor Gericht gegen AfD-Politiker Julian Adrat

Eine von Kaulitz beauftragte Rechtsanwaltskanzlei forderte daraufhin eine Unterlassungserklärung – die Adrat jedoch ablehnte. Das Gericht stellte in seinem Beschluss nun fest, die Äußerung beinhalte eine „massive Abwertung“, die sich an der sexuellen Orientierung des Klägers ausrichte und ihn „gezielt diffamiere“.

Tom Kaulitz (l.) und sein Zwillingsbruder Bill Kaulitz bei der 77. Bambi-Verleihung in den Bavaria Filmstudios auf dem roten Teppich. (Archivbild)

Tom Kaulitz (l.) und sein Zwillingsbruder Bill Kaulitz bei der 77. Bambi-Verleihung in den Bavaria Filmstudios auf dem roten Teppich. (Archivbild)

Adrat ist unterdessen kein Unbekannter in Sachen schwulenfeindlicher Kommentare: Bereits 2024 wurde er wegen der Forderung nach „Ausrottung von Transgenderismus“ zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt. Für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September kandidiert er auf Listenplatz 15 der AfD – mit realistischen Chancen auf einen Einzug ins Parlament.

Bill Kaulitz teilt aus: „Das ist so ein AfD‑Vollidiot“

Die Auseinandersetzung wurde auch in rechten Medien aufgegriffen. Blogger Alexander Wallasch und das rechtspopulistische Portal „Tichy’s Einblick“ berichteten zunächst darüber und warfen Kaulitz Zensur vor. Mittlerweile sind die entsprechenden Artikel sowie die zugehörigen Social-Media-Einträge gelöscht – offenkundig als Reaktion auf die Hamburger Gerichtsentscheidung.

Kaulitz selbst kommentierte den Vorfall betont gelassen in seinem Podcast „Kaulitz Hills“. Er mahne so etwas eigentlich nicht ab, erklärte der Sänger – doch bei Adrat habe er eine Ausnahme gemacht. „Das ist so ein AfD‑Vollidiot“, der ausgerechnet als Politiker so freche Sachen schreibe, „dem kann man mal einen reinwürgen“, erklärte der Popstar und warnte in Richtung der AfD: „Wenn ihr so was postet, dann bekommt ihr öfters Post von mir.“

Die Kaulitz-Brüder Bill und Tom, die mit Tokio Hotel bekannt wurden und heute in Los Angeles leben, hatten sich bereits im Bundestagswahlkampf klar gegen die AfD positioniert und ihre Fans zur Stimmabgabe aufgerufen. „Man muss natürlich ganz unbedingt gegen diesen Rechtsruck wählen“, hieß es damals von Bill Kaulitz. (das)