Während das Pentagon erklärt, der Krieg fange erst an, erklärt Trump ihn für fast beendet. Andere Aussagen sorgen derweil für noch mehr Wirbel.
Bizarre Worte und Iran-LügeTrump redet von „laufenden Toten ohne Beine“ – und hilft Putin
US-Präsident Donald Trump ist für mitunter skurrile Auftritte bekannt – und wurde diesem Ruf auch am Montag wieder gerecht. Am zehnten Tag des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran sorgte Trump mit seinen Äußerungen einerseits für sinkende Ölpreise und andererseits für Irritationen. Der Krieg sei „so gut wie beendet“, behauptete der US-Präsident.
Trump begründete diese Einschätzung mit der militärischen Schwächung des Iran. Der Krieg sei „weit vor dem Zeitplan“, führte der Republikaner aus. „Es wird ziemlich schnell vorbei sein.“ Es handele sich lediglich um einen „kurzen Ausflug“, hieß es weiter von Trump.
Iran-Krieg: Widersprüchliche Aussagen von Trump und Pentagon
„Wenn man sich das ansieht, haben sie nichts mehr übrig“, betonte der US-Präsident mit Blick auf Irans Streitkräfte. „Militärisch gesehen haben sie nichts mehr übrig.“ Unmittelbar nach Bekanntwerden der Äußerungen gaben die zuvor massiv gestiegenen Ölpreise nach, die US-Börse schloss im Plus.
Die Äußerungen der US-Regierung bleiben jedoch widersprüchlich. Während Trump den Krieg schon fast für beendet erklärte, verkündete das US-Verteidigungsministerium auf der Plattform X am Montag: „Wir haben gerade erst begonnen zu kämpfen.“
Trump hatte die Kriegsdauer vor seinem Auftritt am Montag anfänglich auf „vier bis fünf Wochen“ geschätzt, aber wiederholt betont, der Militärkonflikt könne auch „weitaus länger“ dauern. Die Ölmärkte reagierten indes erleichtert auf Trumps jüngste Worte.
Ölmärkte reagieren erleichtert auf Aussage von Donald Trump
Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent gab im elektronischen Handel um 5,2 Prozent auf 87,87 Dollar nach. Die US-Sorte WTI verlor 7,47 Prozent an Wert und notierte zwischenzeitlich bei 84,11 Dollar. An der New Yorker Wall Street schlossen die wichtigen Indizes im Plus.
Der Ölpreis war zuvor am Sonntag erstmals seit fast vier Jahren auf mehr als 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Trump ist dadurch innenpolitisch unter Druck geraten, denn er hatte den Wählerinnen und Wählern immer wieder sinkende Spritpreise versprochen.
Kritik an Donald Trump reißt nicht ab
Die Kritik am US-Präsidenten reißt unterdessen nicht ab: „Der Benzinpreis ist landesweit um 50 Cent gestiegen, seit Trump seinen Krieg gegen den Iran begonnen hat – der schnellste Preisanstieg an den Zapfsäulen seit Jahren“, schrieb etwa Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom bei X. „Trump kann nicht einmal erklären, warum er Amerika überhaupt in diese Katastrophe hineinzieht“, fügte der Demokrat hinzu, der als zukünftiger Präsidentschaftskandidat gehandelt wird.
Deutliche Worte fand mit Senator Mark Kelly auch ein anderer prominenter Trump-Widersacher. „Trump brauchte nur zehn Tage, um eine Energiekrise wie in den 1970er-Jahren herbeizuführen, Ayatollah Khamenei durch einen anderen Ayatollah Khamenei zu ersetzen und unsere weltweiten Bündnisse zu schwächen“, schrieb Kelly spöttisch bei X. Nichts davon habe die „Sicherheit oder den Lebensstandard“ von Amerikanern verbessert, fügte Kelly hinzu.
Donald Trumps Äußerungen sorgen für Irritationen
Trump sorgte unterdessen nicht nur für sinkende Ölpreise, sondern mit einigen Ausführungen auch für Irritationen. Insbesondere seine Antwort auf die Frage einer möglichen amerikanischen Verantwortung für einen tödlichen Angriff auf eine Schule im Iran sorgte für Stirnrunzeln – und kritische Nachfragen eines Reporters.
Zuvor hatte es Berichte gegeben, dass möglicherweise ein amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper die Schule getroffen haben könnte. Trump wollte davon jedoch nichts wissen – und unterstellte stattdessen dem Iran, sich Tomahawk-Marschflugkörper beschafft zu haben.
Angriff auf Schule: US-Präsident erzählt Tomahawk-Lüge über Iran
„Ich kann bestätigen, dass Tomahawks auch von anderen Ländern verkauft und eingesetzt werden. Auch der Iran besitzt einige Tomahawks und wünscht sich vielleicht mehr davon“, behauptete Trump wahrheitswidrig. Tatsächlich besitzen nur die US-Armee sowie die Streitkräfte von Großbritannien und Australien die US-Marschflugkörper. Die Niederlande haben die Waffe unterdessen bestellt, die Lieferung steht allerdings noch aus. Die Vorwürfe hinsichtlich der Schule im Iran würden jedoch „untersucht“, kündigte Trump an.
Ebenfalls viele Reaktionen provozierte der US-Präsident mit weiteren, mitunter bizarren Ausführungen. „All die Menschen, die durch die Bombenanschläge am Straßenrand ums Leben kamen, sind gestorben und laufen jetzt ohne Beine und Arme herum“, erklärte der US-Präsident etwa an einer Stelle.
Donald Trump: Schiffe versenken macht US-Armee „mehr Spaß“
An einer anderen Stelle prahlte der Republikaner dann schließlich damit, dass es der US-Armee „mehr Spaß“ mache, iranische Schiffe zu versenken, statt sie zu kapern. „Man sagt, es sei sicherer, sie zu versenken. Ich schätze, da ist wohl was dran“, sagte der US-Präsident mit Blick auf ein Gespräch, das er mit einem hochrangigen US-Militär zu diesem Thema geführt habe.
Trump erklärte außerdem, dass er erstmals im Jahr 2026 mit Kremlchef Wladimir Putin telefoniert habe. Trotz Berichten darüber, dass Russland den Iran mit Geheimdienstdaten bei Angriffen auf die US-Armee unterstützt, scheint das Gespräch der beiden Staatschefs harmonisch verlaufen zu sein.
Donald Trump telefoniert mit Wladimir Putin – und hilft wohl Moskau
Das Telefonat habe eine Stunde gedauert und sei sachlich, offen und konstruktiv gewesen, teilte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow in einem vom Kreml veröffentlichten Kommentar mit. Trump habe angerufen, hieß es aus Moskau.
Der US-Präsident sagte derweil wenig später über das Telefonat, Putin wolle im Krieg mit dem Iran hilfreich sein. „Ich sagte, du könntest noch hilfreicher sein, wenn du die Ukraine in Ordnung bringst.“ Zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Putin herrsche enormer Hass, sagte Trump. Es sei aber ein „sehr gutes Gespräch“ mit Putin gewesen.

Die Kombo aus Archivbildern zeigt Russlands Präsidenten Wladimir Putin (l.) und den US-Präsidenten Donald Trump, jeweils am Telefon.
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Das Vorgehen des US-Präsidenten dürfte für Freude in Moskau gesorgt haben. „Wir haben Sanktionen gegen einige Länder. Wir werden diese Sanktionen aufheben, bis sich die Lage beruhigt hat“, erklärte Trump am Montag schließlich. „Dann, wer weiß, vielleicht müssen wir sie gar nicht mehr anziehen – es wird so viel Frieden herrschen“, fügte der US-Präsident hinzu, nannte jedoch keine konkreten Länder, die von den geplanten Erleichterungen profitieren würden.
Bericht: Trump will Sanktionen gegen Russland lockern
Derzeit hat Washington jedoch lediglich Sanktionen gegen die Ölsektoren Russlands, Irans und Venezuelas verhängt. Dass Moskau von der angekündigten Aufhebung entsprechender Strafmaßnahmen profitieren würde, gilt demnach als wahrscheinlich.
Bereits vor den jüngsten Aussagen Trumps hatte zudem die US-Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, dass Trump erwäge, die Sanktionen gegen Russland zu lockern. So wolle der US-Präsident eine Senkung der durch den Krieg gegen den Iran gestiegenen Ölpreise erreichen, hieß es weiter.
Scharfe Kritik an Donald Trump: „Zutiefst respektlos“
Nach Trumps Auftritten wurde unterdessen schnell scharfe Kritik am US-Präsidenten laut – insbesondere mit Blick auf seine Worte über den Krieg, bei dem bereits sieben US-Soldaten getötet wurden.
„Man kann sich das nicht ansehen und dabei nicht das Gefühl haben, dass diese Art der Charakterisierung zutiefst respektlos ist“, sagte etwa der demokratische Senator Tim Kaine gegenüber dem US-Sender CNN mit Blick auf Trumps Aussage, dass es sich bei dem Krieg im Nahen Osten bloß um einen „kleinen Ausflug“ handeln würde. (mit dpa)

