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Trump kassiert Kritik und HämeHegseth attackiert Europa – und nutzt Sohn, um Iran-Krieg zu rechtfertigen

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US-Präsident Donald Trump (l.) und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Kabinettssitzung. (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump (l.) und US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Kabinettssitzung. (Archivbild)

US-Minister Hegseth attackiert die „undankbaren Verbündeten“ – Donald Trumps jüngster Truth-Social-Ausbruch sorgt derweil für Wirbel.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat eine Pressekonferenz im Pentagon am Donnerstag dafür genutzt, um Kritik an den amerikanischen Verbündeten zu äußern, explizit auch an den europäischen NATO-Staaten. „Die Welt, der Nahe Osten, unsere undankbaren Verbündeten in Europa, ja sogar Teile unserer eigenen Presse sollten Präsident Trump eines sagen: Danke“, sagte Hegseth.

„Danke für den Mut, diesen Terrorstaat daran zu hindern, die Welt mit Raketen in Geiselhaft zu nehmen, während er eine Atombombe baut oder zu bauen versucht. Danke, dass Sie die Arbeit der freien Welt leisten“, hieß es weiter von Hegseth, der von der Trump-Regierung in „Kriegsminister“ umbenannt wurde. 

Donald Trump bekommt keine Hilfe aus Europa – Merz äußert sich

Die Äußerungen geschehen vor dem Hintergrund der europäischen Ablehnung einer Beteiligung am amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor Hilfe bei der Sicherung der wichtigen Straße von Hormus gefordert – und hatte dafür aus der EU überwiegend Ablehnung geerntet. Nachdem Trump das Verhalten der Europäer und explizit auch von Deutschland bereits als „schockierend“ bezeichnet hatte, legte Hegseth nun nach.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat unterdessen am Donnerstag Deutschlands Bereitschaft bekräftigt, nach dem Iran-Krieg zur Sicherheit in der Region beizutragen. Deutschland könne „viel tun, bis hin auch zu der Öffnung der Seewege und sie frei zu halten“, sagte Merz vor dem EU-Gipfel in Brüssel. Er wünsche sich von dem Treffen, dass „ein klares Signal von uns ausgeht, dass wir bereit sind zu helfen“, fügte er hinzu.

Merz betonte zudem, Deutschland könne „nur dann“ helfen, „wenn die Kampfhandlungen beendet sind“. Für einen solchen Einsatz sei zudem ein internationales Mandat nötig, „das wir gegenwärtig nicht haben“, so der Bundeskanzler. Deswegen stünden „noch viele Schritte vor uns, bevor wir überhaupt über ein solches Thema nachdenken können“.

US-Minister Pete Hegseth: Kein Kriegsende in Sicht

Ein Kriegsende ist derzeit nicht in Sicht, wie Hegseth in Washington betonte. Es gebe keinen Zeitplan für ein Ende des Iran-Krieges, erklärte der US-Minister. Er würde „keinen endgültigen Zeitrahmen festlegen“, sagte Hegseth im Pentagon. Letztlich sei es Präsident Trump, der über das Ende des Einsatzes entscheide.

Bereits vor zehn Tagen hatte Trump den Krieg „so gut wie beendet“ genannt und als „kurzen Ausflug“ bezeichnet. Seitdem setzen die USA und Israel ihre Luftangriffe jedoch unverändert fort. Hegseth fügte hinzu, die USA lägen bei ihren Kriegszielen „sehr gut im Plan“. Israel und die USA hatten am 28. Februar mit massiven Luftangriffen auf den Iran begonnen. Der Iran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen.

US-Kriegsminister sorgt mit Erzählung über seinen Sohn für Aufsehen

Hegseth sorgte unterdessen am Donnerstag auch mit einer Erzählung über seinen Sohn für Aufsehen. Der „Kriegsminister“ habe seinen Sohn benutzt, um für den Krieg zu argumentieren, hieß es in manchen US-Medien kurz darauf.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. (Archivbild)

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. (Archivbild)

„Mein 13-jähriger Sohn kam gestern Abend in mein Büro, während ich diese Rede redigierte“, hatte Hegseth zuvor gesagt. „Er fragte nach dem Krieg und den Familien, die ich in Dover getroffen hatte, und ich sah ihn an und sagte: ‚Sie starben für dich, mein Sohn, damit deine Generation nicht mit einem atomar bewaffneten Iran zu tun haben muss.‘“

In Dover hatte Hegseth die Hinterbliebenen von US-Soldaten getroffen, die in der letzten Woche bei dem Absturz eines Tankflugzeugs im Irak getötet worden waren. Während der US-Verteidigungsminister mit der erneuten Attacke auf Europa von sich reden machte, muss sich US-Präsident Trump immer mehr Kritik und Häme gefallen lassen. 

„Wir stecken im Krieg und Donald Trump postet Videospiel-Clips“

„Wir stecken mitten im Krieg. 13 amerikanische Soldaten gefallen. 140 verwundet. Und Donald Trump postet Videospiel-Clips, als wäre es Unterhaltung“, kritisierte etwa Gavin Newsom, demokratischer Gouverneur von Kalifornien, den Kurs des US-Präsidenten.

Im Zentrum der Kritik stehen die weiterhin unklaren Kriegsziele Trumps – die US-Regierung hat diese bisher in den Augen ihrer Kritiker nicht nachvollziehbar erläutert. „Wenn der Präsident nicht fest entschlossen war, die Ayatollahs zu stürzen, hätte er niemals eine so ambitionierte Militäroperation einleiten dürfen“, kritisierte etwa John Bolton. „Angriffe auf militärische Ziele allein werden das Regime nicht stürzen.“

Unklare Kriegsziele: Kritik und Häme für Donald Trump

In einem weiteren Beitrag auf der Plattform X erklärte Bolton, der während Trumps erster Präsidentschaft als nationaler Sicherheitsberater tätig war. „Wir haben in der ersten Amtszeit über einen Regimewechsel gesprochen. Trump hat sich nicht dazu verleiten lassen, militärisch gegen den Iran vorzugehen“, schrieb Bolton nun. „Er hat es getan, weil er glaubte, dass es ihm nützen würde.“

Für Häme sorgte unterdessen ein schrilles Statement des US-Präsidenten auf Truth Social, in dem Trump einen israelischen Angriff auf das weltweit größte Gasfeld South Pars im Iran thematisierte – und behauptete, er sei darüber nicht informiert gewesen. Mehrere US-Medien berichteten unterdessen, dass Trump vorab von der Attacke Kenntnis gehabt habe.

Iran-Krieg: „Trump verliert die Kontrolle“

Nun drohte Trump dem Iran im Fall eines erneuten Angriffs auf den Gaskomplex Ras Laffan in Katar mit einer Zerstörung des iranischen Gasfelds South Pars. Sollte der Iran die „unkluge“ Entscheidung treffen, den katarischen Gaskomplex erneut anzugreifen, werde die US-Armee „das gesamte South-Pars-Gasfeld in die Luft sprengen, in einem Ausmaß an Stärke und Macht, das der Iran noch nie zuvor gesehen oder erlebt hat“, erklärte Trump in seinem Onlinedienst.

Das katarische Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, das Industriegebiet Ras Laffan sei von Marschflugkörpern aus dem Iran angegriffen worden. Die harsche Drohung des US-Präsidenten sorgte am Donnerstag schließlich für Spott. „Trump verliert die Kontrolle über diesen Krieg“, kommentierte etwa der britische TV-Moderator Piers Morgan – und erntete dafür Zehntausende Likes bei X. 

Kölner Professor sieht „keine Strategie“ bei Donald Trump

Spöttische Töne kamen auch aus Köln: „Nachdem Trump gestern China Kontrolle über die Straße von Hormus anbot, verwirrt er sich heute auf einem anderen Gebiet“, kommentierte Thomas Jäger, Professor für internationale Politik an der Universität Köln, den Ausbruch des US-Präsidenten.

In einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte Jäger bereits am Mittwoch scharfe Kritik an Trump geäußert. „Bei Trump sehe ich keine Strategie, weil er gar nichts durchdenkt. Er ist in diesen Fragen auch völlig uninformiert“, erklärte der Politikwissenschaftler. (mit dpa/afp)