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„Bitte schickt ihn auf Wahlkampftour“JD Vance erntet Häme nach Orbáns Pleite – und wird zu Meme-Material

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US-Vizepräsident JD Vance. (Archivbild)

US-Vizepräsident JD Vance. (Archivbild)

Kurz vor der Wahl reiste Trumps Vize nach Ungarn, um Orbán zu helfen. Nun muss JD Vance sich Spott auch aus Deutschland gefallen lassen.

US-Vizepräsident JD Vance bedauert seine Wahlkampfhilfe für den ungarischen Wahlverlierer Viktor Orbán nicht. Er sei „traurig“, dass Orbán verloren habe, sagte Vance im Gespräch mit dem US-Sender Fox News am Montag (Ortszeit). Zugleich betonte er: „Wir werden auch mit dem nächsten ungarischen Ministerpräsidenten gut zusammenarbeiten.“

JD Vance: Wahlkampfhilfe für Viktor Orbán ohne Erfolg

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Vize Vance noch kurz vor der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag nach Budapest geschickt, um noch einmal die Werbetrommel für den Rechtspopulisten Orbán zu rühren. Mit deutlichem Vorsprung gewann allerdings die bürgerliche Tisza-Partei von Péter Magyar.

Die USA hätten Orbán nicht unterstützt, weil man geglaubt habe, dass er gewinnen würde, sondern weil „es das Richtige war, hinter einer Person zu stehen, die für so lange Zeit hinter uns gestanden hat“, sagte Vance. Orbán habe sich als einer der wenigen europäischen Regierungschefs gegen die Bürokratie aus Brüssel gestellt, welche „sehr schlecht für die USA“ sei, so Vance weiter. 

Orbáns Niederlage: Freude in Deutschland – und Häme für Vance

In Deutschland herrschte unterdessen parteiübergreifende Freude über Orbáns Abwahl – und mitunter auch Belustigung über Vance’ gescheiterte Wahlkampfhilfe. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dem Sieg von Oppositionsführer Magyar am Montag internationale Bedeutung beimaß, teilten vorrangig die Grünen gegen den US-Vize aus.

„Hey, JD Vance, möchtest du nicht für ein bisschen Wahlkampf nach Deutschland kommen?“, schrieb etwa die ehemalige Parteichefin Ricarda Lang auf Englisch an Trumps Nummer zwei gerichtet auf der Plattform X und dürfte damit auf Vance’ offene Unterstützung der AfD in der Vergangenheit angespielt haben. 

„Da haben Trump, Putin und Xi zusammen eine Wahl verloren“

Auch der Grünen-Politiker Anton Hofreiter teilte gegen die US-Regierung aus. „Da haben Trump, Putin, Xi, die vereinigten Rechtspopulisten Europas von AfD über Le Pen bis zur FPÖ zusammen eine Wahl verloren“, sagte Hofreiter in einem Interview mit der „taz“. Orbáns Niederlage sei „großartig“ und habe ihn „sehr erleichtert“, hieß es weiter.

„Diesen Sieg kann man nicht hoch genug einschätzen. Orbán hat den russischen Auslandsgeheimdienst GRU eingeladen, Desinformationskampagnen zu fahren, und das hat nicht verfangen. Und die Unterstützung von Trump und Vance auch nicht“, betonte der Grünen-Politiker. „Das ist auch eine ganz schwere Niederlage für die russische und amerikanische Propagandamaschinerie.“

JD Vance kassiert Häme auch in der Heimat

Spott muss sich Vance unterdessen auch in der Heimat gefallen lassen. „Ihr Verbündeter Orbán hat seine Niederlage eingestanden. Werden Sie, JD Vance, 2028 ebenso handeln, falls Sie verlieren sollten?“, schrieb etwa der demokratische Abgeordnete Ro Khanna auf der Plattform X an Vance gerichtet.

„Pass auf, Donald Trump. Möchtegern-Diktatoren verspielen ihre Gunst“, hieß es derweil von Parteikollege Chuck Schumer, der auch gegen Vance austeilte: „Republikaner – bitte schickt diesen Mann auf Wahlkampftour.“

Auch der demokratische Minderheitsführer im US-Repräsentantenhaus nutzte das ungarische Wahlergebnis für hämische Attacken auf die US-Regierung. „Der rechtsextreme Autoritäre Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Im November sind die Trump-Schmeichler und MAGA-Extremisten im Kongress an der Reihe“, erklärte Hakeem Jeffries.

JD Vance: Trumps Vize wird unfreiwillig zu Meme-Material

Abseits der politischen Arena wird der US-Vize derweil in den sozialen Netzwerken unfreiwillig zu Meme-Material. „Das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen scheint ein wiederkehrendes Problem der aktuellen US-Regierung zu sein“, spottete etwa der britische Moderator Rod Whiting. 

Auch vorherige „Schnitzer“ von JD Vance werden in einigen Beiträgen thematisiert. Der vorherige Papst sei kurz nach seinem Besuch verstorben, die Verhandlungen mit Iran seien nach seinem Besuch zu Bruch gegangen, seine Einmischung in Ungarn sei nach hinten losgegangen. Aber immerhin könne Vance unfallfrei einer Siegerehrung beiwohnen, behauptete etwa ein Nutzer – und bewies prompt mit einem Video das Gegenteil. Auch Vergleiche mit der Bürosatire „The Office“ kursierten in den sozialen Netzwerken. 

Der tschechische EU-Abgeordnete Tomáš Zdechovský meldete sich ebenfalls zu Wort – und dankte Vance für sein Engagement in Ungarn mit einem Herz-Emoji, einer Europa-Flagge und einer simplen Grafik. Dort zu sehen ist der Zeitpunkt, ab wann sich die Stimmverhältnisse zwischen Orbán und Magyar drastisch trennten. 

Nicht geäußert zu Orbáns Niederlage hat sich bisher unterdessen US-Präsident Donald Trump. Eine entsprechende Frage eines Reporters ignorierte der Republikaner am Sonntagabend. Orbán selbst gestand derweil noch am Wahlabend seine Niederlage ein. (mit dpa)