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Katholische Bischöfe
Neuer DBK-Chef Wilmer hat in Zeiten massiver Einschnitte wichtige Rolle

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Bischof Heiner Wilmer, neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in der Pressekonferenz nach seiner Wahl

Bischof Heiner Wilmer, neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in der Pressekonferenz nach seiner Wahl. 

Im Erzbistum Köln könnte der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Wilmer die Entfremdung zwischen Kirchenbasis und Leitung erleben.

Eine gut geübte Praxis in der katholischen Kirche ist die umgekehrt proportionale Kommunikation: Je vollmundiger etwa die Beteuerung von Einheit im Glauben, in der Lehre oder in der Moral – desto brüchiger die Basis in der Wirklichkeit. Schon deshalb sind Zweifel angebracht, wenn der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, für die Lagebeschreibung der Kirche in Deutschland strahlende Dur-Töne wählt.

Wilmer ist ein kluger Mann. Er weiß, dass alle Kennzahlen kirchlichen Lebens einen – teils galoppierenden – Abwärtstrend dokumentieren. Aber er weiß auch, dass der Abgesang nicht das Genre ist, mit dem man den eigenen Amtsantritt intoniert. Käme Wilmer im Erzbistum Köln herum, könnte er ein Lied singen von Lähmung und Entfremdung im Verhältnis zwischen Kirchenbasis und Leitungsebene, die ein gut geschmierter Apparat und die besagte umgekehrt proportionale Kommunikation nur mehr notdürftig kaschieren.

Den Gemeinden, kirchlichen Verbänden und Vereinen, Bildungsträgern und Sozialeinrichtungen – nicht nur in Köln – stehen angesichts sinkender Mittel massive Einschnitte bevor. Das Drehen am Geldhahn bestimmt dann über Fortbestand, Untergang oder Neuanfang.

Was kann und will (sich) die Kirche in Zukunft noch leisten?

Für die sprichwörtlich steinreiche Kirche in Deutschland wird das eine ganz neue Erfahrung sein, auch wenn die ostdeutschen Bistümer schon mitten in dieser Entwicklung stecken.

Jenseits allen erbitterten Streits über Kirchenbilder und -reformen, über Frauenweihe, Priesterzölibat oder Sexualmoral wird sich das von Papst Franziskus mit dem Containerbegriff „Synodalität“ belegte Paradigma gemeinsamen Beratens und Entscheidens daran zu bewähren haben, was die Gemeinden, die Bistümer und die Kirche auf nationaler Ebene (sich) noch leisten können – und wollen. Obwohl ohne formale Macht und wirksame Befugnisse, kommt Wilmer als neuem DBK-Vorsitzenden hier eine wichtige Rolle zu.

Kardinal Woelki spricht oft vom „Willen Gottes“

Das alles hat nur aufs erste Hören nichts mit dem Glauben zu tun – oder mit dem „Willen Gottes“, den Kardinal Woelki so selbstverständlich bemüht, als bekäme er ihn jeden Morgen zusammen mit dem Frühstücksei per himmlischer Depesche übermittelt. Glaubensweitergabe und Glaubensvermittlung entscheiden sich wesentlich daran, wie die Gemeinschaft der Glaubenden in der Welt in Erscheinung tritt, wo sie präsent ist, was sie wichtig nimmt, wofür sie sich engagiert.

Und hier ist es gut, zu hören, dass Bischof Wilmer den „Weg der Demokratie“ gehen will und ihn seiner Kirche zur Einübung empfiehlt. „Das Evangelium in der Hand, die Menschen im Blick“ – als Programmwort ohne umgekehrt proportionale Rhetorik könnte das für die Kirche in Wilmers Ägide wegweisend sein.