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Weggefährten des ersten KanzlersNeues Buch über  „Adenauerianer“ in Steinfeld vorgestellt

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Ein Mann steht rechts mit einem Mikro, daneben sitzen drei Männer an einem Tisch.

Ihr Buch stellten (v.r.) Konrad Adenauer, Hugo Bergham und Christoph Hardt vor. Moderiert wurde die Veranstaltung von Micha Kreitz (l.).

Der Geburtstag von Konrad Adenauer jährt sich zum 150. Mal. Vier Autoren beleuchten in einem Buch Zeitgenossen des ersten deutschen Kanzlers.

Er war von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, und in diesem Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal: Konrad Adenauer. Grund genug für seinen Enkel Konrad Adenauer, den Anwalt Hugo Bergham, den Historiker Christoph Hardt und den Unternehmer und Autor Henner Löffler, den ehemaligen Kölner Bürgermeister und bekannte oder vergessene Zeitgenossen in ihrem Buch „Adenauerianer – Gestalter, Macher, Zauberer – wem wir die Republik verdanken“ zu beleuchten.

Mit Adenauer, Bergham und Hardt waren am Donnerstag drei der vier Protagonisten ins Kloster Steinfeld gekommen, um ihr Werk im Rahmen der Lit.Eifel vorzustellen und die ein oder andere Anekdote zu erzählen.

Zu sehen sind einige Bücherexemplare.

Das Cover zeigt Konrad Adenauer, wie er aus einem Zug aussteigt.

„Konrad Adenauer hat nicht nur seine Zeit geprägt, sondern er ist der Gründervater der Bundesrepublik. Er hat im Rheinland, in Köln, in Deutschland und in Europa große Spuren hinterlassen“, erklärte Micha Kreitz, Lit.Eifel-Beirats- und Vorstandsmitglied, der die Veranstaltung moderierte. Aber Adenauer habe natürlich auch Mitstreiter und Gegner gehabt.

Improvisierter Bahnsteig besteht noch aus einem Holzgerüst

Bergham erläuterte, warum man sich für das Titelbild entschieden habe, das Adenauer zeigt, wie er aus einem Zug aussteigt. Im Hintergrund ist ein schwarzer Mercedes zu sehen. „Der Zug ist für mich ein Symbol für die junge Bundesrepublik, die so langsam wieder ins Rollen kommt.“ Der improvisierte Bahnsteig bestehe aber noch aus einem Holzgerüst. „Hinten lauert aber schon die Verheißung des Wohlstands in Form seines Dienstwagens.“ Mit dem etwas sperrigen Titel „Adenauerianer“ wolle man ein bisschen Aufmerksamkeit erregen und die Leute dazu bringen, sich das Buch einmal anzuschauen.

Ziel sei es, an Persönlichkeiten aus der Zeit und dem Umfeld Adenauers zu erinnern: die Schauspielerin Elisabeth Flickenschildt, Sängerin Caterina Valente, Dirigent Herbert von Karajan, Josef Kardinal Frings, den Journalist Werner Höfer, Unternehmer wie Josef Neckermann, den Architekten Hans Schwippert und viele mehr. Auch Zeitungen wie der Spiegel oder der Kicker werden nicht vergessen, ebenso das Wunderpferd Halla oder das Wunder von Bern.

Hardt erzählte dann eine Anekdote von Felix von Eckardt, „dem Pressesprecher der ersten Stunde der Adenauer-Ära“. Adenauer habe sich des Themas Medien sehr intensiv bedient. Eckardt habe den Kanzler auf einen Staatsbesuch nach Persien begleitet. Der Schah habe die Besucher unter anderem auch in die Schatzkammer geführt, was die Gäste schwer beeindruckt habe.

Kerzenleuchter aus Nymphenburger Porzellan und eine Musikbox

Beim Abendessen habe es dann Geschenke wie Schmuck und Teppiche gegeben. Die deutsche Delegation habe aber nur einen Kerzenleuchter aus Nymphenburger Porzellan und eine Musikbox dabei gehabt. Adenauer sei entsetzt gewesen und habe Eckard gesagt, er solle sich etwas einfallen lassen. Am nächsten Morgen habe Adenauer dann dem Schah gesagt, dass die großen Geschenke – zwei Hannoveraner Pferde – noch kommen würden, weil sie nicht ins Flugzeug gepasst hätten. Doch als die Pferde gekommen seien, habe es ein weiteres Problem gegeben: „Das männliche Pferd war ein Wallach, der Schah ritt aber nur Hengste.“

Konrad Adenauer beschrieb seinen Großvater als Familienmensch, den man nicht einfach anrufen oder besuchen konnte. Man habe sich nicht so oft gesehen, aber regelmäßig geschrieben. Familienfeste wie Taufen oder Geburtstage habe sein Großvater aber immer sehr ernst genommen. „Wenn wir krank waren, hat er uns auch schon einmal Bücher geschickt.“ Er habe zwar viel mit seinen Kindern gesprochen, sei dabei aber immer stets vorsichtig gewesen, weil er nicht wollte, dass Dinge nach außen getragen wurden und er sie in der Presse lesen musste.

Sein Großvater habe immer nur Maßanzüge und beste Schuhe getragen: „Er wollte stets einen guten Eindruck machen.“ Aber auch Distanz sei ihm wichtig gewesen: „Als er 1917 zum Oberbürgermeister von Köln gewählt worden war, hat er seinen Kollegen von der Stadtverwaltung gesagt, dass er mit ‚Herr Oberbürgermeister‘ angeredet werden will.“ Auch in der Partei habe er niemanden geduzt.

Als Kanzler sei Adenauer sehr wichtig gewesen, dass Deutschland auf gleicher Höhe mit den anderen Ländern stand. Er sei auch nicht zufällig Kanzler geworden, sondern habe alles dafür getan. „Er hat sich gesagt: Nur ich kann das machen.“


„Adenauerianer – Gestalter, Macher, Zauberer – wem wir die Republik verdanken“ von Konrad Adenauer, Hugo Bergham, Christoph Hardt, Henner Löffler, ISBN 978-3-910732-46-9