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14-Jähriger getötetReul nach Gewalttat in Dormagen für Debatte über Strafmündigkeit – Ott widerspricht

3 min

Ein zwölfjähriger, deutscher Schüler soll die Tat in Dormagen begangen haben. Die Hilfe an der betroffenen Schule wird nun verstärkt.

Nach der Aufklärung des tödlichen Verbrechens am 14-jährigen Yosef in Dormagen und der Abschiedsfeier für den Jugendlichen soll das Psychologen-Team an der betroffenen Schule verstärkt werden. Der Schulgemeinschaft werde Betreuung und Beratung angeboten, teilte das NRW-Schulministerium auf Anfrage mit. NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) stehe mit der Schulleitung im Austausch.

„Die betroffene Schule wird von einem Team von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen aus dem Regierungsbezirk und der Bezirksregierung Düsseldorf so lange wie nötig begleitet und unterstützt“, sagte Feller. Ein Sprecher der Stadt sagte, am Montag solle an der Schule planmäßig kein Unterricht stattfinden.

Gewaltverbrechen in Dormagen: Mordkommission ermittelt

Am Freitag hatten an einer Trauerfeier für den Jungen rund 800 Menschen teilgenommen. Die anschließende Beerdigung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Zahlreiche Einwohner nahmen an der Trauerfeier teil. Nach dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Yosef in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf ist ein Kind tatverdächtig. (Archivbild)

Zahlreiche Einwohner nahmen an der Trauerfeier teil. Nach dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Yosef in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf ist ein Kind tatverdächtig. (Archivbild)

Kurz zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, dass das Verbrechen aufgeklärt werden konnte und ein zwölfjähriger, deutscher Schüler die Tat begangen haben soll. Der strafunmündige Junge befinde sich in der Obhut des Jugendamtes, das weitere Maßnahmen ergriffen habe, hatte eine Sprecherin der Polizei gesagt.

14-jähriger Yosef an Stich- und Schnittverletzungen gestorben

Die Leiche des 14-Jährigen aus Eritrea war Ende Januar an einem See in Dormagen von einem Spaziergänger gefunden worden. Die Obduktion hatte ergeben, dass der Junge an Stich- und Schnittverletzungen starb. Am vergangenen Wochenende hatten nach Polizeiangaben bereits rund 2.000 Menschen an einem Trauerzug für den getöteten Jugendlichen teilgenommen.

Vor dem Hintergrund der Gewalttat hat sich NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) derweil für eine Debatte über eine frühere Strafmündigkeit ausgesprochen. „Der Vorgang ist schon fürchterlich, dass so ein junger Mensch umgebracht wird, aber dann auch noch möglicherweise von einem Gleichaltrigen – das macht einen fassungslos und wirft viele Fragen auf“, sagte Reul dem WDR. 

Herbert Reul für Debatte über Strafmündigkeit – Jochen Ott dagegen

„In dem Fall muss jetzt sorgfältig ermittelt werden“, betonte der Minister. Der tatverdächtige 12-Jährige sei jetzt erst einmal „aus dem Verkehr“ gezogen, so Reul. „Man muss die Fakten zusammentragen, und dann bin ich auch selbst gespannt, wie man damit umgeht und das löst. Und ob die vorhandenen Möglichkeiten, die wir haben, reichen, um eine Antwort zu geben, die alle zufriedenstellt“, fügte der CDU-Politiker hinzu. 

Der designierte SPD-Spitzenkandidat für die NRW-Landtagswahl, der Kölner Politiker Jochen Ott, sprach sich derweil gegen eine Strafmündigkeit von Kindern aus.

Jochen Ott: „Wir brauchen ein vernünftiges Konzept“

„Ich halte nichts davon, Kinder mit zwölf Jahren ins Gefängnis zu stecken“, sagte Ott der „Kölnischen Rundschau“. Der SPD-Landtagsfraktionschef fügte hinzu: „Aber wir brauchen ein vernünftiges Konzept für frühzeitige, sinnvolle Sanktionen bei schweren Regelverstößen.“ Ott verwies auf die Schweiz, wo frühzeitig auch mit Jugendarrest interveniert werde.

Jochen Ott, Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl 2027, spricht bei einer Kundgebung vor dem Landtag. (Archivbild)

Jochen Ott, Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl 2027, spricht bei einer Kundgebung vor dem Landtag. (Archivbild)

Die Tat rufe zu Recht Entsetzen hervor, so Ott. „Wenn Kinder Kinder töten, ist etwas vollkommen aus dem Lot geraten. Auch für die Familie des Jungen, der dieses Tötungsdelikt begangen haben soll, ist die Situation schrecklich.“

Kölner Politiker für Altersgrenzen für soziale Netzwerke

Es drängten sich Fragen auf, auf die die Gesellschaft schon lange Antworten geben müsse, führte der SPD-Politiker aus: „Welche Entwicklungen prägen Kinder heute? Ein ungeschützter Konsum von medialen Inhalten, die jedem Erwachsenen die Sprache verschlagen. Eine massive Zunahme von Mobbing – verstärkt durch digitale Medien, die keinen Rückzugsraum mehr lassen.“ Strengere und tatsächlich durchsetzbare Altersgrenzen für soziale Medien gehörten „wie in Frankreich auf die Tagesordnung“, forderte Ott. 

Laut Strafgesetzbuch ist schuldunfähig, wer bei der Tat noch keine 14 Jahre alt ist. Angesichts mehrerer schwerer Gewaltverbrechen, begangen von Kindern, wird immer wieder darüber diskutiert, das Alter für die Strafmündigkeit abzusenken. (dpa/das)