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„Spitzenjob gemacht“Magerer Protest gegen Atomtransport – Castor erreicht Ziel in Rekordtempo

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Der Castor-Transport ist auf der A 44 unterwegs. 100 Polizeifahrzeuge eskortieren die Verlegung des Brennkugel-Behälters von Jülich nach Ahaus.

Der Castor-Transport ist auf der A 44 unterwegs. 100 Polizeifahrzeuge eskortieren die Verlegung des Brennkugel-Behälters von Jülich nach Ahaus. 

Der „Tag X“ war mit Spannung erwartet worden. Anders als erwartet, blieben massive Proteste gegen den ersten Castor-Transport von Jülich nach Ahaus aus.

NRW-Innenminister Herbert Reul wirkt erleichtert. Schon in der Nacht zu Mittwoch war der CDU-Politiker darüber informiert worden, dass der Einsatz gut verlaufen war. Nur vier Stunden hatte der umstrittene Atommüll-Transport gebraucht, um von Jülich nach Ahaus zu gelangen. Damit war man 30 Minuten schneller als im Idealszenario vorgesehen. Zu den befürchteten Störungen durch militante Aktivisten kam es nicht. „Die Polizistinnen und Polizisten haben einen Spitzenjob gemacht“, sagte Reul dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Das umfassende Einsatzkonzept habe voll gegriffen.

Um 22 Uhr war der Transport am Dienstagabend im Forschungszentrum Jülich gestartet, dort lagern jetzt noch 151 Castoren, in denen Brennelemente aufbewahrt werden, mit denen dort bis 1988 der AVR-Versuchsreaktor betrieben worden war. Weil die Genehmigung für das Lager in Jülich bereits 2013 abgelaufen war, hatte sich die Bundesregierung dazu entschieden, das hochbrisante Material ins Zwischenlager Ahaus zu bringen. „Bei der Belastung, die auf unseren Leuten liegt, hätte ich persönlich auf diesen Einsatz gut verzichten können“, erklärte Reul. Aber man sei ja nicht bei „Wünsch-dir-was“.

Tausende Polizisten im Einsatz

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat Anfang März den Eilantrag des „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) gegen die Transportgenehmigung abgewiesen. Damit war klar, dass die Castoren auf die Reise gehen würden. Das Polizeipräsidium in Münster übernahm die Einsatzplanung.

Dabei hatte man sich auf einen erheblichen Widerstand aus der linken Szene eingestellt. Der Castor wurde von 2400 Polizisten und 100 Begleitfahrzeugen eskortiert. Den Einsatzplanern hatten vor allem die 200 Brücken entlang der Strecke Sorge bereitet. „Für die Polizei ist eine Brücke nämlich nicht nur Beton, sondern ein potenzieller Aktionsort“, sagte Reul – und erinnerte an die Kletteraktionen von Aktivisten im Hambacher Forst. „Das kennen wir. Dafür haben wir speziell ausgebildete Kräfte, die wissen, wie man Leute da oben zügig und sicher wieder runter holt“, so der Innenminister.

Doch dazu kam es nicht. Der Anti-Atom-Protest fiel mager aus. In Jülich hatten sich 27 Demonstranten versammelt, in Ahaus waren es immerhin 350. Entlang der Strecke blieb es völlig ruhig, die Störer blieben zu Hause. „Wir dürfen uns jetzt aber nicht zurücklehnen“, sagte Reul. Es folgten noch zahlreiche weitere Fahrten. „Auch da wird die Sicherheit für die Menschen und für die Polizei oberste Priorität haben. Da bleibt Vorsicht die Mutter der Porzellankiste.“

Die Transporte erfolgen im Auftrag der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN). Insgesamt stehen vier Fahrzeuge bereit, die jeweils einen Castor befördern können. Sollte es auch künftig keine Störungen geben, könnten bis zu drei Castoren gleichzeitig auf die Strecke gehen, hieß es in Sicherheitskreisen. Die erteilte Transportgenehmigung läuft im Sommer 2027 aus – bis dahin muss die Verlagerung also abgeschlossen sein.

Termin für nächsten Transport unklar

In der Landespolitik weisen sich die Parteien gegenseitig die Verantwortung für Transporte zu. Die Grüne Norika Creuzmann erklärte, das Land habe den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich favorisiert und auch Flächen für ein solches Projekt bereitgestellt. Alexander Vogt, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag NRW, sieht das anders:Das Kennzeichen dieser Transporte ist schwarz-grün“, sagte Vogt. Die Landesregierung habe aus Kostengründen bewusst darauf verzichtet, den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich zu forcieren.

Die Kosten für die Verlagerung werden auf 150 Millionen Euro geschätzt, ein Neubau hätte mindestens 600 Millionen Euro gekostet. Wann der nächste Transport startet, ist noch nicht festgelegt. In Sicherheitskreisen hieß es, der nächste Einsatz werde erst in einigen Wochen stattfinden. Ob dann weniger Polizisten zum Einsatz kommen sollen, ist noch unklar.