Es treten nicht mehr ganz so viele Menschen in NRW aus der Kirche aus. Beim Erzbistum herrscht Freude, ein Experte sieht es anders.
Experte sieht „Augenwischerei“Kirchenaustritte in NRW etwas verlangsamt – Freude in Köln

In Nordrhein-Westfalen sind im vergangenen Jahr 83 000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten (Archivbild).
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In Nordrhein-Westfalen sind im vergangenen Jahr 84.440 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mit. 2024 hatten 86.946 Katholiken der Kirche den Rücken gekehrt, also noch etwas mehr. Insgesamt ging die Zahl der Katholiken in NRW von 5,8 auf 5,6 Millionen Menschen zurück. Neben den Austritten waren auch viele Sterbefälle zu verzeichnen, was Eintritte und Taufen bei weitem nicht aufwiegen.
Erzbistum Köln sieht positive Entwicklungen
Dennoch sehen Kirchenvertreter „positive Entwicklungen“. Das Erzbistum Köln verwies darauf, dass die Zahl der Kirchenaustritte gesunken sei. Bei den Erwachsenentaufen gebe es im Erzbistum eine Steigerung von 199 im Jahr 2024 auf 315 im vergangenen Jahr. Auch sei die Zahl der Gottesdienstbesucher von 90.694 auf 94.638 gestiegen. Damit hätten im zurückliegenden Jahr durchschnittlich sechs Prozent der Katholiken im Erzbistum Köln an den Sonntagsgottesdiensten einschließlich der Vorabendmessen teilgenommen.
„Die positiven Zahlen – nach dem ‚Corona-Knick‘ – zu den Gottesdienstbesuchen und der deutliche Anstieg bei den Erwachsenentaufen sind für mich ermutigend“, teilte Generalvikar Guido Assmann mit.
„Die Zahlen sind weiter dramatisch“
Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller bezeichnete solche Aussagen als „Augenwischerei“. „Die Zahlen sind weiter dramatisch“, sagte der Experte der Deutschen Presse-Agentur. „Der Vertrauensverlust schreitet voran.“
Bereits Anfang dieses Jahres hatte das NRW-Justizministerium mitgeteilt, dass in NRW 2025 weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten seien als im Jahr davor. Die Zahl der Austritte aus der katholischen und der evangelischen Kirche in NRW lag demnach 2025 bei 152.783. 2024 waren es 160.469. (dpa)

