Ein Clip mit Ministerpräsident Hendrik Wüst, der eine spontane Begegnung mit einem Straßenfotografen suggeriert, war in Wahrheit inszeniert.
Virales Instagram-VideoWüst‑Shooting entpuppt sich als abgesprochen

Hendrik Wüst steht wegen eines Instagram-Videos in der Kritik.
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Die Staatskanzlei muss sich Fake-Vorwürfen um ein virales Video mit Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) stellen. Im Instagram-Beitrag eines selbsternannten Straßenfotografen, der bis Dienstagabend 113.000 „Gefällt mir“-Angaben hatte, ist Wüst zu sehen, wie er sich auf ein scheinbar spontanes Shooting einlässt. Jetzt kommt raus: Das Treffen war in Wahrheit abgesprochen. Die SPD spricht von einer „inszenierten PR-Choreographie“.
Der Düsseldorfer „Straßenfotograf“ Fabiano (180.000 Follower) lädt immer wieder Videos von vermeintlichen Zufallsbegegnungen hoch. Vergangene Woche erschien das Video mit Wüst. Fabiano filmt dabei aus der Ich-Perspektive, wie er Wüst zwischen Staatskanzlei und Landtag trifft. In den Kommentaren schrieb der Fotograf später mit einem Smiley dazu: „Wenn man erst am Personenschutz vorbei muss.“
Im Video sieht man tatsächlich einen unkenntlich gemachten Mann, der sagt: „Sorry, wir sind gerade auf dem Weg zu einem Termin.“ Der vermeintliche Bodyguard ist nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ein Mitarbeiter der Pressestelle der Staatskanzlei.
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Mehrere Social-Media-Formate geplant
Und auch der Rest des Videos wirkt ganz anders, als es wirklich war. Das Video stellt es so dar, als würde Fabiano Wüst im Weitergehen überzeugen, doch noch spontan bei dem Shooting mitzumachen. Wüst willigt ein. In hunderten Kommentaren loben die Instagram-Nutzer die Spontanität des Ministerpräsidenten. Wüst selbst schrieb bei Instagram: „Lustiges Zusammentreffen. Hat Spaß gemacht.“ Alleine dieser Kommentar bekam fast 30.000 „Gefällt mir“-Klicks.
In Wahrheit war das Zusammentreffen kein Zufall. Aus Regierungskreisen hieß es dazu: „Der Ministerpräsident hat an jenem Tag verschiedene Social-Media-Formate unter anderem an gleicher Stelle wahrgenommen. Dass darunter auch eine Begegnung mit dem genannten Fotografen sein würde, war im Vorfeld den Beteiligten bekannt.“ Die Interaktion zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Fotografen sei indes aus der Situation heraus geschehen.
Keine Bezahlung für Video
Der Straßenfotograf bekam laut Staatskanzlei kein Geld: „Bei dem genannten Video handelt es sich nicht um eine bezahlte Partnerschaft. Die Landesregierung kommt einer Vielzahl von Anfragen nach, die von Journalistinnen und Journalisten sowie über soziale Medien eingehen.“ So kam es eben nach einer Anfrage auch zu dem Zusammentreffen mit Fabiano.
Straßenfotograf Fabiano sagte auf Anfrage: „Der Großteil meiner Inhalte basiert auf echten, spontanen Begegnungen im öffentlichen Raum. Gelegentlich ergeben sich besondere Möglichkeiten, die in einem zu 100 Prozent rein zufälligen Kontext so kaum realisierbar wären – beispielsweise die Gelegenheit, Spitzenpolitiker zu fotografieren. Das weiß meine Community auch, da ich immer wieder darauf hinweise.“
Fabiano betonte: „Das Einzige, was im Vorfeld abgestimmt war, war, dass Herr Wüst, der offenbar mehrere Termine vor Ort hatte, mit seinem Team an dem entsprechenden Ort entlanglaufen würde und ich die Möglichkeit bekäme, ihn fotografisch anzusprechen. Der eigentliche Austausch entstand spontan aus der Situation heraus. Ich habe Herrn Wüst in der Situation ehrlich, spontan und bürgernah erlebt.“
SPD-NRW-Generalsekretär Frederick Cordes sagte dieser Zeitung: „Plötzlich entpuppt sich, dass hinter authentisch wirkenden Treffen mit Straßenfotografen eine inszenierte PR-Choreografie steht.“ Cordes weiter: „Nordrhein-Westfalen braucht keinen Influencer im Amt, sondern einen verlässlichen Regierungschef, der sich nicht nur dann unter die Menschen mischt, wenn die Kamera läuft.“

