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Deutsche liefern kuriose AktionVance bei Olympia-Eröffnung ausgebuht – Trump kontert mit Lüge

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US-Vizepräsident JD Vance zusammen mit seiner Frau Usha bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele. Der Republikaner bekam dort Buhrufe zu hören.

US-Vizepräsident JD Vance zusammen mit seiner Frau Usha bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele. Der Republikaner bekam dort Buhrufe zu hören. 

Die Olympischen Winterspiele sind eröffnet – und direkt wird es politisch. Für Vance gibt es Buhrufe, auch ein Sportler sorgt für Wirbel.

Die Weltpolitik hat auch bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina eine hörbare Rolle gespielt. Beim Einlauf der Athletinnen und Athleten gab es für Israel deutliche Pfiffe und Buhrufe von den Rängen im Mailänder San-Siro-Stadion. Ebenso wurde gebuht, als beim Einzug des US-Teams auf den Videoleinwänden JD Vance zu sehen war. Der amerikanische Vizepräsident verfolgte die Zeremonie auf der Ehrentribüne. Die Sportlerinnen und Sportler aus den USA wurden hingegen kurz zuvor eher gefeiert.

Während Vance selbst zu den Buhrufen gegen ihn bisher schweigt, meldete sich US-Präsident Donald Trump prompt zu Wort und kommentierte den Auftritt seines Vizepräsidenten bei der Eröffnungsfeier.

Donald Trump reagiert auf Buhrufe gegen JD Vance

Angesprochen auf die kritischen Reaktionen verwies Trump vor Journalisten darauf, dass die Leute seinen republikanischen Parteifreund mögen würden. Die Buhrufe seien deshalb „überraschend“, erklärte Trump. Fairerweise müsse man aber sagen, dass Vance zurzeit in einem anderen Land unterwegs sei – „in diesem Land (den USA) wird er nicht ausgebuht“, betonte Trump.

US-Präsident Donald Trump reagiert an Bord der Air Force One auf die Buhrufe gegen Vizepräsident JD Vance.

US-Präsident Donald Trump reagiert an Bord der Air Force One auf die Buhrufe gegen Vizepräsident JD Vance.

Recht hat der US-Präsident damit allerdings nicht. Auch in den USA wurde Vance seit seinem Amtsantritt bei öffentlichen Auftritten mehrmals öffentlich ausgebuht, etwa bei einem Truppenbesuch bei der Nationalgarde in der Hauptstadt Washington im letzten August oder bei einem Konzertbesuch im Kennedy Center im März 2025.

„Trump und Vance haben Amerikas Ruf ruiniert“

Die Buhrufe gegen Vance in Europa blieben auch der politischen Konkurrenz in den USA nicht verborgen. „Donald Trump und JD Vance haben Amerikas Ruf auf der Weltbühne ruiniert“, hieß es etwa vom Presseteam des demokratischen Politikers Gavin Newsom auf der Plattform X.

„Wir werden jetzt von der ganzen Welt ausgebuht und ausgelacht! Eine absolute Schande“, hieß es weiter. Der Gouverneur von Kalifornien gilt als möglicher Kandidat der Demokraten bei den nächsten Wahlen – und attackiert die Trump-Regierung regelmäßig mit scharfen Worten. 

Großer Jubel für kleine Delegation aus der Ukraine

Während Vance bei der Eröffnungsfeier nicht gut wegkam, gab es besonders großen und langen Jubel bei der Athletenparade für die kleine Delegation aus der Ukraine. Der Skeletonpilot Wladislaw Heraskewitsch, der die ukrainische Fahne bei der parallelen Feier in Cortina d’Ampezzo trug, äußerte sich kurz vor Beginn der Zeremonie über die Lage seines Landes angesichts des russischen Angriffskriegs.

„Wir sollten verstehen, dass es eine extrem schwierige Zeit in der Ukraine ist und dass dies noch mehr Ehre und Verantwortung für mich bedeutet“, wurde Heraskewitsch vom offiziellen Informationsdienst der Spiele zitiert. „Sport ist wichtig, aber das Leben von Menschen ist noch wichtiger, also unterstützt weiter die Ukraine.“

Deutsche Sportler sorgen kurz für Verwirrung

Einen kuriosen Moment lieferten unterdessen die deutschen Sportlerinnen und Sportler. Beim Einlauf fiel einer der Athleten plötzlich zu Boden und sorgte so kurzfristig für Aufsehen – schnell wurde jedoch klar, dass es sich nicht um einen Sturz, sondern um eine geplante Aktion gehandelt hat. 

Die Vierer-Bob-Crew um Pilot Adam Ammour und seine Anschieber Alexander Schaller, Joshua Tasche und Issam Ammour hatte sich für die Zeremonie etwas Besonderes einfallen lassen, berichtete „Bild“ später: Einen Angler-Jubel, bei dem pantomimisch eine Angel ausgeworfen und Tasche am Boden liegend wie ein Fisch gezappelt wird.

Mailand: Proteste gegen US-Einwanderungspolizei ICE

US-Vizepräsident Vance war unterdessen bereits am Donnerstag in Mailand angekommen und hatte bei seinem Besuch unter anderem Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni getroffen. Aus Protest gegen die Anwesenheit von Beamten der US-Einwanderungspolizei ICE bei Olympia waren vor der Eröffnungsfeier mehrere Hundert Studenten durch Mailand gezogen.

Auch Athleten positionierten sich zu Beginn der Olympischen Winterspiele gegen die US-Einwanderungsbehörde. Der britische Ski-Freestyler Gus Kenworthy hat etwa auf ebenso kreative wie provokante Weise zum Protest aufgerufen. Der 34-Jährige, der einen Großteil seines Lebens in den USA verbrachte, veröffentlichte auf Instagram ein Foto mit eindeutiger Botschaft: Zu sehen sind die Spitzen zweier Ski im Schnee, dazwischen sind in dunkelgelber Farbe die Worte „fuck ice“ zu lesen.

Ski-Freestyler protestiert auf Instagram gegen ICE

Kenworthy, der in Norditalien in der Halfpipe antreten wird, reicherte seinen Post mit weiterem Inhalt an: All seinen Followern stellte er eine Textvorlage zur Verfügung, mit der US-Bürger sich direkt an Senatorinnen oder Senatoren ihres Bundesstaates wenden können, um gegen die weitere Finanzierung der Behörde zu protestieren.

„Unschuldige Menschen wurden ermordet, und es reicht“, heißt es in der Vorlage, „wir können nicht tatenlos zusehen, während ICE in unseren Gemeinden weiterhin mit unkontrollierter Macht agiert.“ Zu fordern seien „echte Leitplanken und Rechenschaftspflichten“ für die Beamten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) untersagt politische Botschaften während der Spiele zwar, die Form des Protests von Kenworthy ist aber nicht angreifbar: Unerwünscht sind entsprechende Äußerungen während Zeremonien, Wettkämpfen und im Olympischen Dorf – ein Instagram-Post fällt nicht darunter.

„Das IOC reguliert keine persönlichen Social-Media-Beiträge“

„Während der Olympischen Spiele haben alle Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Ansichten gemäß den Richtlinien zu äußern“, teilte das IOC auf Anfrage des britischen „Guardian“ mit: „Das IOC reguliert keine persönlichen Social-Media-Beiträge.“

Die US-Einwanderungspolizei steht unterdessen bereits seit Wochen in der Kritik wegen ihres teils brutalen Vorgehens gegen Migranten in den Vereinigten Staaten, bei dem auch zwei Menschen getötet wurden. (mit dpa/sid)