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EntlassungJustizministerin Bondi war Trump nicht aggressiv genug

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Justizministerin Pam Bondi spricht im Weißen Haus, im Hintergrund hört US-Präsident Donald Trump zu.

Justizministerin Pam Bondi spricht im Weißen Haus, im Hintergrund hört US-Präsident Donald Trump zu.

Trumps Zorn trifft wieder eine Frau, die sich in der Öffentlichkeit als begeisterte Anhängerin inszeniert hatte.

Ihren Spitznamen aus der Zeit als Staatsanwältin in Florida dürfte US-Justizministerin Pam Bondi lange geärgert haben. „Pambi“ nannten manche Kollegen sie dort etwas abfällig, in Anlehnung an das harmlose Disney-Reh. Während ihrer 14 Monate im Kabinett von Donald Trump ist Bondi aber immer wieder ausdrücklich aggressiv aufgetreten. Sie schrie in Anhörungen die demokratischen Abgeordneten an und pöbelte sich durch unzählige TV-Interviews. Genützt hat es ihr nichts: Wenige Stunden vor Beginn des Osterwochenendes hat der US-Präsident das Aus der 60-Jährigen verkündet – wie bei ihm üblich per Online-Beitrag.

„Wir lieben Pam und sie wird auf eine sehr gefragte und wichtige neue Stelle in der Privatwirtschaft wechseln, die zu einem Zeitpunkt in der nahen Zukunft bekanntgegeben wird“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Bondi sei eine „große amerikanische Patriotin und eine loyale Freundin“, beteuerte er. Gründe für den Rausschmiss nannte er genauso wenig wie seinen Wunschkandidaten für ihre Nachfolge – es liegt nahe, dass er Bondis Entlassung am Ende spontan beschlossen hat.

Trump soll lange unzufrieden gewesen sein

Hinter den Kulissen soll sich Trump aber über Monate immer wieder unzufrieden zu Bondi geäußert haben. Er möge sie zwar als Person, aber sei frustriert, dass sie nicht ausreichend „seine Vision ausführt“, zitierte NBC News Quellen aus seinem Umfeld.

Dass es solche Spannungen überhaupt geben kann, hat mit der ungewöhnlichen Struktur des Amts als „Attorney General“ in den USA zu tun. Wer dort an der Spitze des Justizministeriums steht, führt gleichzeitig die Generalbundesanwaltschaft. Dieser oberste Ankläger im Namen des Staates muss notfalls sogar gegen den Präsidenten vorgehen. Bondis Vorgänger haben deshalb penibel darauf geachtet, große Unabhängigkeit von ihren Präsidenten auszustrahlen, um glaubwürdig als Kontrollinstanz der Regierung auftreten zu können.

Kaum zu lösender Spagat im Amt

Trump aber hat immer durchscheinen lassen, dass er den Job eher als persönliche Anwaltskanzlei betrachtet. Er hat häufiger sowohl Verteidigung als auch Anklagen nach seinem Gutdünken verlangt.

Doch Bondi und ihr Ministerium scheiterten damit, einige klar politisch motivierte Prozesse loszutreten, darunter die gegen Trump-Gegner wie die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James oder den früheren FBI-Chef James Comey. Ermittler hatten vorher bereits gewarnt, dass es keine juristisch belastbaren Vorwürfe gegen sie und andere Trump-Ziele gebe. Viele langjährige Beamte des Hauses haben während ihrer 14-monatigen Amtszeit gekündigt.

Auch im Epstein-Skandal trat Bondi in Trumps Augen laut mehreren Hintergrundberichten unglücklich auf. Die langwierige Veröffentlichung von Millionen Dokumenten und die Tatsache, dass immer noch über seine Verbindung zu dem verstorbenen Mädchenhändler spekuliert wird, sollen den Präsidenten nerven. Er will die Affäre am liebsten verschwinden lassen.

Nun wird sich Bondis Nachfolger damit herumschlagen müssen, dass Trump auf Anklagen drängt, ohne dass sie belastbar wären und gleichzeitig einen massiven Skandal vertuschen will. Wen er langfristig in diesem Amt sieht, ist noch unklar.

Nachfolge noch unklar

Am Donnerstag erklärte Trump vorerst Bondis Stellvertreter Todd Blanche zum Interims-Leiter von Ministerium und Bundesanwaltschaft. Der 51-Jährige hatte zuvor unter anderem als Trumps Privatanwalt gearbeitet und ihn im Prozess zu ungerechtfertigten Zahlungen an die Porno-Darstellerin Stormy Daniels verteidigt. Blanche gilt als eher blasser Trump-Loyalist im Hintergrund.

In einer ersten Reaktion online teilte Bondi mit, dass sie Blanche „unermüdlich“ in seine Aufgaben einarbeiten werde. Es sei „die größte Ehre ihres Lebens“ gewesen, für Trump zu arbeiten, schrieb sie weiter.

Neben Blanche werden auch Lee Zeldin Chancen zugerechnet. Der Klimaleugner arbeitet aktuell als Chef der Umweltschutzbehörde EPA und baut immer mehr Aufgaben und Kompetenzen des Hauses ab. Auch der 46-Jährige wäre eine eher unauffällige Nachbesetzung für die fernsehaffine Bondi.

Trump war bisher mit Entlassungen zögerlich

Trump hat mit ihrem Rauswurf erst zum zweiten Mal in seiner zweiten Präsidentschaft einen Schritt vollzogen, den er in seiner ersten Amtszeit viel häufiger gewählt hatte. Die „New York Times“ berichtete, dass er den Rausschmiss von Heimatschutzministerin Kristi Noem als so erfolgreich und lautlos empfunden haben soll, dass er stärker über Bondis Aus nachgedacht haben soll. Nun spekulieren in Washington viele, ob weitere Entlassungen folgen.

Für einen solchen Schritt werden unter anderem immer wieder FBI-Chef Kash Patel oder Kriegsminister Pete Hegseth gehandelt. Auch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy steht öffentlich stark in der Kritik; und Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard beschwerte sich zuletzt laut über Trumps Iran-Krieg. Diese beiden haben aber ihre eigene Anhängerschaft, auf deren Unterstützung Trump angesichts von ohnehin schon schlechten Beliebtheitswerten kaum verzichten kann.