Die Ukraine hat erneut Ölanlagen attackiert – und Großbrände ausgelöst. Die Russen zeigen sich zunehmend wütend über die Angriffe.
„Sie sprengen alles in Stücke“Ukraine attackiert Ölanlagen – der Frust bei den Russen wächst

Eine Aufnahme aus russischen Telegram-Kanälen soll den Großbrand im Hafen von Tuapse zeigen.
Copyright: Screenshot/Telegram/X/Noel Reports
Die Ukraine setzt ihre Schläge gegen russische Energieinfrastruktur fort: Bei einem erneuten Drohnenangriff auf den Schwarzmeerhafen Tuapse in der Region Krasnodar ist mindestens ein Mensch getötet worden. Es gebe auch einen Verletzten, schrieb Gouverneur Weniamin Kondratjew auf der Plattform Telegram. Im Hafen brenne es, Drohnentrümmer hätten Gebäude in der Stadt beschädigt. Auch eine Gasleitung sei beschädigt worden, hieß es aus Russland.
In sozialen Medien berichteten Anwohner von Explosionen, zwei brennenden Tanks der Raffinerie und hohen Flammen im Bereich des Hafens. Auf zunächst nicht überprüfbaren Videos waren Brände und eine massive schwarze Rauchwolke zu sehen. Die Staatsanwaltschaft berichtete von Schäden an der Infrastruktur des Hafens. Die Behörden der Stadt teilten mit, dass die Schulen geschlossen blieben.
Ukraine nimmt Russlands Ölindustrie ins Visier
Der Hafen war bereits vergangene Woche Ziel eines ukrainischen Angriffs. Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine großangelegte russische Invasion. Als Teil ihres Abwehrkampfes greift sie vermehrt Russlands Ölindustrie an, die für Moskaus Finanzierung des Kriegs wichtig ist. Die Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden stehen in keinem Verhältnis zu den verheerenden Kriegsfolgen russischer Angriffe in der Ukraine.
Am Schwarzen Meer ist Tuapse einer der wichtigsten Häfen für den russischen Ölexport. Dort gibt es auch eine Raffinerie, die dem größten russischen Ölkonzern Rosneft gehört. Tuapse liegt etwa 75 Kilometer nordwestlich der Großstadt Sotschi.
Ukraine: Auch Ölverteilerstation in Samara angegriffen
Die Raffinerie ist nach ukrainischen Angaben nun das Ziel des erneuten Angriffs gewesen. Ukrainische Streitkräfte hätten in der Nacht zum 20. April die Ölraffinerie angegriffen, das Tanklager getroffen und einen Brand verursacht, teilte der ukrainische Generalstab mit.
Am Dienstag meldeten die ukrainischen Behörden schließlich einen weiteren Angriff. Eine Ölverteilerstation im russischen Oblast Samara sei mit Drohnen attackiert worden, berichtete der „Kyiv Independent“ unter Bezug auf eine Quelle beim ukrainischen Geheimdienst SBU. Auf dem Gelände der Anlage sei ein Großbrand ausgebrochen, hieß es weiter.
Selenskyj: Angriffe auf Ölinfrastruktur führen zu Milliardenverlust
Nach ukrainischen Angaben wurden bei dem Angriff fünf Rohöltanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils 20 000 Kubikmetern beschädigt. „Die Beschädigung solcher wichtiger Anlagen beeinträchtigt unmittelbar Russlands Fähigkeit, Ölexportlieferungen zusammenzustellen und seinen vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen“, zitierte die ukrainische Zeitung ihre nicht namentlich genannte Quelle.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Sonntag mitgeteilt, Angriffe auf Russlands Ölinfrastruktur hätten zu einem Verlust von mindestens 2,3 Milliarden Dollar an Einnahmen durch Verkäufe geführt. Der „Kyiv Independent“ berichtete, durch Drohnenangriffe und Beschlagnahmung von Tankern der sogenannten russischen Schattenflotte seien im April rund 40 Prozent der russischen Öl-Exportkapazitäten lahmgelegt worden.
Wut in Russland: „Das Meer ist jetzt komplett voll mit diesem Schweröl“
Die ukrainischen Angriffe entfalten jedoch auch in der russischen Bevölkerung ihre Wirkung. Das unabhängige belarussische Medienprojekt Nexta berichtete etwa über entsprechende Wortmeldungen in russischen Telegram-Kanälen und sozialen Netzwerken. In einem Video ist eine zu Tränen aufgelöste Frau zu sehen, die sich über die Lage in Tuapse beklagt.
„Ich liebe es, mit meinem Kind am Meer zu leben“, erklärt die Frau in dem Video zunächst mit Blick auf die Lage der Küstenstadt und fügt dann hinzu: „Das Meer ist jetzt komplett voll mit diesem Schweröl. Alles ist ruiniert. Was zum Teufel sollen wir hier überhaupt machen? Diese verdammten Drohnen fliegen hier herum und sprengen alles in Stücke.“
In den sozialen Netzwerken kursierten am Dienstag zudem Berichte, wonach es in der russischen Stadt derzeit zu „Öl-Regen“ komme. Auf Bildern waren dunkle Flecken auf Fahrzeugen zu sehen, die angeblich von niedergehendem Öl und Ruß stammen sollen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Augenzeugenberichte jedoch nicht. (mit dpa)

