Die Ukraine startet einen massiven Drohnenangriff – und warnt vor Putins Plänen. In Russland sorgt derweil ein Kriegsblogger für Wirbel.
Massiver Großangriff trifft RusslandUkraine warnt vor zwei Szenarien – Putins Armee in „kritischer“ Lage?

Kremlchef Wladimir Putin. (Archivbild)
Copyright: IMAGO / ZUMA Press
Die Ukraine hat Russland nach Moskauer Militärangaben in der Nacht mit einem massiven Drohnenangriff überzogen. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, es seien 151 gegnerische Kampfdrohnen abgewehrt worden.
Die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar, doch den Zahlen nach waren die Gebiete Wolgograd an der Wolga und Rostow im Süden Schwerpunkte der Angriffe. Seit Donnerstagabend verhängte die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija an mehr als 25 Flughäfen Einschränkungen des Betriebs.
Ukraine greift Russland erneut mit Drohnen an
In Swetly Jar im russischen Gebiet Wolgograd wurde ein Öltank durch den Drohnenangriff in Brand gesetzt. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass. In der Nähe liegt auch die Raffinerie von Wolgograd, einer der größten in Russland, die ebenfalls schon mehrfach attackiert wurde.
Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen ihre Angriffe auf die russische Ölindustrie verstärkt und systematisch Exportterminals an Ostsee und Schwarzem Meer beschossen. Wegen höherer Ölpreise durch den Iran-Krieg und gelockerter US-Sanktionen zählt Moskau auf mehr Einnahmen für seine Kriegskasse.
Drohnenangriffe bremsen russische Öl- und Gasindustrie
Der ukrainische Auslandsgeheimdienst berechnete indes, dass die russischen Exporte von Öl und Treibstoffen im März wegen der beschädigten Hafenanlagen leicht gesunken seien.
Skeptischer äußerte sich Selenskyjs Kanzleichef Kyrylo Budanow. „Unsere Schläge, die wir ihren Raffinerien versetzen, können leider nicht mit dem Preisanstieg mithalten“, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform. „Aber sie treffen die russische Öl- und Gasbranche trotzdem.“
Wolodymyr Selenskyj warnt vor zwei Szenarien
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj warnte am Freitag unterdessen vor den zukünftigen Bestrebungen Moskaus. So könnten die derzeitigen Einschränkungen des Internets und besonders der Messenger-App Telegram in Russland darauf hindeuten, dass Kremlchef Wladimir Putin den Krieg entweder zu einem Ende bringen oder weiter eskalieren wolle, erklärte Selenskyj am Freitag.
„In diesem Fall würde das eine noch umfassendere Mobilmachung bedeuten“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. „Das würde bedeuten, dass Menschen aus Moskau und St. Petersburg an die Front geschickt werden – und Leichen zurück nach Moskau und St. Petersburg.“
Ein anderes denkbares Szenario sei, dass der Kreml die russische Bevölkerung auf ein Kriegsende vorbereiten wolle. „Meiner Ansicht nach sind das die zwei Hauptszenarien, obwohl es natürlich andere Motive geben könnte. Und bald werden wir sehen, welches Szenario Putin gewählt hat“, erklärte Selenskyj.
Kriegsblogger sorgt für Wirbel: Putins Armee in „kritischer Lage“?
In Russland sorgten unterdessen die Aussagen eines Kriegsbloggers in den vergangenen Tagen für Aufsehen. Nach Angaben des Bloggers soll Russlands Verteidigungsminister Andrej Beloussow nun Kremlchef Putin darüber informiert haben, dass die Ukraine im Drohnenkrieg an der Front „signifikante“ technische Vorteile gegenüber der russischen Armee habe, berichtete das amerikanische Institut für Kriegsstudien.
Beloussow soll Putin demnach außerdem erklärt haben, dass sich die russischen Streitkräfte an der Front in einer „kritischen“ Lage befinden würden, da die Ukraine zahlenmäßig überlegen sei und modernere Waffentechnik zur Verfügung habe. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Zuletzt herrschte unter russischen Kriegsbloggern jedoch bereits eine spürbar verschlechterte Stimmung. Immer wieder gab es offene Kritik am Kreml und der russischen Armeeführung. (mit dpa)

