Haarausfall ist selten medizinisch bedrohlich – emotional aber für manche eine große Last. Dermatologin Margaretha Skorupka erklärt, warum weiblicher Haarverlust noch immer stigmatisiert ist und was man dagegen tun kann.
Interview„Eisenmangel und ein niedriger Vitamin-D-Spiegel können die Kraft der Haarwurzel schwächen“

Kein Grund zur Panik: Jeder Mensch verliert bis zu 100 Haare pro Tag.
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Frau Skorupka, gerade Frauen leiden sehr stark darunter, wenn die Haare dünner werden. Können wir uns da bei Männern etwas mehr Gelassenheit abschauen?
Margaretha Skorupka: Richtig ist erstmal, dass Haarverlust zwar kein Notfall im medizinischen Sinn ist, weder bei Männern noch bei Frauen, aber das seelische Gleichgewicht kann durchaus aus der Balance geraten, wenn das Haar plötzlich lichter wird. Da Männer häufiger eine Glatze bekommen, ist es für viele einfacher, sich damit abzufinden. In gewisser Weise hängt die Glatzenbildung mit dem Hormon Testosteron zusammen, also mit Männlichkeit. Schon in der Antike beschrieb Hippokrates die Glatze und unterschied zwischen den Geschlechtern. Die männliche, so sagte er, sei Ausdruck besonders intensiven Nachdenkens. Der weiblichen Haarlichtung wurden solche positiven Begleiterscheinungen nicht zugeschrieben. Für Frauen bedeutet Haarverlust oft auch einen Verlust der Weiblichkeit. Er kann deshalb tatsächlich traumatisierend sein.
In zunehmendem Alter bemerken die meisten Menschen, dass das Haar nicht mehr ganz so dicht ist. Das ist bis zu einem gewissen Ausmaß ein normaler Alterungsprozess. Wirklich dramatisch wird es beispielsweise bei einem ausgeprägten kreisrunden Haarausfall, der zum Ausfall großer Haarareale führen kann. Wie kommt das und was kann man dagegen tun?
Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Der Körper identifiziert die Haarwurzeln als fremd und stößt sie ab. Warum das passiert, ist noch unklar. Manchmal kann Stress den Krankheitsausbruch begünstigen. Es gibt heute einige Behandlungsmöglichkeiten. Oft erzielen wir gute Erfolge durch Cortison, das entweder äußerlich angewendet oder in die Kopfhaut gespritzt wird. Aber auch neue Therapien mit Antikörpern machen Hoffnung, die in einigen Fällen wirksam sind. Leider nicht in allen. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen ist die Erkrankung vorübergehend, die Haare wachsen nach einigen Monaten wieder nach.
Kann auch ein Nährstoffmangel Schuld tragen?
Wer sich ausgewogen ernährt und gesund ist, bekommt meist auch genügend Nährstoffe durch die Nahrung. Allerdings kann ein Mangel durchaus zu Haarausfall führen, wenn aufgrund einer Darmerkrankung bestimmte Nährstoffe und Vitamine nicht aufgenommen werden können. Eisenmangel ist die häufigste Ursache eines Haarausfalls bei Mädchen und jungen Frauen. Gerade dann, wenn bei einer vegetarischen oder veganen Kost auf tierische Produkte verzichtet wird. Aber auch ein niedriger Vitamin-D-Spiegel kann die Kraft der Haarwurzeln schwächen. Bevor Supplements gegen Haarausfall eingenommen werden, sollten durch eine Blutanalyse die Werte bestimmt werden. Auch eine Überversorgung kann schädlich sein.
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Margaretha Skorupka ist Dermatologin. Sie sagt: „Eine ausgewogene gesunde Ernährung, Gemüse, Nüsse, Obst und Vollkornprodukte liefern wichtige Vitamine und Proteine, die ein gesundes Haar benötigt.“
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Wie viele Haare in der Bürste sind normal?
Etwa 60 bis 100 Haare fallen täglich aus. Das sollte niemanden beunruhigen. Das liegt einfach daran, dass Haare in unterschiedlichen Zyklen wachsen, im Schnitt zwei bis sechs Jahre lang. Dann fallen sie aus. Richtig fest sitzen also etwa 80 Prozent unserer Haare, der Rest befindet sich im Übergang zum Ausfallstadium oder fällt aus.
Haarverlust kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine normale Begleiterscheinung beim Älterwerden sein. Gibt es dennoch Mittel, das zu stoppen?
Absolut. Es gibt beispielsweise den Wirkstoff Minoxidil. Zunächst als Blutdrucksenker eingesetzt, fiel als Nebenwirkung verstärktes Haarwachstum auf. Der Wirkstoff wurde zur äußerlichen Anwendung als Lösung oder in Schaumform als Mittel gegen Haarausfall auf den Markt gebracht. Der Prozess des Ausfalls kann dadurch gebremst werden. Man sollte frühzeitig damit beginnen, denn einmal untergegangene Haarwurzeln bringt auch diese Anwendung nicht zurück. Männer können außerdem ein Medikament einnehmen oder äußerlich nutzen, das eigentlich gegen die gutartige Prostatavergrößerung entwickelt wurde. Dabei sind mögliche Nebenwirkungen zu bedenken.
Zahlt das die Krankenkasse?
Nein. Lediglich Kortisonlösungen gegen kreisrundem Haarausfall oder zur Therapie anderer Kopfhauterkrankungen, die zu Haarausfall führen, werden erstattet. Man muss anerkennen, dass es sich bei Haarverlust um ein kosmetisches Problem handelt. Allerdings verstehe ich sehr gut, dass Betroffene das oft anders sehen. Und tatsächlich sind Behandlungen häufig so teuer, dass nicht jeder sie sich leisten kann. Unter gewissen Umständen werden aber Perücken von den Kassen bezuschusst.
Kann ich meinen Lebensstil haarfreundlich gestalten?
Auf jeden Fall. Eine ausgewogene gesunde Ernährung, Gemüse, Nüsse, Obst und Vollkornprodukte liefern wichtige Vitamine und Proteine, die ein gesundes Haar benötigt. Bei einer vegetarischen Kost ist auf alternative Eisenlieferanten zu achten. Auch Stress kann ein Risikofaktor sein. Wer also in seinen Alltag Entspannungsmomente einbaut, kann auch seinen Haaren Gutes tun. Gehen Sie außerdem vor die Tür! Durch Tageslicht lässt sich unser Vitamin-D-Speicher aufladen.
Dr. Margaretha Skorupka ist Expertin in unserem Medizintalk am 26. Februar, 19.30 Uhr im Kölner Domforum. In einem unterhaltsamen Vortrag und im Gespräch wird sie erklären, wie man lange volles Haar erhält und welche Pflege dafür wichtig ist. Tickets: 12 Euro zzgl. VVK gibt es hier.
