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Gravel, E-Bike, LastenradDas sind die Neuheiten bei der Cyclingworld in Düsseldorf

6 min
Janne Ahrenhold auf der Fahrrad-Messe Cyclingworld in Düsseldorf

Zu den Trends gehören elektrifizierte Cargo-Bikes, die viel Last zulassen (links). Einen Nischenmarkt bilden Liegedreiräder, sogenannte E-Trikes (rechts). 

Die Fahrradmesse (20. bis 22. März) auf dem Areal Böhler zeigt, was in diesem Jahr auf die Straßen kommt, darunter mitwachsende Kinder-Laufräder, leichte City-E-Bikes und komfortable Elektro-Dreiräder.

Die Radsaison beginnt. Nach den ersten sonnigen Wochenenden nimmt die Verkehrsdichte auf den Velopisten wieder zu. Passend dazu findet an diesem Wochenende (20. bis 22. März) die Fahrradmesse Cyclingworld Europe auf dem Areal Böhler in Düsseldorf statt.

Auf 20.000 Quadratmetern gibt es Rennräder, Gravelbikes, Mountainbikes, Lastenräder und Pedelec-Trends zu sehen, genauso wie Zubehör, Bekleidung und Technologie. Aber nicht nur. Die Cyclingworld versteht sich auch als Festival für die Community. Da gibt es Liegestühle, Barista-Lädchen, lässige Musik und sogar eine stehende Surfwelle. Wer hier in engen Radlerhosen, mit Helm und Klickschuhen herumflaniert, fällt ebenso wenig auf, wie Mountainbiker in Vollmontur und Liegeradfahrer mit Warnweste. Die Tageskarte kostet 18 Euro (12 Euro ermäßigt). Familien zahlen 13 Euro pro Person. 

Wir haben uns schon einmal umgeschaut – das sind Entwicklungen, Trends und Neuheiten:

Gravelbikes im Aufschwung

Als „Bio-Fahrräder“ werden heutzutage wohl solche Fahrzeuge genannt, die mit eigener Muskelkraft angetrieben werden – ganz ohne Motor. Unter den nicht-elektrifizierten Fahrrädern gilt das Gravelbike mit einem Marktanteil von zehn Prozent als Aufsteiger des Jahres. 2024 lag es noch bei 6,4 Prozent.

Gravelbikes, hier das Stevens „Gavere Pro“, gelten mit einem Marktanteil von zehn Prozent unter den nicht-elektrifizierten Rädern als Aufsteiger des vergangenen Jahres.

Gravelbikes, hier das Stevens „Gavere Pro“, gelten mit einem Marktanteil von zehn Prozent unter den nicht-elektrifizierten Rädern als Aufsteiger des vergangenen Jahres.

Laien dürfte der Name noch nicht wirklich ein Begriff sein. „Gravel“ heißt auf Englisch so viel wie „Kies“. Heißt: Das Gravelbike ist die diplomatische Lösung für all diejenigen, die sich nicht entscheiden können zwischen Schotterpiste mit dem Mountainbike oder Asphalt-Strecke mit dem Rennrad. Von letzterem unterscheidet es sich vor allem durch breitere Reifen mit deutlich mehr Profil.

Viele Radfans sehen Gravelbikes als Sportgeräte, geeignet für längere Ausfahrten oder eine Tour am Wochenende. Pendler können es auch als Alltags-Vehikel für den Weg zur Arbeit nutzen. Zubehör wie Schutzblech, Beleuchtung und Gepäckträger fehlen in der Ursprungsvariante in der Regel – können aber nachträglich montiert werden. Der Hamburger Hersteller Stevens listet das „Gavere Pro“ regulär mit 2499 Euro im Sortiment. Voll ausgestattet kostet es 2749 Euro.

Die preisliche Range geht bei Gravelbikes weit nach oben, auch abhängig von technischen Komponenten, etwa der Gangschaltung. Hier wird es für ambitionierte Fahrer interessant, die Wert auf höhere Aerodynamik legen. Wählt man ein elektrisches Schaltwerk, hydraulische Scheibenbremsen und einen leichten Carbonrahmen kosten die Räder mehrere Tausend Euro, etwa das 8,5 Kilogramm schwere Stevens „Camino Pro Di2“. UVP: 4299 Euro

Der Exot: Das E-Liegedreirad

Zugegeben: Ein Liegerad entspricht nicht unbedingt den Attributen eines hippen City-Flitzers. Auf der Düsseldorfer Kö zieht man damit zwar die Blicke auf sich – aber nicht unbedingt durch den Coolnessfaktor. Fairerweise muss man aber zugeben, dass das auch nicht unbedingt der Anspruch eines solchen elektrisch angetriebenen Dreirads ist. Dafür bringt das „Delta tx“ von der Liegerad-Manufaktur HP Velotechnik neben einem stattlichen Preis von 6949 Euro andere Vorzüge mit sich: einen überraschenden Perspektivwechsel zum Beispiel. Schlängelt man sich sonst über den Lenker gebeugt durch die Stadt, bietet sich durch den aufrechten Sitz und den Unterlenker ein panoramaähnlicher Blick auf Verkehr und Landschaft.

Das „Delta tx“ von der Liegerad-Manufaktur HP Velotechnik

Das „Delta tx“ von der Liegerad-Manufaktur HP Velotechnik

In erster Linie ist es aber bequem, kippstabil, einfach zum Aufsteigen und kommt mit einem großen Heckgepäckträger daher. Und: An der Ampel muss man noch nicht einmal den Fuß abstellen. Etwas mehr Geschick ist in engen Passagen gefordert, an Bahnübergängen zum Beispiel – aber auch das ist mit dem Radius machbar. Weitere Merkmale: individuell konfigurierbar; ergonomisch-optimierte Sitzposition; Steuerung, Gangschaltung, Motorbedienung und Bremse im Griff. UVP: ab 6949 Euro

E-Bikes für Stadt und Touren

17 Millionen E-Bikes sind laut Branchenverband ZIV – Die Fahrradindustrie auf deutschen Straßen unterwegs. Schon lange haben sie nicht-elektrifizierte Räder überholt. Das zeigt sich in den Produktionszahlen von 2025, mit 1.285.000 wurden fast doppelt so viele E-Bikes wie Fahrräder in Deutschland produziert. Und es gibt sie in allen Varianten. Als SUV beispielsweise, für lange Touren über Feld-, Wald-, und Wiesenwege, genauso wie für die städtische Pendelstrecke.

Das Victoria „Avyon 11“ zum Beispiel bietet Frontträger-Optionen, Kindersitz- und Anhängermöglichkeiten und einen Antrieb von Bosch, wiegt aber auch 28,7 Kilogramm. UVP: ab 5999 Euro

Das „Skyfly S10“ von I:SY wiegt laut Hersteller nur 16,9 Kilogramm.

Das „Skyfly S10“ von I:SY wiegt laut Hersteller nur 16,9 Kilogramm.

Zwölf Kilo leichter und city-geeignet kommt das Kompaktbike „Skyfly S10“ daher – Gewichtsreduzierung lag bei der Entwicklung durch den Hersteller I:SY im Vordergrund. Es basiert auf einem Carbonrahmen. Ein Gepäckträger kann nachgerüstet werden. Den Antrieb übernimmt ein Motor mit wahlweise 400 oder 545 Wattstunden Akku-Kapazität. UVP: ab 4999 Euro

Transport von Kind, Einkauf oder Hund – mit Lastenrad oder Anhänger

In der Innenstadt sind sie kaum noch wegzudenken: Lastenräder, gerne elektrisiert, in denen Eltern ihre Kinder zur Kita fahren. Zur Not passen auch noch Hund, Einkäufe oder eine neue Zimmerpflanze in die geräumigen Boxen. Der Branchenverband ZIV – Die Fahrradindustrie verzeichnet einen erheblichen Anstieg beim Verkauf der Cargobikes, von 75.950 (2019) auf 220.300 (2025).

Das Hürther Unternehmen Croozer hat eine neue Technologie entwickelt, mit dem der Anhänger mit wenigen Handgriffen zusammengefaltet werden kann. Der Lykke kann am Fahrrad, aber auch als Buggy und Jogger genutzt werden.

Das Hürther Unternehmen Croozer hat eine neue Technologie entwickelt, mit dem der Anhänger mit wenigen Handgriffen zusammengefaltet werden kann. Der Lykke kann am Fahrrad, aber auch als Buggy und Jogger genutzt werden.

Deutlich weniger sperrig sind hingegen klassische Fahrradanhänger, auch wenn sie aufmerksamkeitstechnisch eher unter dem Radar laufen. Im Gegensatz zum Cargobike bieten sie den Vorteil, dass sie selbst in engen Hausfluren platzsparend verstaut werden können. Ein Beispiel: der neue „Lykke“ der Hürther Firma Croozer. Er bietet Platz für zwei Kinder und kann – dank innovativer Technologie – mit wenigen Handgriffen auf eine Breite von 40 Zentimetern zusammengefaltet werden. UVP: 1200 Euro

Mitwachsende Fahrräder für Kinder

Kinder wachsen – und kurze Nutzungsdauern von Lauf- und Fahrrädern machen sich insbesondere im Geldbeutel von Eltern und Großeltern bemerkbar. Etwas andere Ansätze lassen sich zum Beispiel beim nordrhein-westfälischen Kinderfahrradhersteller Puky finden. Die Wülfrather haben das „Puky Next“ mit einer aus dem Mountainbike-Bereich bekannten Flip-Technologie ausgerüstet. Die Laufradgröße kann so von zwölf auf 14 Zoll geändert werden. Auch Lenkervorbau, der Seitenständer und der Rahmen lassen sich verstellen und an die Größe des Kindes anpassen. UVP: 149,99 Euro; Ausstattung für die jeweils andere Laufradgröße: 59,99 Euro

Das „Kimu 16“ vom spanischen Hersteller Orbea kann von einem Laufrad auf ein Einsteiger-Fahrrad umgerüstet werden.

Das „Kimu 16“ vom spanischen Hersteller Orbea kann von einem Laufrad auf ein Einsteiger-Fahrrad umgerüstet werden.

Noch weiter geht das baskische Traditionsunternehmen Orbea: Das „Kimu 16“ kann von einem Laufrad auf ein Fahrrad umgerüstet werden – auch, um einen langsamen Einstieg in die Mobilität zu ermöglichen. Geeignet ist es laut Orbea für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren und einer Körpergröße von 94 bis 115 Zentimetern. UVP: 499 Euro

Räder zum (Ent-)Falten

Die Stahlräder der Manufaktur Bernds werden in Deutschland individuell gefertigt – und sind daher teils schneller lieferbar als Massenware aus dem Ausland. Die Firma hat sich auf 20-Zoll-Falträder spezialisiert, gut geeignet, um sie im Kofferraum zu verstauen oder im Zug zu transportieren. Dort nehmen sie einen Platz von 95 mal 74,5 mal 25 Zentimetern ein.

Die Manufaktur Bernds produziert Falträder seit 1991 – und stellt Teile ihres Sortiments ebenfalls bei der Cyklingworld aus.

Die Manufaktur Bernds produziert Falträder seit 1991 – und stellt Teile ihres Sortiments ebenfalls bei der Cyklingworld aus.

Nach dem Entfalten stellt sich das Rad auf die Voreinstellungen von Sattel und Lenker ein. Durch verschiedene Rahmenlängen lassen sich die Falträder zudem nach persönlichen Wünschen konfigurieren – für Menschen mit einer Körpergröße zwischen 1,40 und 2,10 Metern. Schaltungsvarianten, Riemenantrieb, Kette, Licht und unterschiedliche Gepäcksysteme lassen sich ebenfalls individuell zusammenstellen. Optional ist auch ein Vorderrad-Elektroantrieb von der Firma Ansmann. UVP: ab 2300 Euro