Im Großraum Aachen werden Millionen in Oberleitungen für die Regionalbahn 20 investiert. Für Pendler soll ab Ende 2028 alles schneller und pünktlicher werden.
Elektrifizierung der Schiene in NRWWie Pendler im Großraum Aachen ab 2028 schneller unterwegs sein sollen

Beim Auftakt zur Elektrifizierung der Euregiobahn in Herzogenrath: Go.Rheinland-Geschäftsführer Norbert Reinkober, EVS-Geschäftsführer Christian Hartrampf, Städteregionsrat Tim Grüttemeier, EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (v..l.)
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47 Kilometer Schiene im Rheinland, auf denen die Züge künftig elektrisch fahren werden: Dass der Startschuss für ein solches Projekt von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zu Beginn der Woche in Herzogenrath persönlich begleitet wird, ist auch ein Beleg dafür, wie langsam der Ausbau nur vorankommt.
Eine Vergleichszahl verdeutlicht: Deutschlandweit wurden zwischen 2010 und 2024 durchschnittlich 75 Kilometer Schiene pro Jahr mit Oberleitungen ausgerüstet. So gesehen sind 47 Kilometer im Großraum Aachen durchaus ein Meilenstein.
Die Allianz pro Schiene, ein gemeinnütziges Verkehrsbündnis mit mehr als 2,5 Millionen Einzelmitgliedern, hat im vergangenen Jahr von der Bundesregierung gefordert, das bundeseigene Schienennetz bis 2035 zu 80 Prozent zu elektrifizieren. Aktuell sind es nur 62 Prozent. Um das zu erreichen, müsste sich der Ausbau auf 590 Kilometer pro Jahr erhöhen. Das ist kaum zu schaffen.
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Pendler profitieren von kürzeren Fahrzeiten
Am Montag geht es konkret um das Netz der EVS Euregio Verkehrsschienennetz GmbH im Raum Aachen, Stolberg, Eschweiler, Herzogenrath, Alsdorf, Würselen, Langerwehe und Düren, das sich mit 21 Haltepunkten an das überregionale Netz der DB anschließt und auf dem die Regionalbahn 20 fährt. Wenn das ab Ende 2028 elektrisch geschieht, können Pendler auf kürzere Fahrzeiten und weniger Verspätungen hoffen, weil Elektrozüge einfach schneller fahren und beschleunigen.
Ein spürbarer Beitrag für die Mobilität auch im ländlichen Raum
„Ein leistungsfähiger Schienenpersonennahverkehr leistet nicht nur in den Metropolen, sondern auch im ländlichen Raum einen spürbaren Beitrag für die Mobilität der Menschen“, sagte Schnieder beim leicht verspäteten Spatenstich. Die Arbeiten haben schon Anfang Januar begonnen.
Der Bund finanziert den Löwenanteil des Projekts, das 46,3 Millionen Euro kosten wird. Den Rest schießen das Land und die EVS zu. Sie steuert rund 3,5 Millionen Euro aus Eigenmitteln bei. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Norbert Reinkober, Geschäftsführer von go.Rheinland. „Profitieren werden die Fahrgäste, denn sie dürfen nach der Elektrifizierung mit einem besseren Angebot auf der Schiene rechnen.“
„Es gab dicke Bretter zu bohren, damit hier zum Jahresbeginn die Bagger anrollen konnten. Es gibt nicht viele Baufirmen, die solche Projekte stemmen können“, so EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil. „Wir sind zuversichtlich, die Elektrifizierungsarbeiten der Ringbahn bis Dezember 2028 erfolgreich abschließen zu können.“
Die Planungen sehen vor, nach der Elektrifizierung des Grundnetzes auch die Abschnitte anzugehen, die nach der Stilllegung vor Jahrzehnten reaktiviert werden. Das Grundnetz umfasst die Strecke Herzogenrath-Stolberg (Ringbahn). Die Verbindungen Stolberg-Langerwehe (Eschweiler Talbahn) und Stolberg-Stolberg Altstadt sollen erst 2031 und 2033 in Betrieb gehen.
Eifelstrecken könnten Ende 2028 in Betrieb gehen
Neben dem EVS-Ausbau laufen in NRW weitere Elektrifizierungsprojekte. Die bedeutendsten sind die Eifelstrecken zwischen Hürth-Kalscheuren über Nettersheim bis Trier-Ehrang über 164 Kilometer, von denen 65 in NRW liegen. Hinzu kommen die Voreifelbahn von Bonn nach Euskirchen mit 33 und die sogenannte Erfttalbahn von Euskirchen nach Bad Münstereifel mit 14 Kilometern. Sie sollen Ende 2028 fertig sein.
Geplant ist überdies die Trasse Bedburg-Horrem (14 Kilometer), allerdings erst nach 2030. Ende dieses Jahres sollen die Verbindungen zwischen Düsseldorf-Gerresheim und Wuppertal-Dornap (11 Kilometer) sowie zwischen Kaarst und dem Kaarster See (6 Kilometer) in Betrieb gehen.
Von der 80 Prozent-Marke noch meilenweit entfernt
Rechnet man all diese Projekte zusammen, kommt NRW einschließlich der Strecke zwischen Wesel nach Bocholt, die im Februar 2022 fertig wurde, in einem Jahrzehnt gerade auf knapp 200 Ausbau-Kilometer und ist damit von der 80 Prozent-Marke bis 2035 noch weit entfernt. Dazu müssten, ab 2025 gerechnet, pro Jahr 584 Kilometer neu entstehen.
Um das Bauen billiger zu machen, schlägt die Allianz Pro Schiene vor, auf Nebenstrecken die Fahrdrähte nur auf Geschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern auszulegen. Bisher sei Tempo 160 überall Standard. Aus Sicht des Verbands kann es im Einzelfall auch sinnvoll sein, über alternative Elektroantriebe mit Batterie- oder Brennstoffzellen-Triebwagen auf Wasserstoffbasis nachzudenken, um schneller zu vollständiger Elektromobilität auf der Schiene zu kommen.

