Abo

Rathaussturm in Bad MünstereifelDer Kniefall vor Prinz Tanja half Sebastian Glatzel nicht

2 min
Bürgermeister Sebastian Glatzel im grellgrünen Hemd und mit schwarzer Perücke dirigiert mit dem Stadtschlüssel in der Hand.

Sebastian Glatzel dirigierte den Spellmannszoch der KG Rot-Weiß Iversheim. Den Schlüssel legte er dabei nicht aus den Händen.

Wieverfastelovend in Bad Münstereifel: Der neue Bürgermeister Sebastian Glatzel glänzte mit dem Ententanz und musikalischem Talent. 

„Disco im Amt – mir danze us der Reih“ lautete das Motto, unter dem die Mitarbeitenden im Bad Münstereifeler Rathaus in den Weibertag starteten. Glitzer, Glamour und gute Laune schwappten dann auch hinüber ins Festzelt vor der Stiftskirche, das die veranstaltenden KGs der Stadt angesichts des unbeständigen Wetters aufgebaut hatten.

Dirk Jäkel, Präsident des KV Eicherscheider Roomedräje, moderierte den Nachmittag als echtes Allroundtalent. Nicht nur, dass er alle Gäste anmoderierte, er sang spontan einen Klatschmarsch, als die Musikanlage versagte, und fungierte zwischenzeitlich auch als lebendiger Mikrofonständer.

Erst der Ententanz lockte den Bürgermeister ins Festzelt

Doch wo blieb der Bürgermeister? Der sei „su am Fiere, dat he keene Bock hät“ ins Zelt zu kommen, verkündete Stadtsprecher Johannes Mager. Allenfalls überbordend gute Laune und tanzbare Musik könnten den ersten Bürger der Stadt vielleicht umstimmen. Der Ententanz lockte Sebastian Glatzel schließlich hinein ins Zelt und auf die Bühne, in der Hand den Stadtschlüssel, den er nicht so einfach hergeben wollte. „Ich hab ihn doch erst 101 Tage“, sagte er, und außerdem sei er sehr gerne im Rathaus und hätte eine Menge zu tun.

Dass er auch Karnevalisten und nicht nur das Rathausteam dirigieren kann, zeigte Glatzel beim Auftritt des Spellmannszochs der KG Iversheim. Die ersten Töne gerieten zwar kräftig durcheinander, aber schließlich erklangen dann doch schunkel- und tanztaugliche Melodien.

Bürgermeister Sebastian Glatzel genießt fünf Tage Narrenfreiheit

Den begehrten Schlüssel legte Glatzel dabei nicht aus den Händen, trotz einiger selbstloser Angebote jecker Wiever, das gute Stück kurz für ihn zu halten.

Am Ende ging der Stadtschlüssel dann doch verlustig: Die jecke Meute im Zelt intonierte lautstark „Abgeben! Abgeben!“ Glatzel versuchte es noch mit einem Kniefall vor Prinz Tanja des Damen-Dreigestirns aus Arloff-Kirspenich, aber alles Bitten nutzte nichts. Der Bürgermeister musste kapitulieren und seine fünftägige Zwangspause akzeptieren. Als bekennender Karnevalsjeck wird ihm diese gewiss nicht allzu schwerfallen: „Ohne Schlüssel lebt es sich bestimmt ganz gut. Jetzt habe ich Narrenfreiheit und darf mit euch allen feiern – die nächsten zwei Kisten Kölsch gehen auf mich!“