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RathaussturmIn Rösrath geben die Narren den Ton an

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Das Dreigestirn entreißt dem Bürgermeister den großen Stadtschlüssel.

Da reicht es Jungfrau, Prinz und Bauer: „Gib den Schlüssel her“, schallt es auch vom Rathausplatz Bürgermeister Yannick Steinbach entgegen.

Bürgermeister Steinbach will den Schwerlastverkehr von maroden Brücken auf Sülz-Bötchen verlagern. Dann muss er doch das Rathaus räumen.

„Regen?! Da müsse we durch!“ Da sind sich die fünf Hoffnungsthaler Freundinnen in Rut un Wiess einig und lachen voller Vorfreude. Auch in diesem Jahr wollen sie beim Sturm aufs Rösrather Rathaus dabei sein – so wie die vielen anderen Närrinnen und Narren, die sich bunt kostümiert auf dem gut gefüllten Rathausplatz drängen. Begleitet vom Musikcorps der KG Treuer Husar Blau-Gelb von 1925 bringen sie sich schunkelnd und singend in Schwung. Und mit vereinten Kräften, viel guter Laune und ebenso viel Nachdruck fordern sie zusammen mit dem Rösrather Dreigestirn von Bürgermeister Yannick Steinbach die Herausgabe des Stadtschlüssels.

Das Dreigestirn reckt die Hände mit dem großen Stadtschlüssel in die Höhe.

Geschafft! Jungfrau Sarah (Sascha Lammert), Prinz Bryan (Sterzenbach) und Bauer Karsten (Hegner) haben den Schlüssel und schicken den Bürgermeister bis Aschermittwoch nach Hause.

Bevor das Dreigestirn vom Club des Frohsinns mit Jungfrau Sarah (Sascha Lammert), Prinz Bryan (Sterzenbach) und Bauer Karsten (Hegner) den Bürgermeister bis Aschermittwoch nach Hause schickt, muss sich der „erste Bürger Rösraths“ erst noch einiges anhören. „Du hast diese Stadt hier nicht im Griff“, redet Jungfrau Sarah nicht lange drumrum.

Der Schwerlastverkehr wird auf  Bötchen auf die Sülz verlagert

„Meine Aufgabe als Jungfrau dieser Stadt ist es, den Spiegel vorzuhalten und zu zeigen, was hier schiefläuft. Und ich fange bei dir an. Du musst den Kopf dafür hinhalten“, stellt sie klar. „Und das Mikro haben wir Dir auch ausgemacht“, kommentiert sie trocken die hilflosen Versuche des Bürgermeisters, ins tonlose Mikro zu sprechen.

Los geht's mit den maroden Brücken: Alle sind kaputt. Alle. Mit 30er-Schildern könne man aktuell „richtig Kohle machen“, stellt die Jungfrau fest. Und nebenbei werde noch die A4 neu gebaut. Und der Schwerlastverkehr? Durch die Stadt? „Oder machen wir alles über Menzlingen?“ Noch-Bürgermeister Steinbach hatte sich dazu schon seine eigenen Gedanken gemacht: Über die Sülz will er den Verkehr leiten. „Ich wollte jetzt ein paar Bötchen kaufen“, verspricht er.

Jungfrau Sarah lässt nicht locker und nimmt den Bürgermeister ins Gebet

Doch Jungfrau Sarah lässt nicht locker und bringt gleich das nächste Problem aufs Tapet: Was ist mit dem Feuerwehrhaus in Hoffnungsthal? Das sei einfach viel zu abgelegen, schimpft die Jungfrau weiter. Sie, die sich im richtigen Leben ehrenamtlich bei der Feuerwehr engagiert, sagt es dem Bürgermeister direkt auf den Kopf zu: „Was willst du da machen? Hubschrauber oder was?“ Bei der jüngsten Ratssitzung habe man das doch schon einen kleinen Durchbruch geschafft, rechtfertigt sich der Bürgermeister. Eine „vergnügungssteuerpflichtige Ratssitzung“ sei das gewesen. Und hatte sogleich die zündende Idee für eine neue Einnahmequelle, um die Stadtkasse noch weiter aufzubessern.

Tanzmarie und Tanzoffizier in blau goldener Uniform, lachend

Zusammen mit den Jecken auf dem Rathausplatz lachten sie den Regen einfach weg: Das Tanzpaar Treuer Husar.

Doch Jungfrau Sarah lässt nicht locker: Neun Millionen Euro habe der Bürgermeister nun zusätzlich durch die höhere Grundsteuer im Stadtsäckel. „Könnten wir da nicht ein paar Euro in die Straße stecken?“ Doch davon will der erste Bürger Rösraths nichts wissen. Schon seit seinem Wahlkampf wisse doch jeder, dass er die Schlaglöcher für seine 18 Löcher- Mini-Golfbahn brauche, erklärt er unbelehrbar.

„Das ist unser Rathaus, das ist unsere Stadt!“

Als der Rösrather Bürgermeister dann aber sogar ein Hoch auf die Bürokratie anstimmt, langt es Jungfrau, Prinz und Bauer. „Gib den Schlüssel her“, schallt es auch vielstimmig vom Rathausplatz auf die Bühne. Mit vereinten Kräften entwindet das Dreigestirn dem Bürgermeister den Schlüssel: „Das ist unser Rathaus, das ist unsere Stadt!“

Damit kann der Straßenkarneval auch in der Stadt an der Sülz mit insgesamt drei Rösrather Zügen beginnen. Den Schlüssel hat der Bauer sicher in Verwahrung an einem Karabinerhaken an seinem Gürtel. „Der ist von der Feuerwehr und dreifach gesichert“, beruhigt die Jungfrau das närrische Volk.

„Denn Frohsinn lautet die Devise, zu jeder Zeit, in jeder Krise“

Nicht nur die Jungfrau kennt sich feuerwehrmäßig gut aus. Auch Bauer Karsten ist dort ehrenamtlich aktiv, Prinz Bryan engagiert sich beim Roten Kreuz. Passend dazu stellt ihr Sessionsspruch das Ehrenamt in den Mittelpunkt: „Ob Karneval, ob Ehrenamt, das alles geht nur Hand in Hand. Drum lasst uns stets zusammenstehn und unsren Weg gemeinsam gehn. Denn Frohsinn lautet die Devise, zu jeder Zeit, in jeder Krise.“

Da ist viel Wahres dran: Sogar den anhaltenden heftigen Regen haben die Tollitäten und ihr Gefolge mit viel Frohsinn einfach weggelacht.