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Tafel Bad MünstereifelVerdacht: Ex-Vorstandsmitglied soll 71.000 Euro veruntreut haben

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Eine Helferin mit einer Schürze mit Logo der Tafel sortiert bei der Tafel Bremerhaven Obst vor der Ausgabe an die Kunden.

Die Tafel Bad Münstereifel versorgt regelmäßig 200 Familien mit Lebensmitteln.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln: Zuwendungen nach der Flutkatastrophe sollen auf ein Privatkonto geflossen sein.

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Bonn ermitteln gegen ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Tafel Bad Münstereifel. Es besteht der Verdacht der besonders schweren Untreue. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigt die Ermittlungen, die noch nicht abgeschlossen seien. Das frühere Tafel-Vorstandsmitglied soll insgesamt rund 71.000 Euro auf sein Privatkonto überwiesen haben.

Die Bad Münstereifeler Tafel selbst hatte die finanziellen Unregelmäßigkeiten in der ersten Jahreshälfte 2025 festgestellt und zur Anzeige gebracht. Bei dem veruntreuten Geld soll es sich um Zuwendungen aus der Fluthilfe und um Spenden nach der Flut handeln. Das Gebäude der Tafel, das direkt an der Erft in Iversheim liegt, war bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 schwer beschädigt worden und konnte erst im April 2023 wieder bezogen werden.

Tafel Deutschland bestätigt Zuwendung in Höhe von 20.000 Euro

Nach Informationen dieser Zeitung setzt sich die Summe unter anderem wie folgt zusammen: 30.000 Euro soll die Stadt Bad Münstereifel als Übermittlerin an die Tafel weitergeleitet haben, 20.000 Euro sollen von der Tafel Deutschland stammen.

Die Tafel Deutschland bestätigt die Unterstützung in Höhe von 20.000 Euro. Das Geld sei 2023 im Rahmen der Katastrophenhilfe für geschädigte Tafeln mit Geldmitteln zur Bewältigung der Folgen der Flutkatastrophe 2021 angewiesen worden. Die Stadtverwaltung gibt an, die Tafel bei der Beantragung von Geldern aus dem Stärkungspakt NRW unterstützt zu haben, die Tafel habe aber von der Stadt selbst keine Gelder erhalten.

Stadt Bad Münstereifel leitete Spenden für die Tafel weiter

In einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2023 berichtet die Stadt, einen symbolischen Scheck in Höhe von 30.000 Euro an die Tafel überreicht zu haben. Das Geld stamme aus einer Spendensammlung der Gemeinde Niederkrüchten und von der dortigen Tafel, es solle für die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs verwendet werden.

Die Tafel konnte knapp zwei Jahre nach der Flut ihr beschädigtes Gebäude wieder beziehen.

Der Betrieb in Iversheim läuft normal weiter.

In dieser Mitteilung wird auch eine Spende der Bürgerstiftung Bad Münstereifel erwähnt. Auf Anfrage bestätigt deren Vorstand, dass insgesamt 7500 Euro für die Anschaffung eines neuen Kühlhauses gespendet worden seien. Das Geld sei aber direkt an den Lieferanten des gesponserten Kühlhauses überwiesen worden und nicht an die Tafel gegangen.

Geld soll auf dem Privatkonto des Ex-Vorstandsmitglieds gelandet sein

Die veruntreuten Spenden nach der Flut sollen hingegen auf dem Privatkonto des unter Verdacht stehenden früheren Vorstandsmitglieds, das bislang weder von Polizei noch Staatsanwaltschaft vernommen wurde, gelandet sein – und nicht auf dem Konto der Tafel Bad Münstereifel.

Noch hofft der neue Vorstand der Tafel Bad Münstereifel auf eine Begleichung des entstandenen Schadens. Dem früheren Vorstandsmitglied wurde eine Frist bis Ende Januar gesetzt, zumindest einen Lösungsvorschlag zu präsentieren. Diese hat es verstreichen lassen.

Tafel Bad Münstereifel hilft 200 Familien mit rund 500 Menschen

Unabhängig vom Ausgang des strafrechtlichen Verfahrens fordert die Tafel eine Rückzahlung des veruntreuten Geldes. Das ehemalige Vorstandsmitglied habe bislang aber nur einmal den Kontakt gesucht und darum gebeten, die Anzeige zurückzunehmen, heißt es vonseiten der Bad Münstereifeler Tafel.

Die Einrichtung in Iversheim, die mit ihren 30 Helfern 200 Familien mit rund 500 Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt, ist an einer möglichst zügigen Aufklärung interessiert und gibt an, die Ermittlungen zu unterstützen.

Bürgermeister Sebastian Glatzel hofft, dass die Tafel keinen Schaden nimmt

Gleichzeitig hofft der Vorstand, dass sich Spender von den Vorfällen nicht abschrecken lassen. „Die Tafel funktioniert weiter. Der Verein steht solide da und hat Kapital im Rücken. Wir haben die Mitarbeiter informiert“, sagt der im November wiedergewählte Vorsitzende Hans-Joachim Pohl.

Auch Bürgermeister Sebastian Glatzel weist darauf hin, dass der Betrieb der Tafel durch die Ermittlungen nicht beeinträchtigt ist. Er hofft, dass die Ermittlungsergebnisse keinen Schaden für die Institution der Tafel zur Folge haben. Wie die Stadt mitteilt, habe sie erst durch die Anfrage dieser Zeitung von den Ermittlungen gegen das frühere Vorstandsmitglied der Tafel Kenntnis erlangt.

Laut Tafel Deutschland sind die 978 Mitgliedstafeln selbstständig organisiert, entweder in Trägerschaft oder, wie in Bad Münstereifel, als eingetragener Verein. Deshalb seien die Vorgänge der Tafel Bad Münstereifel grundsätzlich von Vorgängen bei der Tafel Deutschland und anderen Mitgliedstafeln zu trennen.

„Die Tafel Deutschland nimmt unabhängig davon alle Hinweise und Vorwürfe gegen die Mitgliedstafeln und/oder deren (ehemalige) Vertretungsberechtigte sehr ernst und geht diesen nach“, so die Tafel Deutschland. Deshalb werde der Vorgang geprüft, „auch mit Blick auf im Rahmen unserer Satzung und des Vereinsrechts möglicher Maßnahmen“.


Tafel Bad Münstereifel hat einen neuen Vorstand gewählt

Die Tafel Bad Münstereifel hat am 5. November einen neuen Vorstand gewählt. Alter und neuer Vorsitzender ist Hans-Joachim Pohl. Zur Stellvertreterin wurde Gabriele Schoenemann gewählt. Kassiererin ist Gertrude Simons. Bernhard Pohl und Violaine Mazellier fungieren als Beisitzer.