Bessenich vergibt gegen Erftstadt zu viele Chancen, läuft gegen Ende in einen Konter und verliert – Bungart-Brüder bei Erft im Mittelpunkt
FußballDer SC Erftstadt-Lechenich gewinnt das Bezirksliga-Derby gegen den SV Bessenich

Optische Täuschung: Mert Bozkurt (Germania Erftstadt-Lechenich) verfehlt den Ball nach einer Ecke um Haaresbreite.
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SC Germania Erftstadt-Lechenich – SV Rhenania Bessenich 2:1 (1:0). Es war kein Wunder, dass der Jubel der Heimelf nach dem Schlusspfiff etwas lauter ausfiel. Denn das Gefühl, das Spielfeld als Gewinner zu verlassen, hatten die Schwarz-Gelben fast schon vergessen. Den letzten Dreier hatte man Anfang Oktober im Spiel gegen Sindorf geholt. Während der damalige Erfolg mit 7:0 deutlich ausfiel, erlebten die Gastgeber diesmal eine Zitterpartie.
Gleich drei Torhüter musste Coach Karsten Kochems am vergangenen Wochenende einsetzen, da sich die ersten beiden im Laufe der Begegnung Verletzungen zugezogen hatten, die ein Weiterspielen unmöglich machten. Derjenige, der in Weiden als Letzter auf dem Feld gestanden hatte, hütete auch gegen die Bessenicher das Erftstädter Gehäuse: Nils Grüttner.
Erftstadts Torwart Nils Grüttner zeigte tolle Paraden
Obwohl der 25-Jährige immer noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist, zeigte er insbesondere in der zweiten Halbzeit eine überragende Leistung und verhinderte mit tollen Paraden weitere Gegentreffer. Nur einmal war er ohne Chance: beim Traumtor von Arber Jashanica, als der Ball genau im rechten oberen Eck einschlug (66.).
Die Hausherren, die im Vergleich zur Vorwoche einen deutlich besseren Kader aufbieten konnten, legten bärenstark los. Die Gäste schienen vom offensiven Auftreten ihres Kontrahenten überrascht zu sein und waren zu effektiven Gegenmaßnahmen nicht in der Lage. Bereits nach wenigen Minuten wurde aber auch deutlich, warum die Germania im Tabellenkeller steht. Im Abschluss agierten die Angreifer trotz vorhandener Räume harmlos.

Lechenichs Aryan Suthaharan verlagert das Spiel in dieser Szene auf den rechten Flügel.
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Mit zunehmender Spielzeit ließ der Druck dann jedoch extrem nach, sodass sich die Rhenania häufiger befreien konnte und in der Schlussphase auch zu einer sehr guten Dreifachchance kam, bei der Grüttner mit einer Fußabwehr gegen Deniz Isitmen erstmals sein Können demonstrierte. Aus heiterem Himmel fiel beinahe mit dem Pausenpfiff das 1:0 für die Hausherren, als Felix Hilgers nach einer Ecke aus dem Gewühl heraus per Abstauber zur Stelle war.
Es war zu erwarten, dass die Gäste nach der Rückkehr aufs Feld sofort die Initiative ergreifen würden, und so kam es dann auch. Das Duell war erst wenige Sekunden alt, da bot sich Manuel Macherey die Möglichkeit zum Ausgleich. Weitere aussichtsreiche Gelegenheiten folgten, doch es dauerte bis zur Mitte des zweiten Spielabschnitts, ehe Grüttner zum ersten Mal geschlagen war.
Wir machen einfach die Tore nicht, die Chancen waren da.
Die Bessenicher blieben anschließend das dominierende Team, agierten vor dem Strafraum jedoch oft zu umständlich und wurden dann von den aufopferungsvoll kämpfenden Verteidigern, die sich in jeden Schuss warfen, im letzten Moment geblockt. Aus einer solchen Situation ergab sich neun Minuten vor dem Ende eine Kontermöglichkeit, die der SC lehrbuchmäßig ausspielte. Nach einem perfekten Steilpass setzte sich der eingewechselte Miguel Andres Koury im Zweikampf gegen den letzten Verteidiger super durch und schob das Spielgerät flach an Eamonn Klein vorbei ins Netz.
Kurz darauf parierte Grüttner noch einen gefährlichen Flachschuss – dann war der Dreier in trockenen Tüchern.
„Die Jungs haben einen super Fight geliefert und sich endlich einmal für den Aufwand belohnt“, sprach Gewinner Karsten Kochems seinen Schützlingen nach dem Schlusspfiff ein dickes Lob aus.
„Wir machen einfach die Tore nicht, die Chancen waren da“, ärgerte sich Gästecoach Can Celik über die vermeidbare Niederlage. Auf „Fetzi“ Storb, seinen Kollegen auf der Bessenicher Trainerbank, wird er in der nächsten Saison verzichten müssen. „Ich bin mit Can damals als Feuerwehrmann gekommen und jetzt im dritten Jahr hier. Diese Zeit hat unheimlich an der Substanz gekratzt.“
Kurzauftritt von Ben Bungart, zwei Tore von dessen Bruder Luke
JSG Erft 01 – Alemannia Lendersdorf 2:0 (1:0). Dass JSG-Trainer Chris Kockerols zwei ziemlich unterschiedliche Halbzeiten erlebte, hing nicht zuletzt mit dem unfreiwilligen Kurzauftritt seines eigenen Spielers Ben Bungart zusammen. Der Offensivakteur wurde in der 58. Minute eingewechselt und sah in der 67. Minute bereits zum zweiten Mal Gelb und damit die Ampelkarte. Für Kockerols ging der Platzverweis unter dem Strich in Ordnung, weil sein Schützling in beiden Fällen auch verbal keine Ruhe gegeben hatte. „Er macht insgesamt gerne den Mund auf. Das ist nach dem Training ganz cool, aber nicht während des laufenden Spiels. So war er nach kurzer Zeit schon wieder duschbereit“, nahm es der Übungsleiter mit Humor.
Diese lockere Sichtweise konnte er sich vor allem deshalb leisten, weil auf Bens Bruder Luke in der finalen Aktion zum wiederholten Mal in dieser Saison Verlass war. Nicht nur am Führungstreffer, bei dem ein Verteidiger den Ball schließlich über die Linie bugsierte, hatte der Goalgetter einen entscheidenden Anteil, sondern auch das erlösende 2:0 durch einen an Luc-Seal Roggendorf verursachten Foulelfmeter ging auf sein Konto.
Nach einer starken ersten Hälfte, in der Lendersdorf nur einmal durch einen Lattenkopfball gefährlich war, wollte Kockerols allerdings nicht verschweigen, dass seine Mannschaft in Unterzahl in erster Linie Abwehrarbeit zu verrichten hatte. Dies machten die Euskirchener allerdings in überzeugender Manier. „Es war in der zweiten Halbzeit ein reines Mentalitätsspiel, in dem wir die Null sehr gut wegverteidigt haben“, lobte der sportliche Leiter.

