Das Sistiger Dorfbier ähnelt im Geschmack dem Eifeler Landbier. Zusammen mit der „Tante Emma“ wird es ab sofort im Sistiger Lädchen verkauft.
Bei Maifeier vorgestelltIm Sistiger Lädchen gibt es jetzt ein Dorfbier und einen Likör

Das Bier und den Likör präsentierten Sandro Hammermüller (M.), Emmanuel Kunz (l.) und Brian Linden.
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Es war bis zuletzt ein gut gehütetes Geheimnis im Dorf: Welche Überraschungen waren in den zwei Schatzkisten versteckt, die auf Aufstellern im Sistiger Lädchen und auf Posts in Sozialen Medien im Internet zu sehen waren? Bei der Feier am 1. Mai wurde das Geheimnis gelüftet: In dem Lädchen werden ab sofort das Sistiger Dorfbier und der Sistiger Spezial-Likör angeboten, der den Namen „Tante Emma“ trägt.
Sandro Hammermüller und seine Frau Nadja hatten das Sistiger Lädchen mit der Postfiliale 2023 übernommen. Zuvor hatte sich die „Frische Genossenschaft“, die den Laden zehn Jahre lang betrieben hatte, aufgelöst. Hammermüller war von 2014 bis 2019 selbst Vorstandsmitglied der Genossenschaft und unter anderem für den Einkauf zuständig gewesen. Dann war er ausgeschieden, hatte den neuen Vorstand aber noch einige Zeit beraten.

Im Sistiger Lädchen an der Kaller Straße kann man das Dorfbier und den Spezial-Likör kaufen.
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„Wir sind sehr zufrieden mit den Umsätzen und haben den Schritt nicht bereut“, so der Lädchen-Chef, der seit gut 20 Jahren im Außendienst in verschiedenen Wirtschaftsbranchen tätig ist.
Bierverkauf war wegen geringer Nachfrage eingestellt worden
Die Frischegenossenschaft hatte einige Jahre das „Sistiger Lade Bier“ angeboten. „Das wurde von der Gemünder Brauerei gebraut“, erinnert sich Hammermüller. Doch in den letzten Jahren der Genossenschaft sei der Verkauf wegen zu geringer Nachfrage eingestellt worden.

In den Braukesseln der Gemünder Brauerei wird das Sistiger Dorfbier nach einer eigenen Rezeptur hergestellt
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„Ich hatte die Idee, diese Tradition wieder aufleben zu lassen, weil ich glaube, dass so ein Bier gut laufen kann“, sagt der Unternehmer. Den Namen habe er geändert, um das Gemeinschaftsgefühl im Ort zu stärken. „Auch die Rezeptur wurde leicht verändert. Es ähnelt vom Geschmack her dem Eifeler Landbier und hat einen Alkoholgehalt von 5,1 Prozent“, erzählt Hammermüller.
„Das ist schon eine tolle Sache. Welches Dorf hat schon ein eigenes Bier?“, meinte Ortsvorsteher Brian Linden. Das Bier sei auch eine willkommene Abwechslung bei Feiern im Dorf wie Kirmes oder Karneval. Hammermüller sieht den Gerstensaft auch als ideale Zutat zum Beispiel für einen Präsentkorb.
Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz ein Label entworfen
Wer ein eigenes Bier brauen lassen will, muss natürlich eine gewisse Menge abnehmen. „Ich habe eine Palette mit 38 Kästen gekauft. Eine Kiste kostet 17,99 Euro“, verrät der Lädchen-Chef. Die Herstellung von Fässern sei erstmal nicht geplant.
Zusammen mit der Grafik- und Kommunikationsdesignerin Verena Lenzen-Glorius aus Sistig wurde mit Künstlicher Intelligenz ein Label entworfen, das die Sistiger Kirche zeigt. Das Label ziert nicht nur die Bierflasche, sondern auch die „Tante Emma“. „Ich identifiziere mich total mit dem Ort. Mein Herz schlägt für Sistig“, so Hammermüller. Er ist kein gebürtiger Sistiger, sondern mit 15 Jahren hierhin gezogen.
Einen eigenen Likör hatte es bislang in dem Ort noch nicht gegeben. „Ein Kollege von mir hat nebenbei noch einen kleinen Weinhandel und verkauft dort auch einen speziellen Likör aus Nordfriesland“, erzählt Hammermüller, wie es zur „Tante Emma“ kam.
„Tante Emma“ besteht aus Kräutern, Pomeranzen und Rum
Hersteller ist die Schnapscompanie GmbH & Co KG, die seit 2016 in Niebüll im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein Spirituosen produziert. „Dort heißt der Likör ‚Tante Ella‘. Er besteht aus Kräutern, Pomeranzen und Rum und hat einen Alkoholgehalt von 38 Prozent“, sagt der Lädchen-Chef. Eine Flasche mit 0,7 Liter kostet in seinem Laden 15,99 Euro. „Die Flaschen werden von mir selbst mit dem Etikett beklebt.“
Ehe die beiden Getränke in das Sortiment aufgenommen wurden, mussten sie natürlich erst einmal getestet werden. „Ich habe das Bier und den Likör bei mir daheim mit dem Vorstand des Sistiger Maigeloogs probiert. Auch Ortsvorsteher Linden war dabei.“ Das seien außer seiner Frau die einzigen Personen gewesen, die in seine Pläne eingeweiht worden seien. Mit Linden habe er dann entschieden, die Getränke beim Maifest zu präsentieren.
„Das ist ein Zeichen von Identifikation, wenn ein Ort ein eigenes Bier und einen eigenen Likör hat“, betont der Kaller Bürgermeister Emmanuel Kunz. Der aktuelle Trend beim Bier gehe weg von großen Marken und hin zu regionalen Produkten. „Das versuchen wir ja auch als Tourismusstrategie für die Eifel zu nutzen, indem vermehrt Spezialitäten aus der Region angeboten werden“, so der Bürgermeister.
„Der Laden ist ein echter Mehrwert für den Ort. Er sorgt nicht nur für eine gute Nahversorgung, sondern er hat auch das Bewusstsein im Dorf geschärft“, betont Linden. „Wir haben rund 1100 Artikel im Sortiment“, berichtet Hammermüller. Freitags und samstags werden Bestellungen von Kunden in Sistig und den umliegenden Dörfern kostenlos ausgeliefert. „Das ist vor allem für Menschen, die nicht mehr so mobil sind, eine große Erleichterung.“
