Dank bestehender Sicherheitskonzepte und Gutachten war die Session für die Organisatoren entspannter als die vorige. Polizei registriert 76 Einsätze.
Karnevalsbilanz 2026Die Lust am Fastelovend im Kreis Euskirchen kriegt niemand weg

Das war's: Die letzten Kamellchen werden aufgefegt, die Session 2025/26 ist Geschichte.
Copyright: Tom Steinicke
Das letzte Lied ist gesungen, das letzte Alaaf verklungen. Die Pappnasen werden verstaut, die Kostüme gewaschen – am Aschermittwoch ist alles vorbei. Kurz und knackig war die Session, ohne langen Anlauf sind die Jecken vom Weihnachtsbaum in die Sitzungen marschiert. Diejenigen, die sich um die Organisation kümmern, werden ein wenig durchgeatmet haben: Wie gut, dass die knappe Terminierung nicht in der Vorsaison war. Was war da alles auf sie eingeprasselt.
Unter dem Eindruck der mit Autos verübten Terroranschläge mussten ganz andere Sicherheitskonzepte erarbeitet werden, für einen großen Innenstadtzug genauso wie für die kleinen Dorfzöch. Und dann war da noch der TÜV, der sich mit schöner Regelmäßigkeit eine neue Regel einfallen lässt – im vergangenen Jahr waren es die Brauchtumsgutachten, die vielen Wagenbauern arge Kopfschmerzen bereitet haben.
Bei Sicherheit und TÜV zahlt sich die Arbeit des Vorjahres aus
Deutlich entspannter war all dies in dieser Session. Von den hohen Anforderungen an die Sicherheit ist niemand abgewichen. Doch die im Vorjahr geleistete Arbeit hat sich ausgezahlt. Karnevalsgesellschaften, Kommunen und die Polizei haben sich erneut zusammengesetzt, um an Details zu feilen. Dieser Schulterschluss zahlt sich aus, damit das Brauchtum gepflegt werden kann und keiner in die Knie geht.
Ähnlich war es mit den TÜV-Abnahmen. Auch hier konnte auf die getane Arbeit aufgebaut werden. Eine große Erleichterung für viele Jecke war, dass die Prüfer die Abnahmen auch wieder vor Ort durchführen konnten. Nun gilt es, die Daumen zu drücken, dass keine arbeitsintensiven Neuerungen kommen: Die nächste Session ist noch eine Woche kürzer, am 4. Februar 2027 ist schon Weibertag.

Ob Malteser, DRK oder Feuerwehr: Viele Einsatzkräfte verzichten aufs Feiern und sorgen für die Sicherheit der Jecken in den Zöch.
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Bauhof Alaaf! In vielen Orten, wie hier in Zingsheim nach dem Nettersheimer Gemeindezoch, sammelten die Mitarbeiter den Müll ein.
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Alleine durch das Datum werden die meist kleinen Vereine ganz schön Stress haben. Während Köln mit dem Motto „Mer dun et för Kölle“ das Ehrenamt gefeiert hat, ist der Karneval dort ein Millionengeschäft. Dagegen wird der komplette Fastelovend im Kreis Euskirchen ehrenamtlich gestemmt. In vielen Gesellschaften sind die Schatzmeister Jahr für Jahr erleichtert, wenn der Aschermittwoch ihnen keine fiesen roten Zahlen beschert.
Alle Karnevalisten investieren eine Menge Zeit und Geld, um den Menschen Freude zu bereiten. Wochen und Monate werkeln sie an Kostümen und Wagen – und das, obwohl die Kosten immer mehr steigen. Ein Alaaf auf alle, die sich davon den Spaß an d'r Freud nicht vermiesen lassen und immer wieder etwas Wurfmaterialtaugliches entdecken, das nicht so teuer ist: Schwämmchen, Servietten, Äpfel – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ein Alaaf auch auf all die Jugendgruppen, die sich immer wieder aufmachen, einen Wagen zu bauen und mitzumachen. Auch wenn nicht jedem Stänkerpitter eure Musik gefällt: Lasst euch davon nicht beirren, ihr jungen Jecken – ihr seid die Zukunft des Fastelovends.
Frieden und Freude sind eher Thema im Kreis Euskirchen als die Politik
Dass die Zöch im Kreis, vom größten in Zülpich mit 105 Gruppen und 1400 Teilnehmern über den mit 63 Gruppen und rund 1000 Teilnehmern diesmal nicht ganz so großen in Euskirchen bis hin zu den ganz kleinen in den Dörfern, traditionell eher unpolitisch sind, stört nicht mehr wirklich. So hatten die Jecken im Vergleich zu seiner ersten Amtszeit, als Trumps in den Zöch omnipräsent waren, an dem Thema keinen Spaß mehr – da ist ihnen echt nicht mehr zum Lachen.
Frieden und Freude waren eher die Themen. Bei den Friedenstauben in Kommern etwa. Oder bei den hoffnungsfrohen Regenbögen im Lichterzoch. Bei denen verdient sich Daniel Bittmann ein Extra-Alaaf: Eine halbe Stunde vor Beginn des Zochs hat er sich entschieden, mitzumachen und den Bollerwagen der Mädels durch Eiserfey zu ziehen, damit die tanzen und feiern können. Dat es Fastelovend!
Die Teams der Bauhöfe haben einen tollen Job gemacht
Das ganz große Thema ist in vielen Orten Jahr für Jahr die Tollitätenfrage. So viele haben sich in dieser Session einen Lebenstraum erfüllt und fantastisch gefeiert. Und nun gehen die Geheimniskrämer wieder an den Start: Wer macht's nächstes Jahr? Mal sickert was durch, mal nicht. Im Falle Oeskerchens flöten die Spatzen schon was von den Dächern: Nach Informationen dieser Zeitung wird ein Damen-Dreigestirn das Zepter von Prinzessin Colette übernehmen.
Bekanntlich ist nach den Zöch vor dem Fegen. Daher verdienen sich auch alle, die sich Schöpp und Besen schnappen, um die Zugwege wieder picobello zu machen, ein Alaaf. Ein Extra-Alaaf geht in diesem Jahr an die Jungs und Mädels aus den Bauhöfen: In vielen Orten sind auch sie unterwegs, um die Straßen und Wege zu reinigen. Und am Sonntagabend mussten sie gleich wieder ran, nach dem kräftigen Schneeschauer war erst einmal Winterdienst angesagt.
Ganz schön stressig ist der Fastelovend für die Mädche und Jonge von d'r Zeitung. Mehr als 60 Zöch haben wir geschafft. Leider konnten wir nicht alle Züge besuchen: Der Kreis ist einfach zu groß, die Strecken sind zu weit. Ein Extra-Alaaf geht daher nach Waldorf: Bis in den südlichsten Zipfel haben wir es nicht geschafft, doch kurz nach dem Zoch hat Marcel Schneider uns mit Bildern und Infos versorgt, die wir gerne im Online-Auftritt veröffentlicht haben. Mit Alaaf, Helau, Juh-Jah und Wau-Wau verabschiedet sich die närrische Zeitung bis zum nächsten Elften im Elften.
Polizei registiert 76 Einsätze
76 Einsätze mit Karnevalsbezug registrierte die Polizei von Weiberdonnerstag bis zum Morgen des Veilchendienstags. Das waren mehr als 2025, als die Beamten 67 Mal eingreifen mussten. Es wurden 23 Anzeigen wegen Körperverletzungen gefertigt und elf Platzverweise erteilt. Vier Personen wurden in Gewahrsam genommen. Bei 336 Kontrollen von Fahrzeugführern hat die Polizei sieben Alkohol- und Drogenverstöße festgestellt.
Zwei Frauen waren am Weiberdonnerstag in Gemünd „Am Plan“ aneinandergeraten. Laut Polizei hatte eine 49-Jährige eine gleichaltrige Kellnerin mit Getränkeresten überschüttet und sie beleidigt – woraufhin die Kellnerin ihr ein mit Gläsern beladenes Tablett an den Hinterkopf warf. Die 49-Jährige wurde verletzt und mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.
Mehrfach geschlagen wurde am Samstag in Vussem ein 47-Jähriger von einem 22-Jährigen. Laut Polizei gingen Zeugen dazwischen und halfen dem 47-Jährigen, der leicht verletzt und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde.

Präsent war die Polizei in vielen Zöch. Mit Kamelle und Strüßjer bedankten sich die Jecken bei den Beamten.
Copyright: Tom Steinicke
Ein Streit endete am Rosenmontag in Kommern in einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen und für einen 25-Jährigen im Gewahrsam, nachdem er laut Polizei einem Platzverweis nicht nachkam und Widerstand leistete.
Opfer von Einbrechern wurden die Kaller Karnevalisten. Am Samstagmorgen entdeckten sie, dass die Kühlwagen an der Bürgerhalle aufgebrochen und Getränke gestohlen waren.
Die Polizei dankt den Bürgern für ihr überwiegend verantwortungsbewusstes Verhalten und den Einsatzkräften, Ordnungsämtern sowie Veranstaltern für ihre Beiträge zu einem sicheren Karneval.

