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VerkehrsprojektNeue A1-Zufahrt soll im Burgdorf Satzvey für Entlastung sorgen

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Das Drohnenbild zeigt den Bereich der Unterführung der L11 an der A1 mit Blick in Richtung Burg Zievel/Lessenich.

In Sichtweite der Burg Zievel soll innerhalb der kommenden zehn Jahre die neue A1-Anschlussstelle Satzvey gebaut werden.

Das Bundesverkehrsministerium hat dem Antrag der Stadt Mechernich zum Bau der neuen A1-Anschlussstelle Satzvey zugestimmt. Kosten: 8,2 Millionen Euro.

Einen langen Atem zu haben, zahlt sich bei der Realisierung von Infrastrukturprojekten aus: Während nach jahrelanger Pause am rheinland-pfälzischen Ausbauende bei Kelberg die Vorbereitungen für den Weiterbau der Eifelautobahn in Richtung Norden angelaufen sind, gibt es nun auch grünes Licht für den Bau einer neuen Anschlussstelle (AS) der A1 bei Satzvey. Die Autobahn GmbH des Bundes hat der Stadt Mechernich mitgeteilt, dass das Bundesverkehrsministerium diesem vor rund fünf Jahren gestellten Antrag jetzt zugestimmt hat.

Der Neubau einer Autobahnzufahrt – nur drei Kilometer von der bestehenden AS Wißkirchen und 5,5 Kilometer von der AS Mechernich/Bad Münstereifel entfernt? „Ja, das ist eine sehr erfreuliche Nachricht – damit haben die meisten wohl nicht gerechnet“, sagte Thomas Hambach, Erster Beigeordneter der Stadt Mechernich, in der jüngsten Sitzung des Mechernicher Stadtentwicklungsausschusses: „Das wird eine spürbare Entlastung für die Bürger in Satzvey bringen.“ Nach Zahlen aus dem Jahr 2020 wird in Satzvey mit einer Entlastung von rund 1800 Kraftfahrzeugen täglich gerechnet.

Schwerlastverkehr verursacht Probleme in Satzvey

Dort sorgt insbesondere der Schwerlastverkehr in der engen Ortsdurchfahrt immer wieder für Probleme. „Vor allem dann, wenn sich auf dem Weg zur Autobahn in Wißkirchen zwei Brummis oder Omnibusse in der Ortsmitte begegnen und sehen müssen, wie sie aneinander vorbeikommen“, wie es eine Anwohnerin im Gespräch mit dieser Redaktion verdeutlicht.

In einem Luftbild ist der mögliche Verlauf der A1-Anschlussstelle Satzvey eingezeichnet worden.

Die von der Stadt Mechernich im Jahr 2020 in Auftrag gegebene Planung sieht auch den Bau von zwei Kreisverkehrsplätzen zur Anbindung der AS Satzvey vor.

Zum Gesamtkonzept der Stadtverwaltung gehören auch die Verlegung der Satzveyer Bahnstation und der Bau einer großen Park-and-Ride-Anlage – beides liegt dann nur wenige Hundert Meter von der geplanten AS Satzvey entfernt, die im Bereich der Unterführung der L11 entstehen soll. „Damit fördern wir den Umstieg von der Straße auf die Schiene“, betont Hambach.

Kosten in Höhe von 8,2 Millionen Euro für neuen Autobahnanschluss

Das Projekt kam auch zur Sprache, als Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im vergangenen Juli an einem Arbeitstreffen der Kreis-CDU zu Infrastrukturprojekten in der Region in Mechernich teilnahm. Der Bau der AS Satzvey sei „ein Projekt mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif nach dem Treffen mit dem Verkehrsminister. Rund 8,2 Millionen Euro könnte der Bau nach aktuellen Prognosen kosten – zuzüglich der Kosten für den Park-and-Ride-Platz und der notwendigen Verlegung der L11.

Das Bundesverkehrsministerium hat die Umsetzung dieser Punkte zur Bedingung für die Genehmigung gemacht, wie aus dem Schreiben aus Berlin hervorgeht. Außerdem verfällt die Genehmigung, wenn sie nicht innerhalb von zehn Jahren umgesetzt wird.

Der Bau wird die Verkehrsprobleme in Satzvey nicht lösen, sich dafür aber unmittelbar auf den Verkehr in Antweiler und Kalkar auswirken.
Daniel Decker, Fraktion SPD, FDP, Linke

Ein Problem für die Realisierung? Hambach: „Nein. Ich bin sehr optimistisch, dass wir in zwei bis drei Jahren Baurecht herstellen können.“ Der Förderantrag für die P&R-Anlage sei gestellt, mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW habe man die Abstimmungen für die Trassenänderung der L11 abgeschlossen. 2028 wolle die Bahn den Haltepunkt Satzvey umbauen.

Opposition im Mechernicher Stadtrat befürchtet eine Verlagerung des Problems

Während sich Björn Wassong, Chef der CDU-Fraktion im Mechernicher Stadtrat, über die Nachrichten aus Berlin freut („Wir haben uns mit allen CDU-Abgeordneten auf Landes- und Bundesebene für dieses Projekt eingesetzt. Es kann die Situation in Satzvey nur verbessern!“), gibt es Kritik von der Opposition. „So eine Autobahnanschlussstelle ist nice to have“ (also „schön, sie zu haben“), wie Daniel Decker für die Fraktionsgemeinschaft von SPD, FDP und Linken sagte. Er befürchtet eine Verlagerung des Problems: „Der Bau wird die Verkehrsprobleme in Satzvey nicht lösen, sich dafür aber unmittelbar auf den Verkehr in Antweiler und Kalkar auswirken.“ Für Satzvey habe aus seiner Sicht der Bau einer Ortsumgehung Priorität.

Tatsächlich geht man davon aus, dass in der Ortsdurchfahrt Antweiler der werktägliche Verkehr um 3000 Kraftfahrzeuge in 24 Stunden von 3500 auf 6500 steigen wird – so jedenfalls die Zahlen aus dem Jahr 2020, als sich der Stadtentwicklungsausschuss zuletzt mit dem Thema befasste und die Machbarkeitsstudie zum Bau der AS Satzvey in Auftrag gab.

Ganz dem damaligen Zeitgeist (Stichwort: Klimaschutz) entsprechend, wurden in dem Antrag die Umweltaspekte besonders herausgestellt. Bei der Vorstellung des Konzepts hatte zuvor der von der Stadt beauftragte Planer Dr. Manfred Heß vom Bonner Büro Kocks Ingenieure betont, dass sich die Fahrtwege vieler Pendler aus dem Süden verkürzen, die Immissionen verringern und die Arbeitswege angenehmer würden, wenn man schon in Satzvey vom Auto auf die Bahn umsteigen könnte und nicht bis nach Euskirchen weiterfahren müsse.


Land NRW und Bund tragen die Kosten für das Projekt

Obwohl die Stadt Mechernich den Bau der neuen Autobahnanschlussstelle bei Satzvey beantragt hat und auch für die Schaffung des Baurechts verantwortlich ist, muss sie sich nicht an den Kosten beteiligen. „Die Kosten teilen sich der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen als Straßenbaulastträger“, so Beigeordneter Thomas Hambach, der das Projekt federführend bei der Verwaltung betreut.

Auch am Thema Ortsumgehung für den Ort Satzvey sei man dran, versicherte Hambach: „Das Projekt ist für den Landesstraßenbedarfsplan angemeldet – wir können aber noch nicht sagen, ob es berücksichtigt wird“, so Hambach in der jüngsten Stadtentwicklungsausschusssitzung. Der Regionalrat müsse sich zunächst noch mit dem Thema befassen.

Die nächste Sitzung der „Kommission für Mobilität und Verkehr im Regionalrat des Regierungsbezirkes Köln“ findet am Freitag, 29. Mai statt. Die Tagesordnung ist derzeit noch nicht bekannt, dafür aber die Liste der Mitglieder des Gremiums: Für die CDU wird der ehemalige Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick an der Sitzung teilnehmen