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Katholische KircheEuskirchener Pfarrer Tobias Hopmann wird Generalvikar in Köln

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Das Foto zeigt zwei Geistliche mit roten Umhängen.

Folgt dem Ruf von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki (Mitte): Euskirchens Pfarrer Tobias Hopmann.

Der Leitende Pfarrer Tobias Hopmann aus Euskirchen folgt dem Ruf von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Pfarrer Tobias Hopmann verlässt Euskirchen. Der Leitende Pfarrer der Kreisstadt ist von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zum Generalvikar im Erzbistum Köln ernannt worden. Ab dem 1. Juni wird Hopmann damit engster Mitarbeiter des Erzbischofs und die pastorale Ausrichtung des Erzbistums prägen – und dabei genau jene Perspektiven einbringen, die er in den vergangenen Jahren in Euskirchen entwickelt hat. Hopmann hat es in seiner Zeit in Euskirchen nämlich gut verstanden, einen neuen, alltagsnahen Zugang zur Kirche aufzuzeigen.

Der Geistliche versteht Kirche nicht allein vom Altar aus. Seine Erfahrungen als Leitender Pfarrer in Euskirchen haben ihm deutlich gemacht, dass klassische Wege längst nicht mehr ausreichen, um Menschen zu erreichen. „Den Großteil der Katholiken erreiche ich nicht über Gottesdienste. Das ist nur ein kleiner Prozentsatz, der regelmäßig kommt“, sagt er. Viele andere hätten kaum persönliche Berührungspunkte mit Kirche – ihr Bild entstehe vor allem durch mediale Berichterstattung.

Die Menschen müssen sehen, wie Kirche wirklich ist. Das ist das, was für sie zählt.
Tobias Hopmann, Leitender Pfarrer von Euskirchen

Gerade deshalb sei es entscheidend, dass Kirche vor Ort konkret erlebbar werde. „Die Menschen müssen sehen, wie Kirche wirklich ist. Das ist das, was für sie zählt“, betont Hopmann. Dieser Ansatz dürfte auch für seine neue Aufgabe richtungsweisend sein.

Nähe entsteht für Hopmann durch Authentizität

Ein Baustein dieser Strategie ist für Hopmann auch die Präsenz in den Sozialen Netzwerken. Auf Instagram – unter dem Profilnamen „pfarrer.eu“ – gibt er Einblicke in seinen Alltag. Mehr als 2500 Follower – oder „Schäfchen“ – folgen Hopmann auf Instagram. Der Priester präsentiert sich dort bewusst ohne Inszenierung: „Ich will kein Influencer für die Kirche sein“, stellt er klar. Stattdessen gehe es ihm darum, als Mensch sichtbar zu bleiben.

Beim Besuch einer Kita liegen Pfarrer Tobias Hopmann und Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt im Bällebad.

Für viele Scherze zu haben – und für ein Bällebad mit Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt (r.) so oder so: Pfarrer Tobias Hopmann.

Sein Profil zeigt deshalb nicht nur kirchliche Inhalte, sondern auch persönliche Momente: Eindrücke von Reisen, Engagement im Karneval oder spontane Einsätze als Musiker. So ist Hopmann etwa als Regimentspfarrer der Euskirchener Prinzengarde aktiv und half bei der Sessionseröffnung kurzerhand selbst an der Trommel aus. Auch in Köln ist er im Traditionskorps Jan von Werth als Feldkaplan engagiert.

Für ihn gehören solche Facetten selbstverständlich zum Leben eines Priesters dazu – und damit auch zur Außendarstellung. „Es bringt nichts, jeden Tag ein frommes Bibelzitat zu posten. Das ist zu viel. Die Menschen wollen einfach mitgenommen werden“, sagt er.

Kirche soll für Hopmann greifbar und menschlich erschenen

Hopmann beobachtet, dass viele Menschen ein verzerrtes Bild von Priestern haben. „Manche sind überrascht, dass ich einkaufen gehe“, erzählt er schmunzelnd. Genau hier setzt sein Ansatz an: Kirche soll greifbar und menschlich erscheinen – nicht distanziert oder fremd.

Wir hoffen, dass wir schon in wenigen Wochen den Namen des neuen Leitenden Pfarrers mitteilen können, auch wenn seine Einführung erst zu einem späteren, noch festzulegenden Zeitpunkt erfolgen kann.
Dr. Markus Wasserfuhr, Bereichsleitung pastorale Dienste

Authentizität ist für ihn dabei der entscheidende Maßstab. „Es wirkt unglaubwürdig, wenn jemand in der Sakristei ein anderer Mensch ist als außerhalb“, sagt Hopmann. Das gelte nicht nur für Soziale Medien, sondern auch für den Gottesdienst selbst. „Die Liturgie muss zum Menschen passen. Es geht nicht darum, ein frommes Schauspiel aufzuführen.“ Für ihn gehören Glaube und Leben untrennbar zusammen. Kleine Gesten, persönliche Ansprache und ein stimmiges Auftreten seien entscheidend, um Menschen wirklich zu erreichen.

Pfarrer Hopmann bringt viel Erfahrung für die Schlüsselrolle mit

Diese Haltung bringt Hopmann nun in eine der wichtigsten Positionen des Erzbistums ein. Als Generalvikar ist er nicht nur für die pastorale Ausrichtung verantwortlich, sondern auch kirchenrechtlich der Stellvertreter des Erzbischofs – eine Rolle mit erheblichem Einfluss.

Sein Werdegang hat ihn gezielt auf diese Aufgabe vorbereitet: Nach Stationen als Kaplan und Jahren am Kölner Dom – unter anderem als Domzeremoniar und Präses der Dommusik – übernahm er in Euskirchen Verantwortung für eine tiefgreifend veränderte Pfarreistruktur. Die Leitung einer Großpfarrei mit ehemals 16 Gemeinden verlangte organisatorisches Geschick, kommunikative Stärke und die Fähigkeit, Menschen in Veränderungsprozessen mitzunehmen.

Hopmann selbst spricht von einer Aufgabe, der er mit „Respekt, aber auch mit Gestaltungswillen“ begegnet. Die Kirche stehe vor großen Herausforderungen, die mutige Entscheidungen erfordern. Gleichzeitig sieht er Chancen: Wenn es gelinge, Kirche als einladend und lebensnah zu gestalten, könne sie auch künftig Menschen erreichen.

Suche nach einem Nachfolger für Euskirchen hat im Erzbistum Priorität

Hopmann folgt auf Monsignore Guido Assmann, der das Amt des Generalvikars in einer Phase tiefgreifender Reformen geprägt hat und sich künftig wieder ganz seinen Aufgaben am Dom widmen wird.

Für Euskirchen bedeutet der Wechsel einen Einschnitt. Ein Nachfolger für Hopmann steht bislang noch nicht fest, die Suche läuft. Pfarrer Dr. Markus Wasserfuhr, Bereichsleitung pastorale Dienste, sagt: „Der Erzbischof wird sich mit hoher Priorität um die Ernennung eines geeigneten Nachfolgers bemühen. Wir hoffen, dass wir schon in wenigen Wochen den Namen des neuen Leitenden Pfarrers mitteilen können, auch wenn seine Einführung erst zu einem späteren, noch festzulegenden Zeitpunkt erfolgen kann. Wir werden zeitnah mitteilen, wen der Erzbischof für die Übergangszeit als Pfarrverweser ernennen wird.“

Für das Erzbistum Köln beginnt mit Hopmanns Ernennung hingegen ein neues Kapitel. Einer, der Kirche bewusst aus dem Alltag heraus denkt, übernimmt eine zentrale Rolle – und könnte genau damit wichtige Impulse für die Zukunft setzen.


Neben Pfarrer Hopmann verlassen auch Schwester Francisca Mgbemena und Diakon Francesco Tabacco, der aktuell in Euskirchen als Seminarist tätig ist. Er wird im Juni zum Priester geweiht und verlässt anschließend die Kirchengemeinde. Verabschiedet werden die beiden am 30. August 2026 ab 18.30 Uhr in St. Matthias. Auf Wunsch von Hopmann wird er in diesem Rahmen ebenfalls verabschiedet.